Kunstwerk des Monats

Seit 1978 stellen wir jeden Monat eine Arbeit aus unserer Sammlung vor. Das Kunstwerk des Monats ist im Foyer des Museums am Eingang Pferdegasse ausgestellt. Ein Text dazu ist im Museumsshop für 1,00 Euro erhältlich.

Käthe Kollwitz, Selbstbildnis im Profil nach rechts, 1938. Foto: LWL / Sabine Ahlbrand-Dornseif

Kunstwerk des Monats Juli 2017

Anlässlich des 150. Geburtstags von Käthe Kollwitz (8. Juli 1867 – 22. April 1945) widmet sich Kunstwerk des Monats Juli dem 1938 entstandenen „Selbstbildnis im Profil nach rechts“.

Dieses Werk ist eines von 120 Selbstbildnissen, in denen Kollwitz kompromisslos die eigene Person betrachtet. Dies wird besonders in dem "Selbstbildnis im Profil nach rechts" augenfällig, das sie 1938 als betagte, vom Leben gezeichnete Frau zeigt. Schonungslos gibt sie das Alter wieder. Ihr bewegtes und von Schicksalsschlägen geprägtes Leben – der frühe Tod des Sohnes Peter, der im Ersten Weltkrieg gefallen war, nicht zuletzt aber auch der 1933 durch die Nationalsozialisten erzwungene Ausschluss aus der Preußischen Akademie der Künste und das 1935 erfolgte Ausstellungsverbot – hat seine Spuren hinterlassen. Der Oberkörper und Kopf sind deutlich sichtbar, das Gesicht ist tief verschattet, der müde Blick schweift in die Ferne.

Kollwitz‘ Selbstbildnisse sind ein bedeutender Bestandteil ihres Œuvres und meist als grafische Werke ausgeführt.  In vielen Darstellungen hat sie sich vor allem selbst beobachtet und dennoch zugleich versucht, über dieses Selbststudium das Wesen des Menschen zu ergründen. Vom Frühwerk bis in die letzten Lebensjahre durchziehen die Selbstbildnisse Kollwitz’ Schaffen. Sie sind Zeugnisse eines 55 Jahre dauernden Prozesses der Selbstbefragung und Selbstbestimmung. Mit extremer Strenge reflektierte sie immer wieder und über Jahrzehnte und Schicksalsschläge hinweg das eigene Ich.

 

Mit einer Ausschließlichkeit, die Ihresgleichen sucht, hat Kollwitz sich in ihrer künstlerischen Arbeit auf das Menschenbild bezogen und dieses in all seinen Facetten bis in die tiefsten existenziellen Abgründe dargestellt. Nicht nur ihre eigenen Erfahrungen konfrontierten sie mit der Härte und Ungerechtigkeit des Lebens: Durch die Arbeit ihres Mannes, eines Arztes, begegnete sie in Berlin Arbeitslosigkeit, Alkoholismus und ungewollten Schwangerschaften.

Vom Vater, der die künstlerische Begabung seiner Tochter früh entdeckte, zielstrebig gefördert, ist Kollwitz gelungen, was nur wenigen Frauen ihrer Zeit vorbehalten war: eine erfolgreiche künstlerische Laufbahn mit dem Dasein als Hausfrau und Mutter zu verbinden.  Ihre beiden durch Lektüre angeregten Grafikzyklen Weberaufstand (1897) und Bauernkrieg (1908) machten Kollwitz einem breiten Publikum bekannt.

 

Tanja Pirsig-Marshall

Abonnement

Das Kunstwerk des Monats gibt es auch im Abonnement für 12 Euro im Jahr.
Es wird Ihnen zweimal jährlich zugeschickt. 
Bestellungen bitte an museumkunstkultur(at)lwl.org