LWL-Museum für Kunst und Kultur

Edvard Munch

Edvard Munch (1863–1944), Das weinende Mädchen, 1909, Öl auf Leinwand, 89 x 72 cm, Inv. Nr. 1105 LM, 1964 erworben mit Unterstützung des Landes NRW © The Munch Museum / The Munch Ellingsen Group / VG Bild-Kunst, Bonn 2013

Edvard Munch, Das weinende Mädchen, 1909

Die Darstellung des weinenden Mädchens geht auf eine von Munch (1863–1944) selbst inszenierte, um 1907 entstandene Fotografie zurück: ein zerwühltes Bett befindet sich in einer mit rautenförmiger Tapete ausgekleideten Zimmerecke. Davor, im Profil und mit leichtem Ausfallschritt in Pose gebarcht, steht ein weiblicher Akt, Munch’s Modell Rosa Meissner, mit gesenktem Kopf. Genau diese Komposition übernimmt Munch in der Münsteraner Version des Motivs. Ausgeführt mit zügigen, groben Pinselstrichen, dominiert der weibliche Akt den Vordergrund. Sein fahles, fast weißes Inkarnat steht in starkem Kontrast zu dem in kräftigem Rot ausgeführten Kopf mit den undefinierbaren Gesichtszügen.

Insgesamt gibt es von dem Motiv der Frau mit gesenktem Haupt mehrere Fassungen – fünf Gemälde, zwei Lithographien, Zeichnungen und eine Skulptur. Auch in der Wandbemalung der Osloer Universitäts-Aula taucht das Motiv wieder auf. Munchs obsessive Vorstellung von der Frau als gefährliche „femme fatale“ und vampirhaftes Wesen spiegelt sich in diesem Motiv. Im Gegensatz zum Symbolismus kokettiert Munch allerdings nicht mit dieser Vorstellung, sondern führt sie mit tödlichem Ernst malerisch aus. So wirken die Ornamente der Tapete im Hintergrund des Bildes wie Blutspritzer und laden die Szene zusätzlich mit Gewalt(vorstellungen) auf.