LWL-Museum für Kunst und Kultur

Ludger tom Ring d.Ä.

Ludger tom Ring d.Ä. (1496–1547), Der Dichter Vergil, um 1538. Öl auf Holz, 44 x 31 cm, Inv. Nr. 1173 FG. Leihgabe der Gesellschaft zur Förderung westfälischer Kulturarbeit e.V.

Ludger tom Ring d.Ä., Der Dichter Vergil, um 1538

Die Tafel mit der Darstellung des antiken Dichters Vergil gehört zu einer Bildfolge von 15 Sybillen und Propheten die ursprünglich an den Wandfeldern im Chorumgang des St.-Paulus-Domes in Münster angebracht war. Der Zyklus zählt zu den bedeutendsten Aufträgen des münsterschen Malers Ludger tom Rings d.Ä.

Nach der Überlieferung hatten die Seherinnen und Seher bereits in der Antike die Ankunft Christi vorausgesagt. Ludger tom Rings Bildfindungen sind in der Tradition der westfälischen Tafelmalerei der Gotik verankert und zeigen die weiblichen und männlichen Wahrsager in orientalischer Gewandung, um das fremdländische ihrer Kultur zu betonen, und auch in bürgerlicher, zeitgenössischer Tracht, um das Thema für den Betrachter zu aktualisieren. Eine imposante Gestalt ist der Dichter Vergil, dessen Werk nach Ansicht der Zeit ebenfalls Christusprophezeiungen enthielt. Vor dem aufgeschlagenen Buch, in ausholender Geste die Nietbrille vor Augen haltend, ist er als Gelehrter und „Sehender“ dargestellt. Mit realitätsnahen Naturdetails und Gegenständen des häuslichen Lebens im Hintergrund der Tafeln, zeigt sich der Einfluss des Wirklichkeitssinn der frühniederländischen Malerei Robert Campins. Dessen Werke könnte der münstersche Maler während seiner Lehr- und Wanderjahre gesehen haben.

Kunstwerk des Monats Mai 1997