LWL-Museum für Kunst und Kultur

Otto Dix

Otto Dix (1891-1969), Bildnis des Malers Willy Kriegel mit dem Porträt seiner Frau, 1932, Öl und Tempera auf Holz, 142 x 95 cm, Inv. Nr. 1507 LM © VG Bild-Kunst, Bonn 2013

Otto Dix (1891-1969), Bildnis des Malers Willy Kriegel mit dem Porträt seiner Frau, 1932

Streng genommen ist es ein Bild im Bild: Otto Dix hat seinen Malerkollegen Willy Kriegel dabei porträtiert, wie dieser an einem Bildnis seiner Frau Marie-Louise arbeitet. Die Gegensätze zwischen den beiden Eheleuten hat Dix bis ins Karikaturhafte gesteigert: Kriegels Frau umgibt eine ätherische Aura, die makellose weiße Haut und das von einem Kranz aus rot-goldenem Haar gerahmte Gesicht verleihen ihr die Erscheinung einer übernatürlichen Lichtgestalt. Anders ihr Mann: Er ist von Dix als massige, geduckte Gestalt wiedergegeben, der sich in einem schmutzigen Kittel mit fahler Haut vor der Staffelei müht. Die Machtverschiebung der Geschlechter, die Dix zeigt, fällt hier deutlich zugunsten der Frau aus.

Kriegel ist zur Entstehungszeit des Gemäldes als freischaffender Künstler in Dresden tätig, wo auch Dix bis 1933 als Professor an der Akademie lehrt. In dieser Zeit fertigt Dix mehrere Porträts von Künstlerkollegen an. Die exakte Darstellung des Gezeigten und die satirische Überspitzung der Porträtierten ist typisch für Dix' Stil der 1930er Jahre, ebenso wie der in altmeisterlicher Manier ausgeführte Lasurauftrag. Darüberhinaus verraten der Bildträger aus Holz und das altdeutsch anmutende Signaturmonogramm die Wertschätzung des Künstlers gegenüber der Malerei des 16. Jahrhunderts.

Kunstwerk des Monats November 1998