Mit der Lupe durchs Leben

Jacqueline Krömer erlernt trotz Sehbehinderung ihren Wunschberuf

Von Diana Schwindt Bielefeld (WB).

Einen passenden Ausbildungsplatz zu finden, ist nicht einfach. Noch schwieriger wird es, wenn man wie Jacqueline Krömer zu etwa 70 Prozent sehbehindert ist. Bei der DB Station&Service AG hat die 17-Jährige Bielefelderin nun eine Ausbildungsstelle bekommen, die ihrer Behinderung entsprechend gestaltet ist. Am Arbeitsplatz: DB-Auszubildende Jacqueline Krömer ist zu etwa 70 Prozent blind und bei ihrer Arbeit auf eine Vergrößerungssoftware und eine elektrische Leselupe angewiesen.

Am Arbeitsplatz: DB-Auszubildende Jacqueline Krömer ist zu etwa 70 Prozent blind und bei ihrer Arbeit auf eine Vergrößerungssoftware und eine elektrische Leselupe angewiesen. Foto: Diana Schwindt

Weil sich zwei DB-Mitarbeiter kümmerten, sich für sie einsetzten und Wege ebneten, kann die 17-Jährige trotz ihres Handicaps einen Beruf erlernen. Der Arbeitsplatz von Jacqueline Krömer scheint sich auf den ersten Blick nicht von dem ihrer Kollegen zu unterscheiden. Erst beim näheren Betrachten des Computerbildschirms fällt auf, dass die Auflösung um ein Vielfaches vergrößert ist. Die spezielle Software, die auf Krömers Computer installiert ist, hat eine Lupenfunktion. Zudem befindet sich auf ihrem Schreibtisch eine elektrische Leselupe, die Dokumente scannt und in vergrößerter Ansicht wiedergibt. Krömer ist auf diese Hilfsmittel angewiesen, denn ihre Sehstärke beträgt kaum noch 30 Prozent.

Mit etwa 11 Jahren wurde bei Jacqueline Krömer Grüner Star diagnostiziert. Aufgrund eines Ärztefehlers kam die Diagnose viel zu spät. Trotz drei Operationen konnte Krömers Sehvermögen nicht wieder komplett hergestellt werden. Seitdem ist sie aufgrund ihrer Sehminderung und einer Diabetes zu 100 Prozent schwerbehindert. In ihrem alltäglichen Leben ist die junge Frau deshalb auf Hilfe angewiesen. »Es sind oft banale Dinge, die ich nicht mehr selbstständig erledigen kann«, erklärt die 17-Jährige. Bei den meisten hilft ihr ihre Mutter. »Morgens brauche ich beispielsweise Hilfe beim Schminken«, sagt Jacqueline Krömer, die seit September eine Ausbildung zur Kauffrau für Büromanagement bei der DB Station & Service AG am Hauptbahnhof absolviert.

Bereits während ihrer Schulzeit, in der sie ebenfalls auf Hilfsmittel angewiesen war, absolvierte sie zwei Praktika bei der Deutschen Bahn. Nach ihrem Realschulabschluss stand für Krömer fest, dass sie eine Ausbildung bei der Bahn machen möchte. Werner Schulze, Arbeitsgebietsleiter der DB Station & Service AG in Bielefeld, bemühte sich anschließend um die Schaffung eines auf Krömers Behinderung zugeschnittenen Ausbildungsplatzes. »Dieser Prozess musste gut geplant werden «, erklärt Schulze, der fortan Gespräche mit dem Azubi-Trainingscenter, der Berufsschule und dem Integrationsamt des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) führte. »Es stand die Frage im Raum, ob wir diesen Ausbildungsplatz und die damit verbundene Ausstattung realisieren können «, erzählt Schulze.

Dabei geholfen hat unter anderem die Agentur für Arbeit, die einen Bildschirm, einen Laptop, die Vergrößerungssoftware und die Lupenfunktion finanzierte. Das »Pilotprojekt«, wie Alfons Kruse, Gesamtschwerbehindertenvertrauensperson der DB Station & Service AG, die Einstellung von Jacqueline Krömer nennt, sei ein positives Signal für die Inklusion in den Beruf.  


Quelle: Westfalen-Blatt Nr. 275 vom 26.11.2014