Herzlich willkommen

beim Blog des LWL-Museums für Kunst und Kultur!

Aus dem Fotoalbum von August Macke zur Tunisreise.

Tausendundeine Nacht – Orientalische Bilder von August Macke

Ein Kernbereich der Sammlung des LWL-Museums für Kunst und Kultur ist die Malerei der Moderne, ein Schwerpunkt liegt dabei auf der Kunst von August Macke. Das Museum am Domplatz beherbergt über 300 Werke des westfälischen Expressionisten, darunter Gemälde und Aquarelle, Grafiken, drei Arbeiten auf Textil, zwei Skulpturen und 80 Skizzenbücher. Anlässlich des Jubiläums der berühmten Künstlerreise nach Tunesien und des 100. Todestages von August Macke wurde der umfangreiche Macke-Bestand digitalisiert. Ab der Neueröffnung am 20. September werden einige der Skizzenbücher in der Sammlung präsentiert.

Die Zeichnung "Kairouan III" entstand während der Tunisreise 1914.

Sternstunde der modernen Malerei

Am 6. April 1914 machten sich die Malerfreunde August Macke, Paul Klee und Louis Moilliet auf den Weg nach Tunesien, um dort das intensive Licht, die weißen Städte und die flimmernden Landschaften der Wüste zu studieren. Diese 14-tägige Künstlerreise wurde zu einer Sternstunde der modernen Malerei. Vom anekdotenhaften Orientalismus des 19. Jahrhunderts verabschieden sich die Künstler und entwickeln ganz eigene Bildlösungen. Sie abstrahieren ihre Motive und verwandeln sie mehr und mehr in ornamentale Strukturen. Die exotische Umgebung regt die Maler zu äußerster Produktion an, schon am ersten Abend aquarellieren Macke und Klee. Macke schreibt dazu an seine Frau: "Liebe Lisbeth! Wir sitzen hier mitten in der afrikanischen Landschaft, zeichnen, schreiben, Klee aquarelliert. (…) ich habe heute schon sicher 50 Skizzen gemacht. Gestern 25. Es geht wie der Teufel, und ich bin in einer Arbeitsfreude, wie ich sie nie gekannt habe." Neben Goethes Italienreise wurde der Trip der Künstlerfreunde durch den Orient zur berühmtesten Reise der deutschen Kulturgeschichte.

Mit Eindrücken von der Tunisreise entstehen später Gemälde im Atelier wie "Hafen in Tunis", 1914.

Macke-Archiv und Skizzenbücher

In der Sammlung des LWL-Museums für Kunst und Kultur ist ein Gemälde aus dieser berühmten Reise enthalten: das "Tunesische Hafenbild". Das größte Konvolut an Zeugnissen der "Tunisreise" in Museumsbesitz sind Skizzen und Dokumente aus dem Nachlass. Das Macke-Archiv enthält zahlreiche Briefe, Fotos, Dokumente und wurde durch die Familie des Künstlers 1979/80 an das LWL-Museum für Kunst und Kultur übergeben. Bereits 1975 wurden die Skizzenbücher vom Museum angekauft und bildeten den Auftakt für eine intensive Macke-Forschung.

Dr. Tanja Pirsig-Marshall, Kuratorin für die Moderne im Haus, betreut das Macke-Konvolut und bemühte sich bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) um Förderung der Aufarbeitung desselben. Dem Antrag wurde 2012 stattgegeben. In den letzten Jahren konnten innerhalb des Digitalisierungsprojekts insgesamt 5000 Blätter der Skizzenbücher, aber auch andere Papierarbeiten und Archivalien eingescannt werden.

Das Deckblatt des Fotoalbums von August Macke.

Digitales Fotoalbum

Um die zum Teil äußerst empfindlichen Dokumente einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen, wird der gesamte digitalisierte Bestand ab dem 1. September auf unserer Website zugänglich sein. Mit der Wiedereröffnung des LWL-Museums für Kunst und Kultur am 20. September 2014 werden in der Neupräsentation der Sammlung zehn digitalisierte Skizzenbücher zu sehen sein, darunter das Skizzenbuch zur "Tunisreise". Darüber hinaus kann auch das Fotoalbum, das auf der Reise entstand, in digitalisierter Form durchgeblättert werden.

Bilder: LWL
Text: Judith Frey

⇑ Zum Seitenanfang

Publikationsdatum: 07.04.2014

Themen: Neubau, Kunstwerke