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beim Blog des LWL-Museums für Kunst und Kultur!

Jan Josef Liefers und Axel Prahl beim Pressetermin im Museum. Foto: HN

Und bitte!

Heute schreiben hier Katja Baron und Anja Habel. Gemeinsam haben wir eine lange Donnerstagnacht durchgemacht und beim Tatort-Dreh Münster als Komparse gedient.

02. Mai // 17.00 Uhr

Der Pressetermin sorgt für Wirbel im LWL-Museum für Kunst und Kultur. Axel Prahl, Jan Josef Liefers, Tonio Arango, Chiu Huichi und die Filmcrew des Münster-Tatorts lächeln in die Kameras von etwa 30 Journalisten. Claudia Miklis, Pressesprecherin, und Hanna Neander, Fotografin, sind für das LWL-Museum für Kunst und Kultur vor Ort und halten diesen Moment in Bildern fest. Im Haus herrscht derweil bereits aufgeregte Stimmung. Johann Crne, Haustechniker des Museums, weiß noch nicht, welches seiner Outfits er heute Abend zum Dreh tragen soll. Drei Anzüge hat er im Gepäck. Da fällt die Entscheidung schwer.

Viele Journalisten sind zum Pressetermin erschienen. Foto: HN

02. Mai // 19.45 Uhr

Nach und nach treffen wir an der Pforte des Museums ein und schenken uns gegenseitig anerkennende Blicke: Elf Mitarbeiter des Museums haben sich für die Komparsenrolle begeistern lassen – mal mit Begleitung, mal ohne. Schwarz, adrett und stilvoll gekleidet – getreu der Kostümvorgabe vom Vortag - sammeln wir uns, bewundern unsere Outfits und plaudern aufgeregt durcheinander. Daumen hoch! Auch dem Blick von der Kostüm-Dame halten wir stand. Mal wird noch das Tuch gewechselt, mal das Oberteil, mal flache gegen hohe Schuhe getauscht. Das Team vom Museum hat die Vorgabe „Abendgarderobe“ mit „DRESSCODE BLACK“ perfekt umgesetzt. So dürfen wir also ins Bild.

 

02. Mai // 19.58 Uhr

Aber zunächst erkunden wir den Komparsenaufenthalt, zu dem unser Besprechungsraum im 4. Obergeschoss umbenannt wurde. Hier tummeln sich neben uns etwa 60 Komparsen, sitzen an Tischen und warten auf Ansagen von Nina, der Castingassistenz. Nina hat hier oben das Kommando. Wenn gedreht wird, herrscht „Pippipause“ – damit meint Nina das Verbot, die Toilette zu benutzen, und nicht etwa das Gegenteil! Auch lautes Rumlaufen ist nicht erlaubt, weil Jan Josef Liefers und die Filmcrew ein Stockwerk unter uns drehen. Wie aufregend!

Der Besprechungsraum ist zum Komparsenraum geworden. Foto: CM

02. Mai // 20.00 Uhr

Bevor es richtig los geht, macht Claudia Miklis ein Foto vom Museumsteam auf dem Dach des Gebäudes. Um uns ein zauberhaftes Lächeln zu entlocken, fragt sie hinter der Kamera „Wie fühlt ihr euch?“ und fügt mit leicht zynischem Tonfall hinzu „Es ist erst 20 Uhr!“. Anschließend warten wir im Komparsenraum. „Setzt euch lieber hin, ihr müsst noch lange genug stehen“, mahnt Nina. Die Stimmung ist ausgelassen, leicht aufgeregt. Interessiertes und höchst erwartungsfrohes Gackern durchzieht unsere Reihen.

Das Museumsteam im Filmoutfit. Foto: CM

02. Mai // 21.00 Uhr

Da ist er! Der erste Gähner wurde gesichtet. „Vom Nichtstun werd’ ich immer so schnell müde.“, erkläre ich (Katja). Der Aufruf nach Komparsen für die nächste Szene reißt alle Aufmerksamkeit an sich und mein Gähnen ist schnell vergessen. Mein Begleiter Carsten darf ans Set. Auch meine Kollegin Petra Marx, Kuratorin für die Mittelaltersammlung, und ihre Begleiterin sind schon seit ein paar Minuten im 3. OG. Der Rest von uns wartet geduldig und mit Spannung.

02. Mai // 21.18 Uhr

Gesprächsstoff und Geduld gehen langsam aus. Frauke Wenzel, Restauratorin, scheint gut vorbereitet und holt ihr Strickzeug heraus. Wir scherzen über das Erdbeerwasser, das es hier als Erfrischungsgetränk gibt, plaudern über das karge Buffet, das derzeit ein paar Stullen für uns bereithält, reden über unsere Outfits und spekulieren über die Szenerie, die uns hoffentlich recht bald am Set erwartet. „Am meisten hatte ich mich auf das Buffet gefreut.“, muss ich (Anja) etwas enttäuscht zugeben.

 

Anja schmeckt die Stulle. Foto: CM; Frauke Wenzel fängt an zu stricken. Foto: EG

02. Mai // 21.53 Uhr

Unsere Kollegen kehren vom ersten Komparsenauftritt zurück. Wir scharen uns um die „Angedrehten“ und fragen mit neugierigen Blicken nach Jan Josef Liefers, Axel Prahl und den Kunstwerken unten in unseren Räumen. Nicht wissend, dass Axel Prahl heute Abend gar keinen Auftritt hat.

02. Mai // 22.00 Uhr

Wir warten nun seit zwei Stunden. Schon längst reden wir nicht mehr über den Büroalltag oder unser neues Museum. Lilly betritt den Raum. Lilly ist die Aufnahmeleiterin und erzählt uns schnell, worum es eigentlich im neuen Münster Tatort "Die chinesische Prinzessin" geht. In einem Nebensatz erwähnt sie, dass die Filmcrew vom gestrigen Feiern sehr müde sei und damit besonders bemüht, den Drehtag möglichst schnell über die Bühne zu bringen. Mit schnell meint Lilly, dass wir – wenn alles gut läuft – bis spätesten 5 Uhr am nächsten morgen fertig sind! Die Mienen verziehen sich.

Jetzt aber ist „Mittagspause“. Für die Filmcrew ist sie eine Stärkung nach ca. fünf Stunden Arbeit. Für uns ist sie eine gelungene Ablenkung von der Warterei und bietet eine Menge Redestoff. Ich (Anja) packe das Karo-Hemd meines Vaters aus, das ich auf Rat von Ninas Mail „zum Schutz der Kleidung beim Essen“ eingepackt habe. Scheinbar bin ich die Einzige, die sich mit diesem Kinder-Kittel auf die Nudeln mit Tomatensauce stürzt – was Katja auch prompt mit einem „Du bist ja süß!“ kommentiert.

 

Katja Baron und Brigitte Dietze warten. Foto: AH

02. Mai // 22.30 Uhr

Bevor der Dreh weitergeht, unterzieht uns das Kostüm-Team einer Laufprobe. Das hat mit Germany’s Next Topmodel nichts zu tun, sondern vielmehr mit dem Geklapper der Damenschuhe. Besonders schmale Absätze bekommen einen schwarzen Gummiüberzieher, breitere Absätze werden – wie Möbel auf empfindlichem Parkett – mit  schwarzen Polstern abgeklebt. Und schon sind wir im wahrsten Sinne des Wortes auf den sprichwörtlich leisen Sohlen unterwegs. Richtig schick ist das nicht, realistisch wohl auch nicht. Aber wahrscheinlich sind unsere Füße ohnehin nicht im Bild.

02. Mai // 23.00 Uhr

Lilly ruft uns alle ans Filmset. Endlich! Jetzt hat das Warten ein Ende. Die Nacht kann kommen. Auf geht’s zum ersten Dreh: Der Kurator der Ausstellung, gespielt von Tonio Arango, hält eine kurze Rede und stellt die Künstlerin Songma, Chiu Huichi, vor. Wir – die Vernissagegäste – sollen euphorisch klatschen. Mit Sektgläsern in der Hand ist das jedoch ein wenig schwierig und so klingt der erste Applaus eher kläglich. Das merkt auch die Regie ganz schnell und sammelt alle Gläser geschwind wieder ein. Und prompt läuft es nach der nächsten Klappe super mit dem rasenden Applaus. So soll es sein. Beim zweiten und dritten Mal haben wir Laienschauspieler uns dann richtig eingeklatscht. Einige „Bravo“-Rufe werfen wir Songma zu. Nach der sechsten Wiederholung schmerzen die Hände. Machen wir das jetzt bis 5 Uhr?

Brigitte Dietze, Brigit Kanngießer und Inge Fisch sind gut gelaunt. Fotos: EG

03. Mai // 00.10 Uhr

Nein, nur bis kurz nach Mitternacht. In der kurzen Pause ist die Stimmung locker und heiter. Es scheint, als hätten wir uns wach geklatscht. Nur wenige Gähner durchziehen unsere Reihen. Doch Kaffee schafft Abhilfe. Wieder dürfen wir ans Set. Wieder Klatschen. Diesmal steht die Kamera auf einer anderen Position. Diesmal sind wir im Bild, oder? Schon nach einem Durchgang wird abgebrochen. Wir sind uns einig, das klingt nicht nach zufriedenen Filmemachern.

03. Mai // 00.25 Uhr

Direkt im Anschluss geht es an die nächste Szene. Die Schauspieler albern zwischen den Einstellungen ein wenig herum. Wir tun es ihnen gleich. Diesmal sollen wir uns das Kunstwerk anschauen, im Raum umhergehen und so tun, als würden wir reden – das alles natürlich lautlos, damit wir die Gespräche der Schauspieler nicht übertönen. Der Mann vom Ton kontrolliert deshalb immer mal wieder, ob alle Absätze noch gut verklebt sind. Wir wandern also tonlos durch den Raum. „Schaut euch das Kunstwerk genau an, geht drum herum“, gibt Lilly uns die Anweisungen. Mehrmals wiederholen wir diese Szene. Mehrmals zeigen wir mit dem Finger auf die Installation, nicken mit dem Kopf und bewegen unsere Lippen. „Das Komparsensein wird nicht mein Hobby“, muss ich (Anja) feststellen.

Der Tiefpunkt ist erreicht. Foto: EG

03. Mai // 1.34 Uhr

Wieder eine Pause. Wir widmen uns wieder der Warterei und versuchen uns mit kleinen Albernheiten, Gesprächen und Kaffee bei Laune zu halten. Noch 3,5 Stunden! Der Tiefpunkt ist erreicht. Das Gähnen geht um. Die Füße schmerzen und die Augen sind klein, manche geschlossen. Was hat man nur ohne Handys bei solchen Wartereien angestellt? Immerhin daddeln viele der insgesamt 70 Komparsen an ihren Mobilgeräten herum, tippen, lesen, telefonieren. Auch ich (Anja) blicke auf mein iPad, zeige meinen Kollegen das Foto vom Beginn des Abends und freue mich über die Anteilnahme der Museumsfans auf unserer Facebook-Seite. Frauke Wenzel hat derweil schon 20 cm gestrickt.

Zeitvertreib mit dem iPad. Foto: KB

03. Mai // 2.15 Uhr (oder so ähnlich)

Wieder geht es ans Set im 3. OG, dieses Mal aber nur für einen Teil der Komparsen-Mannschaft. Wer dabei ist und wer oben bleiben muss, bekomme ich (Katja) gar nicht richtig mit, denn dieses Mal geht es für mich in die erste Reihe. „Du, du, du, du und du“, so fischt Lilly mit ihrem Befehlston eine Hand voll Leute aus der Menge der Wartenden – und ich bin dabei. Es geht in den nächsten Raum, der im wahrsten Wortsinn mit Kunst gefüllt ist. Dicke Bambusrohre hängen dicht an dicht von der Decke. Boerne und seine chinesische Prinzessin folgen ins Gespräch vertieft wieder und wieder der Kamera durch den gesamten Raum. Wir bewegen uns langsam, begutachten fasziniert die Kunst, ohne dass wir den Schauspielern in die Quere kommen. Das ganze machen wir gut zehn Mal, zwischendurch wird immer mal wieder die Nebelmaschine angeworfen, der Kamerawinkel korrigiert, der ein oder andere Absatz frisch abgeklebt.

03. Mai // 3.13 Uhr (müsste es gewesen sein)

Auch der Rest der Komparsen darf sich wieder am Filmset die Beine vertreten. Während Katja und die anderen durch die Bambusstäbe wandeln, darf ich (Anja) im angrenzenden Raum für schemenhafte Bewegung im Hintergrund sorgen. Immer wieder laufe ich von der einen Seite des Raumes herüber zur anderen Seite, wo Frauke Wenzel mit einem Lächeln im Gesicht auf mich wartet. „Hier sind wir doch ohnehin nicht im Bild, oder?“, kommentiert sie unsere lässige Haltung.

Das Museumsteam mit Jan Josef Liefers und Chiu Huichi. Foto: Willi Weber

03. Mai // 4.00 Uhr

Es ist schon 4! Wie die Zeit vergeht. Der Feierabend rückt näher, ganz nah sogar. Jetzt nur noch eine Stunde durchhalten. Leider warten wir wieder im Komparsenaufenthalt. Dort ist es mittlerweile ruhiger geworden.

03. Mai // 4.35 Uhr

Zack zack! Wir haben einen Fototermin mit Jan Josef. Aber es muss schnell gehen, immerhin wollen hier alle in den Feierabend. Schnell trommeln wir unser Museums-Komparsen-Team zusammen und grinsen mit kleinen Augen neben Boerne und Songma in die Kamera. So, jetzt ist’s auch gut gewesen. Dürfen wir nun ins Bett? Noch nicht ganz. Ein letztes Mal müssen wir ans Set und Vernissagegetuschel vortäuschen. Diesmal geht es nur um den Ton – ist auch besser bei unseren roten, kleinen Augen.

03. Mai // 4.48 Uhr

Feierabend! Der Adrenalinpegel steigt vor Freude wieder an. Wir haben es geschafft. Jetzt herrscht Aufbruchstimmung und eine lockere Atmosphäre. Das Lächeln kehrt wieder in die Gesichter zurück. Wieder tauschen wir anerkennende Blicke. Diesmal gilt die Anerkennung dem Durchhaltevermögen! Ein bisschen stolz sammeln wir unsere sieben Sachen. „So lange war ich noch nie am Stück in unserem Besprechungsraum!“, fasst Birgit Kanngießer, Verwaltungsangestellte, den Abend zusammen.

03. Mai // 5.30 Uhr (ungefähr)

Ich (Katja) schicke eine letzte Nachricht über Facebook an meine Freunde: „Tatort-Dreh als Komparse müde aber zufrieden überstanden. Gute Nacht!“

 

Text: Anja Habel und Katja Baron

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Publikationsdatum: 08.05.2013

Themen: Altbau, Museumsteam, Veranstaltungen