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Die Neuinstallation der "Silbernen Frequenz" am Museum. Foto: EDK

Otto Piene: Das Spiel mit den Elementen

Die Lichtgestalt der deutschen Nachkriegskunst ist im Alter von 86 Jahren in Berlin verstorben. Er hatte gerade seine große Ausstellung in der Neuen Nationalgalerie eröffnet und stand sogar noch selbst auf dem Podium, sprach zur Eröffnung und freute sich über das geplante "Sky Event". Das wurde nun zu einem Himmelsballett, mit dem die Kunstwelt Abschied von einem großen Künstler nahm.

Otto Piene, Feuerblume, 1965

Elementare Kunst

Für Otto Piene sind Feuer und Licht, aber auch Luft und Bewegung zentrale Parameter und Medien seiner Kunst. Als Mitbegründer der einflussreichen Düsseldorfer Künstlergruppe ZERO (1958–1966) wollte er, zusammen mit Heinz Mack, später mit Günther Uecker, der grausamen Vergangenheit des Zweiten Weltkrieges eine reinere, heilere Welt entgegensetzen, die eine hoffnungsvolle, idealistische Lebensauffassung vermitteln sollte. Die Künstler der Gruppe konzentrierten sich auf eine "Klarheit der reinen Farbe und der dynamischen Lichtschwingung im Raum" (Otto Piene). Die Vorstellung von der Reinheit der künstlerischen Idee fand im Werk außerdem seine Entsprechung durch die Verwendung von elementaren Materialien. Otto Piene gilt als Wegbereiter für Feuer-, Licht- und Luftkunstwerke. Er prägte die Kunstszene der Nachkriegszeit nachhaltig. In den letzten Jahren erfuhr sein Werk eine neue Aufmerksamkeit und Würdigung. 

Otto Piene, Die Geschichte des Feuers, Sleepwalker, 1968

Erste Würdigung seines Werks in Münster

Das LWL-Museum für Kunst und Kultur in Münster verband bereits seit 1968 eine langjährige Freundschaft mit dem in Bad Laasphe (Kreis Siegen-Wittgenstein) geborenen Künstler. In diesem Jahr würdigte der Landschaftsverband Westfalen-Lippe die Arbeit des jungen Künstlers mit dem Konrad-von-Soest-Preis. Das war die erste große Würdigung, die Otto Pienes künstlerisches Werk bis dato erfuhr. Die Auszeichnung umfasst stets eine Einzelausstellung: "Otto Piene zur Verleihung des Konrad-von-Soest-Preises 1968" wurde im Dezember desselben Jahres im Westfälischen Landesmuseum gezeigt.

Otto Piene, Die Geschichte des Feuers, 1968, Neupräsentation 2014, Foto: HN

Die Geschichte des Feuers

Zu diesem Anlass entstand die Arbeit "Die Geschichte des Feuers".  In der Neupräsentation der Sammlung wird diese Arbeit ab der Neueröffnung 2014 endlich wieder in einem eigenen Raum zu sehen sein. Das Lichtballett besteht aus vier unterschiedlichen Lichtskulpturen. Im Inneren der Objekte strahlen rotierende Autoscheinwerfer Licht durch die metallene, löchrige Hülle nach außen und ergeben so ein faszinierendes Spiel der Lichter, in das der Besucher eintauchen kann.

Die "Silberne Frequenz" am alten Erweiterunsbau des Museums. Foto: LWL

Glänzende Edelstahlkugeln

Die schon von außen weithin sichtbare Installation "Silberne Frequenz" verleiht der Fassade des Museums seit 1970/71 ein markantes und strahlendes Gesicht. Am neuen Gebäude ist die Lichtinstallation am ursprünglichen Platz an der Ecke Rothenburg/Pferdegasse angebracht worden – allerdings rundum erneuert. 410 in der Sonne blitzende Edelstahlkugeln und neueste LED-Technik überführen das Lichtkunstwerk in die Zukunft. Mehr dazu hier auf unserem Blog. Im August wollte Otto Piene nach Münster reisen, um die Endabnahme der "Silbernen Frequenz" vorzunehmen. Dazu sollte es nicht mehr kommen.

Otto Piene, The Proliferation of the Sun, Foto: Hermann Arnhold

More Sky

Piene verstarb am 17. Juli 2014, nachdem er am Abend zuvor eine große Ausstellung in der Neuen Nationalgalerie eröffnet hatte. Dort wird bis zum 31. August die großartige Installation "The Proliferation of the Sun" zu sehen sein: Projektionen von 1000 handbemalten Glasdias, die den Raum in schillernde Farben tauchen. Die Deutsche Bank Kunsthalle zeigt  im Rahmen der Ausstellungskooperation frühe Lichtdrucke und Grafiken, Rauchbilder und Lichtskulpturen. Ein besonderes Highlight ist das "Sky Event", das trotz des Todes des Künstlers wie geplant am Samstag nach der Eröffnung auf dem Dach der Neuen Nationalgalerie stattfindet.

Dr. Hermann Arnhold (links) mit Otto Piene 2012. Foto: HN

Verbundenheit mit dem LWL-Museum bleibt

Unser Direktor Dr. Hermann Arnhold kondoliert: "Für mich ist Otto Piene eine der großen Lichtgestalten der Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts, der es wie nur wenige Künstler geschafft hat, in seiner außerordentlich langen Schaffenszeit von über 70 Jahren (!) bis heute kreativ zu bleiben und immer nach neuen Lösungen zu suchen", so Arnhold. "Mit dem Tod von Otto Piene hat uns ein Freund des Museums verlassen, dennoch wird die Tradition, die unser Haus mit ihm verbindet, auch in Zukunft gepflegt und weitergelebt werden."

Text: Sabine Rivière, Judith Frey

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Publikationsdatum: 01.08.2014

Themen: Neubau, Altbau, Architektur, Kunstwerke