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Ulrich Rückriems Skulptur "Granit" ist nach acht Jahren erstmals wieder zu sehen. Foto: Elisabeth Deiters-Keul

Steinerner Wächter am Vorplatz Rothenburg

Anfang der Woche wurde die monumentale Steinskulptur von Ulrich Rückriem "Granit (Normandie)" aufgebaut. In fünfstündiger Präzisionsarbeit installierten Steinmetze die fünfteilige, tonnenschwere Arbeit auf dem Vorplatz des Museums. Nach acht Jahren ist die Skulptur, eine Dauerleihgabe des Westfälischen Kunstvereins, nun erstmals wieder zu sehen.

Anlieferung der Steinblöcke, die insgesamt 18 Tonnen wiegen. Foto: Jenny Hoedemaker

Anlieferung von 18 Tonnen Gestein

Gegen 10 Uhr kam der LKW am Montagmorgen mit den einzelnen Steinblöcken der Skulptur "Granit (Normandie) gespalten, geschnitten, geschliffen" aus Drensteinfurt am Museum an. Der Kranfahrer wartete bereits an der Rothenburg, um die Elemente abzuladen. Am schwierigsten war es, den untersten, als Sockel angelegten Stein präzise in die dafür vorgesehene Aussparung des Kopfsteinpflasters einzupassen. Fertig ausgerichtet versinkt der quaderförmige Sockel nun etwa 40 cm im Erdreich und bildet die Basis für die vier aufstrebenden Stelen, die drei Meter in die Höhe reichen.

Profis am Werk

Melanie Bono, Kuratorin für Gegenwartskunst im LWL-Museum für Kunst und Kultur, beaufsichtigte den Aufbau an diesem kalten, klaren Novembertag. Insgesamt dauerte es fast fünf Stunden bis die Steinmetze der Firma Schlüter aus Drensteinfurt die vier senkrechten Quader auf dem Sockel aufgestellt hatten. Es gab einen kurzen kritischen Moment, als eine der massiven Befestigungen von einem Steinblock abrutschte. Doch die Profis hatten den Quader natürlich mehrfach gesichert und konnten ihn im zweiten Anlauf erfolgreich aufrichten und an seine vorgesehene Stelle bringen.

"Schlussstein"

Das Video zeigt die Einpassung des letzen Steins (im Schnelldurchlauf, auf Youtube gibt es die Normalgeschwindigkeit). Drei Meter hoch erhebt sich Rückriems "Granit (Normandie)" nun auf dem Vorplatz an der Rothenburg und wacht vor dem zukünftigen Eingang des Museums.

Ulrich Rückriem, 1938 in Düsseldorf geboren, arbeitet nach einer Steinmetzlehre seit 1968 hauptsächlich mit dem Material Stein. Mit einer Steinkreissäge zerteilt er die findlingsartigen Steinrohlinge in unterschiedliche Volumina, bearbeitet teilweise deren Oberfläche, und fügt die Teile wieder zu einer Einheit zusammen. Der Künstler hat das Prinzip Teilung über die Jahre vielfältig variiert und weiter entwickelt. Wie in der Arbeit "Granit (Normandie)" wird oft der dialogische Gegensatz von Steinrohling und präzise in Form gebrachtem geometrischen Steinblock spannungsvoll in Szene gesetzt.

Die Skulptur an ihrem ursprünglichen Ort vor dem Eingang am Domplatz. Foto: Westfälischer Kunstverein

Ursprungsort

Die Skulptur, die dem Westfälischen Kunstverein gehört, stand von 1985 bis zum Anbau des Museumscafés 2005 vor dem Eingang des alten Erweiterungsbaus am Domplatz. Sie musste weichen, als der knallrote Container für das Café Arte den Platz für die Skulptur im wahrsten Sinne des Wortes verbaute. Fast in Vergessenheit geraten, lagerten die Steine acht Jahre lang in einem Depot, bis sie jetzt endlich wieder einen angemessenen Ort fanden. In direkter Nachbarschaft zum Westfälischen Kunstverein erweist die Skulptur nicht nur ihrem Besitzer Reverenz. "Granit" hebt sich mit ihrer teils glatten und teils naturbelassenen ockerfarbigen Oberfläche kontrastreich von der Umgebung ab. Die Skulptur zerteilt gleichermaßen den Eingang des Museums an der Rothenburg, Teilung und Wiederzusammenführung scheinen metaphorisch und real auf. Die Bilder sprechen für sich und veranschaulichen, dass der neue Ort wie geschaffen ist für das monumentale Werk Rückriems – das nun als steinerner Torhüter an der Rothenburg wacht.

Text: Judith Frey
Fotos: Elisabeth Deiters-Keul (EDK), Jenny Hoedemaker (JH),
Judith Frey (JF)

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Publikationsdatum: 14.11.2013

Themen: Neubau, Baustelle, Kunstwerke