Foto: LWL/Reichelt

"Sven Otten macht seinen Weg"

Der Weg in die Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM) war eigentlich vorgezeichnet für Sven Otten aus Ibbenbüren. Doch seit Juli 2014 startet der 22-Jährige als Produktionshelfer bei der Firma Gerhardi im Prototypenbau durch.

 Unterstützung auf seinem beruflichen Weg bekam der ehemalige Förderschüler durch das Projekt STAR (Schule trifft Arbeitswelt). Das gemeinsame Vorhaben der beiden Landschaftsverbände Westfalen-Lippe (LWL) und Rheinland (LVR) bereitet Schülerinnen und Schüler mit Behinderung rechtzeitig auf das Arbeitsleben vor. Dazu gehören unter anderem eine Potenzialanalyse, Berufsfelderkundungen sowie verschiedene Praktika auf dem ersten Arbeitsmarkt. Bereits drei Jahre vor Schulentlassung werden die Schüler von den Fachkräften des Integrationsfachdienstes (IFD) begleitet. Sie sorgen dafür, dass der rote Faden bei der Berufsorientierung nicht verloren geht.

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"Wir wollen den Jugendlichen eine echte Alternative zur Arbeit in den Werkstätten für Menschen mit Behinderung bieten", sagte LWL-Direktor Matthias Löb bei einer Betriebsbesichtigung am Mittwoch (12.8.). "In einer inklusiven Gesellschaft gehören Menschen mit Behinderung schließlich auch im Arbeitsleben in unsere Mitte."

 Dank der Unterstützung durch STAR sowie seiner Beharrlichkeit und seines Ehrgeizes hat Sven Otten den Sprung ins Berufsleben trotz einer geistigen Behinderung gemeistert. Im Prototypenbau-Team der Firma Gerhardi ist er mittlerweile fest integriert. "Der junge Kollege arbeitet motiviert, ausdauernd und sorgfältig", berichtet sein Anleiter Ingo Zühlow. "Insgesamt ist er auf einem guten Weg in die Selbstständigkeit".

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Der innovative Ansatz des Projektes - eine Kombination aus individueller Unterstützung und Netzwerkarbeit - hat sich nach Angaben von Löb in der Praxis bewährt: Seit der flächendeckenden Einführung im Schuljahr 2012/13 haben in Westfalen-Lippe fast 3.500 Schüler aus 220 Schulen an der modularen Berufsorientierung nach STAR teilgenommen. 420 von ihnen konnten im Anschluss in eine Ausbildung, eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung oder weitere berufliche Weiterbildungen vermittelt werden. Im Kreis Steinfurt wurden seit 2012 186 Schüler aus 13 Schulen auf ihrem Weg in den ersten Arbeitsmarkt unterstützt.

 Durchschnittlich kostet die Begleitung durch STAR pro Schüler knapp 2.500 Euro. In Westfalen-Lippe hat die Umsetzung des Programms bis 2014 rund 8,6 Millionen Euro gekostet - rund 4,4 Millionen Euro zahlte dabei der Landschaftsverband Westfalen-Lippe unter anderem aus Mitteln der Ausgleichsabgabe. Rund 4,2 Millionen Euro kamen aus Bundesmitteln der "Initiative Inklusion" und des Europäischen Sozialfonds (ESF).

WN-Artikel vom 13.08.2015