LWL-Museum für Kunst und Kultur

Hermann tom Ring

Hermann tom Ring (1521–1596), Familienbildnis des Grafen Johann II. von Rietberg, 1564, Mischtechnik auf Eichenholz, 56,5 x 166,5 cm, Inv. Nrn. 1022 LM, 993 LM, 1941 LM, erworben mit Unterstützung der NRW-Stiftung und der Freunde des Museums für Kunst und Kultur e.V. © LWL-Museum für Kunst und Kultur

Hermann tom Ring, Familienbildnis des Grafen Johann II. von Rietberg, 1564

Die Bildnisse der münsterschen Maler tom Ring zeigen den Menschen im Spannungsfeld von Individualität und Standesabhängigkeit. Unter ihnen gehört Hermann tom Rings Gruppenbild der gräflichen Familie von Rietberg. Es zählt zu den ungewöhnlichsten und glanzvollsten deutschen Familienbildern des 16. Jahrhunderts.

Die Tafel – die leider in späterer Zeit zerteilt wurde, um die qualitätvollen Porträts einzeln zu „vermarkten“ und erst im 20. Jahrhundert wieder zusammengefügt wurde – zeigt in strenger Reihung die vier Familienmitglieder: Graf Johann II. von Rietberg, seine Frau Agnes und die beiden Töchter Ermengard und Walburg. Alle sind hinterfangen von einer fein konstruierten Wandvertäfelung. Deren halbrund geschlossene Wandfelder schließen die Komposition zusammen und billigen jedem Porträtierten einen eigenen, nur ihm zu gehörenden Bildraum zu. Auf diese Weise wird die Individualität des Einzelnen, die sich in sehr subtil erfassten Zügen äußert, zusätzlich betont. Ungewöhnlich und äußerst kostbar ist die Ausstattung der beiden Töchter. Die beiden sieben- und dreizehnjährigen Mädchen tragen aufwändigste, mit Goldbordüren versehene Kleider und sind mit Schmuck ausgestattet, der eher Fürstinnen als kleinen lippischen Gräfinnen zukommen würde. Der Schlüssel für diese Inszenierung liegt im Anlass des Auftrages begründet. Graf Johann von Rietberg war 1562 unter Verlust aller Ehren in Haft gestorben. Zwei Jahre später beauftragte die Gräfin Hermann tom Ring mit der Anfertigung der ungewöhnlich großen Tafel. Ihr Motiv war die demonstrative Rehabilitierung der Familie via Bildnis.

Wie die Quellen belegen, gelang der klugen und starken Frau auch der Kampf um das Erbe der Töchter.