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beim Blog des LWL-Museums für Kunst und Kultur!

Unsere Kollegen im "Dresscode: Black" vor Beginn der Dreharbeiten. Foto: CM

Tatort Museum: Sekunden-Glück auf der falschen Vernissage

Der heutige Blogbeitrag dreht sich um die neueste Folge des Münster-Tatorts "Die chinesische Prinzessin". Über Medienrummel, Rudelgucken, identifikatorische Momente und Pressestimmen. Ein Rückblick von Presse-Volontärin Judith Frey, ein bekennender Nicht-Krimi-Fan.

Alles begann für mich damit, dass ich am 2. Mai 2013 hier im LWL-Museum mein Volontariat in der Presseabteilung anfing – am Tag, an dem die Pressekonferenz zur Tatort-Folge "Die chinesische Prinzessin" im Museum stattfand und die ganze Nacht hindurch gedreht werden sollte. Etliche Journalisten waren gekommen, um ein Pressefoto von Jan Josef Liefers und Axel Prahl alias Karl-Friedrich Boerne und Kommissar Frank Thiel zu ergattern. Tatsächlich Staraufgebot an meinem ersten Tag! Kein Wunder: Immerhin erreicht der Münster-Tatort in der Regel die höchsten Einschaltquoten von allen Tatorten, die Darsteller um Liefers und Prahl wurden 2011 als "Das beste Krimi-Team" ausgezeichnet. Sogar für den Grimme Preis waren sie 2012 nominiert in der Kategorie "Unterhaltung/Spezial".

Vorspann des Tatorts. Quelle: ARD

Rudelgucken und Heimattatort

Ehrlich gesagt kann ich den Tatort-Hype nur insofern nachvollziehen, als dass man sich gern mit Freunden für einen gemütlichen Sonntagabend zusammenfindet, bei Essen und Bier tratscht und klatscht und als "Beiwerk" Tatort schaut. Natürlich wird aufgrund des identifikatorischen Moments und des Wiedererkennungswerts der Tatort besonders honoriert, der in der eigenen Heimatstadt spielt. Ok, habe ich bisher nie gemacht. Liegt vielleicht daran, dass ich aus Thüringen komme und es bei uns keinen Tatort gab. Und vielleicht auch daran, dass ich keinen Fernseher habe und noch nicht mal auf Krimis stehe.

Fotografen rangeln um die besten Bilder von Liefers und Prahl. Foto: HN
Fan-Foto mit Jan Josef Liefers nach dem erfolgreichen Dreh. Foto: Willi Weber

Kollegen als Komparsen

Jedenfalls endete mein erster Arbeitstag in Münster mit dem Pressetermin zum Tatort-Dreh im Museum. Noch schnell ein Bild von Liefers und Prahl, im Hintergrund der Dom, noch eins zwischen den Bambusrohren der labyrinthischen Kunstinstallation im Nebenraum. Die Journalisten waren zufrieden und ich ging in den Feierabend. Für das Fernsehteam fing der Drehtag allerdings erst an. So auch für elf Kolleginnen und Kollegen aus dem Museum. Sie hatten sich – nicht ahnend, worauf sie sich einlassen – als Komparsen gemeldet und sollten Vernissagegäste mimen. Welche Spuren die aufregende Nacht hinterlassen hat, ist in einem anderen Blogbeitrag nachzulesen. Es wurde jedenfalls eine lange: Von 17 Uhr am Abend bis zum nächsten Morgen 5 Uhr wurde gedreht und die Komparsen mussten sich stets bereit halten, durch das Bild zu laufen, zu klatschen, interessiert die Kunstwerke zu betrachten. 

Wir warten darauf, dass der Tatort endlich anfängt. Foto: LWL

Monatelanges Warten – Zeit für neue Identifikation

Was ist davon geblieben? Wer hat es tatsächlich ins Bild geschafft? Fünf Monate mussten wir alle warten. Ich habe meine Kolleginnen und Kollegen seit Mai besser kennen gelernt und mich gut in Münster eingelebt. Bin ich vielleicht schon für ein identifikatorisches Moment bereit? Für uns in der Presseabteilung war klar, wir gucken den neuesten Fall von Boerne und Thiel gemeinsam. Schwieriger war die Wahl des Ortes: im heimischen Wohnzimmer (das nicht jede von uns zu bieten hat), gar im Museum mit allen Kollegen oder doch eher öffentliches Rudelgucken in der Kneipe? Letztlich war der WDR das Zünglein an der Waage. Interessiert daran, uns beim Fernsehen zu filmen, entschieden wir uns in Rick’s Café zusammenzukommen.

Katja Baron beim Interview mit dem WDR aus Münster. Foto: JF

Rudelgucken im Rick’s mit Metaebene

Sonntag, kurz nach sieben: Ich treffe als Erste bei Rick’s ein und suche mir den besten Platz. Kurz darauf erscheinen meine Kollegin Birgit Kanngießer und ihr Mann sowie überraschenderweise unser Direktor Hermann Arnhold. Nach und nach trudeln auch Katja Baron, Anja Habel, Frauke Wenzel und Claudia Miklis ein. Stephan Hackenbroch vom WDR kommt auch wie verabredet, baut sein Equipment auf und interviewt alle Beteiligten. Ich esse noch, war ja sowieso nicht beim Dreh dabei und bin ganz froh, nichts sagen zu müssen. Erwartungsvolle Statements von allen anwesenden Komparsen inklusive Claudia Miklis als Pressesprecherin des Hauses kriegt der gute Mann und das sollte für einen zweieinhalbminütigen Beitrag für die Lokalzeit Münsterland allemal reichen. Wir machen noch ein Foto für Facebook und dann geht’s endlich los!

"Die chinesische Prinzessin" im LWL-Museum für Kunst und Kultur. Quelle: ARD
Im Vorspann zu sehen: die Vernissage mit Anja Habel, Katja Baron und Ingrid Fisch. Quelle: ARD

Spannender Vorspann

Die Spannung steigt. Der berühmte Vorspann setzt ein. Eine nächtliche Szene im Wald, der erste Tote und schon stehen wir vor dem LWL-Museum für Kunst und Kultur. Die Vernissage beginnt. Und da: der erste Jubelschrei! Anja Habel ist kurz im Bild, verhältnismäßig scharf und im Vordergrund. Auch noch im Bild, aber etwas unschärfer und eher im Hintergrund, Katja Baron und Ingrid Fisch. All das, noch bevor der eigentliche Vorspann überhaupt zu Ende ist! Wir sind begeistert und in erwartungsvoller Aufregung lassen wir die Leinwand nicht aus den Augen.

Museumsmitarbeiter als Schemen in der Kulisse. Quelle: ARD

Schemen in der Kulisse

Die Vernissage plätschert vor sich hin. Boerne versucht die chinesische Prinzessin Songma mit ein paar Brocken Chinesisch zu beeindrucken. Da sind unser Haustechniker Johann Crne und Restauratorin Berenice Gührig zu sehen! Nein, nicht die beiden im Vordergrund mit dem Glas Sekt in der Hand, die gutbürgerliches Bildungsbürgertum mimen, sondern die beiden verschwommenen Gestalten im Hintergrund. Auch Doris Wermelt aus der Kunstvermittlung taucht kurz schemenhaft in der Kulisse auf. Später im "Bambus-Raum" laufen Ingrid Fisch und Katja Baron schemenhaft vor der Linse herum. Birgit Kanngießer, ihr Mann und Frauke Wenzel sorgen als Publikum für die entsprechende Stimmung, bleiben dem Zuschauer jedoch verborgen.

Rudelgucken mit den Kollegen im Rick's. Foto: JF

Medienrummel und kritische Stimmen

Mit uns sahen rund 12,44 Millionen Menschen den Tatort. Kein neuer Zuschauerrekord, dennoch der höchste Marktanteil einer Sendung im deutschen Fernsehen an diesem Abend. Über die Story lässt sich streiten, was in zahlreichen Kommentaren auf Facebook und Twitter sowie in unterschiedlich ausgefallenen Rezensionen zur Sendung auch getan wurde. Mediale Aufmerksamkeit wurde uns noch einmal am Montag in der Lokalzeit beim WDR zuteil und natürlich in der lokalen Presse, allen voran mit einer Exklusiv-Story der Münsterschen Zeitung. Peinlich war lediglich die F.A.Z., die es offensichtlich nicht schaffte, auch nur rudimentär zu recherchieren (z. B. auf der Presseseite des WDR oder Wikipedia) und schrieb, es wäre im Stadtmuseum gedreht worden. Schade, alle anderen haben entweder gar nicht oder immerhin das LWL-Museum für Kunst und Kultur als Schauplatz erwähnt. Meiner Meinung nach war die beste Rezension die von Daniel Völzke in der monopol. Mit dem nötigen Abstand und Augenzwinkern resümiert er "Endlich wieder ein 'Tatort‘ im Kunstmilieu" und fragt sich, wo bei dieser "falschen" Vernissage denn die "stoffbeuteltragenden Kunstgeschichtsstudenten" gewesen seien, die es in Münster auch geben müsse.

Exklusiv-Story in der Münsterschen Zeitung. Quelle: MZ

Keine Schauspielkarriere und kein Krimi-Fan

Für mich war das eigentliche Ereignis das Rudelgucken mit den lieb gewonnenen Kollegen. Insgesamt sind sich alle einig: die Erfahrung mal als Komparse im Heimattatort mitgespielt zu haben, war es wert, aber eine Schauspielerkarriere wird wohl niemand anstreben. Wir freuen uns, dass zumindest das Museum als Kulisse richtig gut zur Geltung kam.

Bericht in der Lokalzeit: Jubel für und Statement von Anja Habel. Quelle: WDR

Krimi-Fan bin ich immer noch nicht. Wobei ich bei meinen umfänglichen Recherchen zu diesem Artikel festgestellt habe, dass am 3. November tatsächlich der erste Tatort aus meiner Heimatstadt Erfurt gesendet wird. Vielleicht stellt sich dann das nötige Mindestmaß an Wiedererkennungswert und Identifikation ja doch noch ein...

Text: Judith Frey

Ich verlinke diesen Beitrag mit Tanja Praskes Blogparade, weil dieses Ereignis zwar nicht das faszinierendste, wohl aber ein faszinierendes Erlebnis des Zusammenspiels von verschiedenen kulturellen Sphären für mich darstellt.

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Publikationsdatum: 30.10.2013

Themen: Altbau, Museumsteam, Veranstaltungen