LWL-Museum für Kunst und Kultur

Meister mit der Hausmarke

Meister mit der Hausmarke, 16. Jahrhundert, Kabinettschrank, sog. Wrangelschrank, 1566, verschiedene Hölzer, 70 x 100 x 47 cm, Inv. Nr. K-605 LM © LWL-Museum für Kunst und Kultur

Meister mit der Hausmarke, 16. Jahrhundert, Kabinettschrank, sog. Wrangelschrank, 1566

Der „Wrangelschrank“ ist einer der prachtvollsten und ungewöhnlichsten Kabinettschränke des 16. Jahrhunderts. Seinen Namen erhielt er nach dem schwedischen Feldmarschall Karl Gustav Graf von Wrangel, der das kostbare Stück seiner Tochter zur Hochzeit geschenkt haben soll.

Kabinette wie diese dienten der Aufbewahrung von Münzen, Statuetten oder Exotika und konnten oft auch als Schreibtisch genutzt werden. Dies ist im Fall des zierlichen „Wrangelschranks“ nicht möglich, dafür birgt er ein besonderes Innenleben und ist äußerst kunstvoll mit Holzeinlegearbeiten geschmückt.

Bereits in geschlossenem Zustand fordert die überbordende Vielfalt an Motiven, darunter  phantasievolle Tiere, Blumen, Ruinen, antikisierte Rüstungen und Kriegswerkzeug zu genauerer Betrachtung auf. Der Gedanke der Vanitas – der Vergänglichkeit allen Tuns auf Erden – zieht sich durch die Darstellungen auf den Außenwänden. Vom Menschen geschaffene Bauwerke und Kunstgegenstände sind dem Verfall preisgegeben. Die Pflanzen- und Tierwelt erobert sich die Welt zurück.

Im Inneren des Schranks findet sich dagegen eine von acht Arkadenfeldern klar strukturierte Miniaturfassade, die unter dem Thema Kriegskunst steht. Hier sind Schlachten- und Triumphdarstellungen aus der Antike in miniaturhaft freien Schnitzereien aus Buchsbaumholz eingepasst. Schubladen und zwei größere Fächer hinter nicht sichtbaren Türen kennzeichnen das Sammlungsmöbel, das wegen der Einzigartigkeit seiner Intarsien selbst ein begehrtes Sammlerstück gewesen sein dürfte.

Kunstwerk des Monats November 2011