LWL-Museum für Kunst und Kultur

Soester Antependium

Soester Antependium, um 1170, Tempera auf Lindenholz, H 325 cm, Inv. Nr. 1 WKV, Leihgabe des westfälischen Kunstvereins © LWL-Museum für Kunst und Kultur

Soester Antependium, um 1170

Mit diesem Gemälde aus der zerstörten St.-Walburgiskirche in Soest hat sich das älteste Tafelbild nördlich der Alpen erhalten. Im Zentrum erscheint Christus als Weltenherrscher, umgeben von den vier Evangelistensymbolen Engel, Stier, Löwe und Adler, links bzw. rechts begleitet von der heiligen Walburga und Maria mit den Sieben Gaben des Heiligen Geistes bzw. Johannes dem Täufer und dem heiligen Augustinus. Goldgrund und Bogenarchitektur verweisen auf das Himmlische Jerusalem als Ort des Geschehens. Die Äbtissin Walburga und der Bischof Augustinus waren die Schutzpatrone des Soester Augustiner-Chorfrauenstifts. Die in höchster künstlerischer Meisterschaft ausgeführte Tafel schmückte dort den Hauptaltar der Stiftskirche – entgegen der lang verbreiteten Annahme, es handele sich um ein „Antependium“, eine vor dem Altartisch stehende Platte. Der Schlüssel des Bildprogramms mit ausdrücklichem Bezug zur Messfeier am Altar liegt in der Inschrift des Buches, das Christus auf den Knien hält: „Ich bin das lebendige Brot, das aus dem Himmel niedergestiegen ist“ (Joh 6,51). Beim Abendmahl wird mit Hostie und Wein des Opfers Christi für die Menschen gedacht.