Kunstwerk des Monats

Seit 1978 stellen wir jeden Monat eine Arbeit aus unserer Sammlung vor. Das Kunstwerk des Monats ist im Foyer des Museums am Eingang Pferdegasse ausgestellt.

Die von Marcel Duchamp entworfene Schaumstoffbrust ziert den Umschlag von „Le Surréalimse en 1947“, einem Buch zum Surrealismus nach dem Zweiten Weltkrieg. Marcel Duchamp (1887–1968), Prière de toucher, Umschlag des Ausstellungskatalogs Le Surréalisme en 1947, 1947, Foto: Staatliche Schlösser, Gärten und Kunstsammlungen Mecklen-burg-Vorpommern/Gabriele Bröcker, © VG Bild-Kunst, Bonn 2019.

Kunstwerk des Monats Juni 2019

Das LWL-Museum für Kunst und Kultur in Münster zeichnet im Juni ein Werk des französisch-amerikanischen Künstlers Marcel Duchamp (1887–1968) als Kunstwerk des Monats aus. Mit der Aufforderung „Prière de toucher“ [bitte berühren] betitelte Duchamp einen von ihm gestalteten Umschlag, der die deluxe-Ausgabe des Ausstellungskatalogs Le Surréalisme en 1947 ummantelt. Der Umschlag aus dem Jahr 1947 zeigt eine in schwarzes Samt gefasste Frauenbrust aus Schaumstoff.

Duchamp hatte für diese Arbeit so genannte falsies – Einlagen für ein üppigeres Dekolleté – ihrem eigentlichen Zweck entfremdet und in Zusammenarbeit mit dem Maler Enrico Donati (1909–2008) auf Umschlagkartons geklebt. Zusätzlich hatten die beiden von Hand Farbakzente auf die Schaumstoffbrust aufgetragen, um für ein besonders naturalistisches Erscheinungsbild zu sorgen. Der von Duchamp und seinem Kollegen André Breton veröffentlichte deluxe-Ausstellungskatalog zeigt unter dem Umschlag verborgen, auf dem Cover, die Fotografie einer echten Frauenbrust; der in größerer Auflage erschienene ‚normale‘ Katalog zeigt hingegen die Fotografie eines der falsies. Ganz bewusst spielten die Urheber hier mit Begriffen von Original und Reproduktion.

 

„Prière de toucher“ ist erst in seiner zeitgenössischen Nachbarschaft voll zu erfassen: Die in der Ausstellung Le Surréalisme en 1947 vertretenen Künstlerinnen und Künstler versuchten über den Realismus hinaus Ausdrucksformen aus dem Unbewussten in ihre Bildwelten zu übertragen. Duchamp hingegen interpretierte den Ausstellungstitel mit Humor als „hyper-real“. Mit der Bemalung der falschen Schaumstoffbrüste entstand so gewissermaßen eine Art optische Täuschung, die den Surrealismus karikiert. Die Autorin Gabrielle Buffet-Picabia (1881 – 1985) schrieb zur Bedeutung Duchamps bereits im Jahr 1936 einen wegweisenden Essay, der für das Verständnis des Frühwerks des Jahrhundertkünstlers von übergeordneter Bedeutung ist.

 

Dr. Katharina Neuburger, Archivarin für Gegenwartskunst, gibt Auskunft über Duchamps Werk und sein Verhältnis zur surrealistischen Künstlerschaft in ihrer Kuratorinnenführung am Freitag (14.6.) von 14 bis 15 Uhr. Treffpunkt ist die Vitrine vor dem Vortragssaal, in dem der Essay von Buffet-Picabia und der Katalog Le Surréalisme en 1947 zu sehen sind. Damit die Schaumstoffbrust geschützt wird, ist der Umschlag des Kataloges unter Berücksichtigung konservatorischer Aspekte verwahrt.

Kuratorenführung

In der Kuratorinnenführung am Freitag, 14. Juni, um 14 Uhr stellt die Archivarin Dr. Katharina Neuburger Marcel Duchamps Werk vor. Die Teilnahme ist kostenfrei.

Abonnement

Die Publikation "Kunstwerk des Monats" ist im Museumsshop für 1,00 Euro erhältlich. Es gibt sie auch im Abonnement für 12 Euro im Jahr. Es wird Ihnen zweimal jährlich zugeschickt.

Ihre Bestellungen richten Sie bitte an museumkunstkultur(at)lwl.org