Kunstwerk des Monats

Seit 1978 stellen wir jeden Monat eine Arbeit aus unserer Sammlung vor. Das Kunstwerk des Monats ist im Foyer des Museums am Eingang Pferdegasse ausgestellt. Ein Text dazu ist im Museumsshop für 1,00 Euro erhältlich.

Schachkassette, deutsch, verschiedene Hölzer, 19. Jahrhundert. Foto: LWL / Hanna Neander

Kunstwerk des Monats März 2017

Die Schachkassette gehört zur sogenannten Biedermeiersammlung des LWL-Museums für Kunst und Kultur, die unter anderem einen eindrucksvollen Bestand an Möbeln, Accessoires und Bildern aus dem 19. Jahrhundert umfasst.  Als Teil einer Privatsammlung, die insgesamt 353 Objekte beinhaltete, kam das Objekt durch den Ankauf dieser Sammlung 1954 an das Kunstmuseum.

 

Ein Schachspiel wie das vorliegende bildete im 19. Jahrhundert ein gewöhnliches Accessoire des Bildungsbürgertums. Das Material ist unter anderem chemisch behandeltes Buchenholz. Dadurch bekommt das Objekt einen rötlich, an Kirschbaumholz erinnernden Farbton und wirkt edler. Das eigentliche Schachfeld allerdings besteht aus dünnem Furnier. Zusammengehalten werden die zwei Klappen, die geöffnet das Schachfeld darbieten, durch zwei kleine Metallklammern, die sich einhaken lassen. Dadurch entsteht ein Hohlraum, der sich für die Aufbewahrung der Schachfiguren anbietet, die allerdings nicht mehr vorhanden sind. Und trotzdem: Selbst wenn es weder eine handwerkliche Besonderheit noch eine Rarität darstellt, so hat dieses Schachspiel seinen berechtigten Platz in der Sammlung. Es ist Zeugnis der Kulturgeschichte und zeigt, wie Menschen in unterschiedlichen Kulturräumen und Gesellschaften zu verschiedenen Zeiten in Gemeinschaft oder als Individuum gelebt haben. Im Kontext der Museumssammlung wird aus dieser abgenutzten Schachkassette so ein informationsreiches Kulturgut, das es zu archivieren und zu präsentieren gilt.

 

Das Spielen gehört zu den ältesten Praktiken der Menschheit, und dennoch ist das Spiel erst in jüngster Zeit zum Objekt wissenschaftlicher Betrachtung geworden. Gemäß der industriellen Anschauung, die Menschheit als arbeitende zu verstehen, exponierte sich im 18. Jahrhundert erstmals ein von der Arbeitszeit bewusst abgesondertes Handlungsfeld: die Freizeit. Das Spiel, das vorrangig in der Freizeit ausgetragen wurde, entwickelte sich so zum Untersuchungsobjekt auch für zahlreiche Philosophen und Kulturhistoriker wie etwa Immanuel Kant (1724–1804) oder Johan Huizinga (1872–1945).

In dieser Zeit organisierten sich auch die ersten Schachclubs – in den Kaffeehäusern aller europäischen Metropolen wurde Schach gespielt, das Brettspiel wurde zum Breitensport.

 

Norma L. Werbeck

Abonnement

Das Kunstwerk des Monats gibt es auch im Abonnement für 12 Euro im Jahr.
Es wird Ihnen zweimal jährlich zugeschickt. 
Bestellungen bitte an museumkunstkultur(at)lwl.org