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beim Blog des LWL-Museums für Kunst und Kultur!

(Fotos: HK)

Ein erstes Déjà-vu

Im Stillen hat sich eine kleine Premiere bei uns ereignet - mit Josef Albers‘ Skulptur „Zwei Supraporten“ ist das erste Kunstwerk am Neubau montiert worden

Wo ist denn hier die Kunst?! Ich stehe in der Pferdegasse und blicke angestrengt auf die Westwand des Neubaus. Auf den ersten Blick scheint hier alles wie gewohnt: das Baugerüst, ein paar Handwerker, Baugerät – doch halt, hinter den dicken Metallbalken des Gerüsts ist an der Wand noch etwas zu sehen. Dort heben sich andere,  filigranere Stäbe silbrig glänzend vom Sandstein ab und nun entdecke ich auch, dass am Boden hinterm Bauzaun sonderbare Stahlgebilde lehnen, bei denen es sich wohl doch nicht um gewöhnliches Baumaterial handelt...

Suchspiel: was ist hier Kunst? Die Supraporten tarnen sich gekonnt (Fotos: HK)

Rückkehr eines altbekannten Kunstwerks
Was hier gerade so unscheinbar und versteckt vor sich geht ist in Wirklichkeit etwas ganz Besonderes. Josef Albers‘ „Zwei Supraporten“ werden an der Westfassade angebracht und damit darf sich unser Neubau zum ersten Mal mit einem Kunstwerk schmücken. Außerdem kehrt ein altbekanntes Werk, das zum Erscheinungsbild unseres Hauses gehört, zurück in die Öffentlichkeit. 1972 wurden die Supraporten über dem Eingang des alten Neubaus montiert, wo sie bis zum Abriss des Gebäudes 2009 ihren festen Platz hatten.

Zur Erinnerung: die Supraporten kurz vor dem Abriss 2009 (Foto: LWL)

Eine „zweidimensionale Skulptur“
Bei dem Werk handelt es sich um zwei Metallkonstruktionen aus Stahlstäben, die jeweils zwei ineinander verschränkte Schachteln darstellen. Josef Albers hat sein Werk selbst als „zweidimensionale Skulptur“ bezeichnet, denn die kantigen Metallstäbe heben sich von der Wand ab und wirken insgesamt eher wie eine Zeichnung. Bei näherer Betrachtung hat man den Eindruck je zwei Ansichten einer Kiste aus verschiedenen Perspektiven gleichzeitig zu sehen. Die Ansichten widersprechen sich, verwirren unser vertrautes Raumverständnis und spielen mit unseren Sehgewohnheiten. Sie zwingen uns dazu, beständig die Blickrichtung zu wechseln. Ihre Botschaft ist eine Aufforderung an den Kunstbetrachter zum kritischen Sehen und Denken.
Der Titel „Supraporten“ stammt übrigens nicht von Albers selbst, sondern geht vermutlich auf den damaligen Museumsdirektor Hans Eichler zurück. Eine Supraporte ist ein Gemälde oder ein Relief oberhalb einer Tür, das vor allem im Barock zur Raumausstattung dazugehörte. Supraporten geben in ihrer Gestaltung häufig schon einen Hinweis auf den Raum hinter der Tür. Auf diese Weise kann man auch das Werk von Albers als Verweis auf das Museum als Raum der Kunst verstehen.

2009 werden die Supraporten demontiert (Foto: CM)

Teamwork bei der Montage
Inzwischen sind drei Arbeiter damit beschäftigt die einzelnen Teile des Werks an ihren jeweiligen Platz zu bekommen. Die Stahlelemente werden an einem Gurt befestigt, heraufgezogen und auf jeder Etage des Baugerüstes durch zwei Bauarbeiter gesichert. Im richtigen Stockwerk angekommen wird das Kunstwerk sorgfältig an der Wand festmontiert.
Mit der Montage von Josef Albers‘ Supraporten werden am Neubau zum ersten Mal Alt und Neu zusammengeführt. Der Neubau bekommt einen Bezug zu seinem Vorgänger und wird mit einem Stück Vergangenheit beseelt. Noch muss man sehr genau hingucken, um das Kunstwerk hinter dem Baugerüst zu entdecken, aber dann könnte sich bei dem ein- oder anderen Münsteraner so etwas wie Wiedersehensfreude einstellen.

Hendrickje Kehlenbeck

Die Supraporten werden festmontiert (Foto: HK)

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Publikationsdatum: 15.01.2013

Themen: Neubau, Altbau, Baustelle, Architektur, Kunstwerke