"Ich bin der Küster"

von Elmar Ries (WN)

"Ich bin der Küster.“ Ein Satz wie ein Ausrufe-Zeichen. Niklas Grewing hat ihn gerade gesagt. Und in der Stimme des jungen Mannes klingt unendlich viel Stolz. Schule trifft Arbeitswelt – kurz Star – ist ein landesweites Projekt der beiden Landschaftsverbände Westfalen-Lippe (LWL) und Rheinland (LVR). Das Ziel der Initiative: Den Automatismus stoppen, dass junge Menschen mit Handicap nach der Schule fast selbstredend in einer Werkstatt für Behinderte landen.

Niklas Grewing ist hier ein Vorbild, er hat den Kreislauf durchbrochen. Der 20-Jährige aus Raesfeld-Erle ist nicht nur im ersten Arbeitsmarkt angekommen; er hat in der St.-Urbanus- Gemeinde im nahen Dorsten-Rhade auch seinen Traumberuf gefunden. „Niklas Küster-Stelle ist eine Ringeltaube“, sagt Kristina Steffen von der Star-Koordinierungsstelle beim LWL. Meint eigentlich: Es gibt viel zu wenige Arbeitgeber, die willens und in der Lage sind, jungen Menschen mit Behinderung eine Chance zu geben. Bei dem 20-jährigen Raesfelder passte von Anfang an alles zusammen. Er war motiviert und wollte partout nicht in eine Werkstatt. Er hat engagierte und offene Eltern und fand die Unterstützung von LWL sowie Arbeitsagentur. Natürlich kam auch die notwendige Portion Glück dazu: Wie es der Zufall wollte, ging die Küsterin von St. Urbanus im vergangenen Jahr in Rente.

Seit 2012 gehen die STAR-Mitarbeiter in die Förderschulen und suchen diejenigen jungen Leute, die für den ersten Arbeitsmarkt geeignet sein könnten. In Augenschein nehmen sie dabei pro Jahr in ganz NRW 3000 Schüler. Niklas Grewing ist einer von denen, bei dem die sogenannte Potenzialanalyse positiv ausfiel. Das, was Tobias Möllers von der Arbeitsagentur am Mittwoch als „berufliche Inklusion“ bezeichnete, ist natürlich nicht nur Selbstzweck: Plätze in Werkstätten sind teuer, folglich versuchen die Landschaftverbände, möglichst viele Behinderte im ersten Arbeitsmarkt unterzubringen. Wer dort bestehen will, muss fit sein. Niklas Grewing wurde nach zwei Kennenlern-Praktika in der Gemeinde von einer Ergotherapeutin gecoacht und vom Integrationsfachdienst begleitet. Seit ein paar Wochen ist er nun im Amt und mit seinem Job genauso zufrieden wie St.-Urbanus-Pfarrer Alfred Voss mit ihm. „Wenn jemand einen Job so sehr will wie Niklas den des Küsters, dann macht er ihn auch gut.“

Einen weiteren Artikel finden Sie in der Lokallust auf den Seiten 8-10

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