Lösungen finden zwischen Denkmalschutz und Ausstellungsgestaltung

Fragen & Antworten

Annette Schlatholt ist Stellvertretende Geschäftsführerin der Landesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe NRW e.V., die als  Interessenzusammenschluss rund 130 unterschiedliche Verbände von Menschen mit Behinderungen und chronischen Erkrankungen in NRW vertritt.

Frau Schlatholt, an welchen Punkten haben Sie bei dem Neubau des LWL-Museums für Kunst und Kultur in Münster Einfluss für die Belange von Menschen mit Behinderung nehmen können?

Wir konnten den Prozess sehr gut und kontinuierlich begleiten, wenn es etwa um Materialien, Beschilderungen, Aufzüge, Toilettenanlagen oder Treppenanlagen ging. Die Zusammenarbeit gerade auch mit den Mitarbeiterinnen der Kulturvermittlung, die sehr aufgeschlossen waren, klappte sehr gut. Nicht einfach ist es allerdings, wenn Denkmalschutz und Ausstellungsgestaltung ins Spiel kommen. An dieser Nahtstelle muss immer wieder neu verhandelt werden, was den Menschen mit Behinderungen trotz des Inklusionsgedankens der UN-Behindertenrechtskonvention dann tatsächlich zugestanden wird und was nicht – etwa, wenn taktile Leithilfen für Menschen mit Sehhinderungen entstehen sollen. Wir wünschen uns, dass ein großer Träger wie der LWL mit viel Erfahrung im Denkmalschutz in Zukunft in Zusammenarbeit mit den Behindertenverbänden eigene Lösungen findet.

Wie schätzen Sie generell die Inklusion von Menschen mit Behinderung im Kultur- und Freizeitbereich ein?

Es könnte viel mehr möglich sein, wenn sich ein stärkeres Bewusstsein für die Belange der Menschen mit Behinderungen herausbilden würde. Zwei Beispiele: Nach dem Fuß-Rad-Prinzip sollte jeder Ort so gestaltet sein, dass auch Rollstuhlfahrer dorthin können, wo andere Menschen hinlaufen. Zudem sollte das Zwei-Sinne-Prinzip umgesetzt werden: Hinweise sollten immer mit zwei unterschiedlichen Sinnen erkennbar sein, falls ein Sinn nicht zur Verfügung steht.

An welchen Stellen sehen Sie selbst Grenzen für die Inklusion?

Darüber sollten nicht die sogenannten nicht behinderten Menschen entscheiden. Es gibt noch zu wenige Erfahrungen, als dass wir etwa schon jetzt bestimmte Orte ausschließen könnten. Wir neigen dazu, in anderen Ländern aber wird genauer hingeschaut, was möglich ist. Ich finde sehr gut, dass wir heute schon im Vorhinein gefragt werden – das führt zu deutlich mehr Inklusion als noch vor einigen Jahren.