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Die ausgelassenen Stiftungsmitglieder auf der London-Reise: In der ersten Reihe Kuratorin Dr. Tanja Pirsig-Marshall (ganz links) sowie Museumsdirektor Dr. Hermann Arnhold und Gastkuratorin Catherine Lampert (Mitte). Foto: eine Passantin

Auf den Spuren von Bacon, Freud und Hockney. Die London-Reise der Stiftung kunst hoch 3

Die Stiftung kunst3 fördert nach der Neueröffnung 2014 mit einem Hauptanteil die erste große Sonderausstellung "Das nackte Leben. Von Bacon bis Hockney. Malerei in London von 1950 bis 1980". Als Einstimmung auf die Ausstellung reisten die Mitglieder der Stiftung nach London, um sich auf die Spuren von Bacon, Freud und Co. zu begeben und die Weltmetropole zu erkunden. Barbara Huygen, die mit auf der viertägigen Reise war, berichtet von den exklusiven Einblicken, die das Museum für die Stiftung organisiert hatte.
 

Am 31.10.2013 starteten wir, die Mitglieder der Stiftung kunst³, zu einer viertägigen Zeitreise durch London, geplant von Dr. Tanja Pirsig-Marshall und Dr. Hermann Arnhold, organisiert von Matthias Lückertz vom FIRST Reisebüro in Münster.

Diese Reise eröffnete uns die Möglichkeit in die Erlebniswelt derjenigen Künstler einzutauchen, die die erste – von uns mitgeförderte – große Sonderausstellung im Neubau des Museums tragen werden. Die Ausstellung, die von Tanja zusammen mit der Londoner Gastkuratorin Catherine Lampert konzipiert und durchgeführt wird, soll von Anfang an zeigen, dass unser LWL-Museum für Kunst und Kultur im Game renommierter deutscher Museen auch mit international ausgerichteten Ausstellungen mitspielen kann.

Viele der Künstler, deren Arbeiten die Ausstellung "Das nackte Leben" zeigen wird, studierten am Royal College of Art in London. Foto: Kenchikuben / Wikimedia

Nach einigen Diskussionen lautet der Kurztitel "Das nackte Leben" und handelt von einer Gruppe von Künstlern in London in der Aufbruchzeit der Fünfziger bis hinein in die Achtziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Heute nehmen sie Spitzenpositionen im globalen Kunstmarkt ein und haben in den letzten Jahren allesamt große Retrospektiven hinter sich: Francis Bacon als Doyen, der kürzlich verstorbene Lucian Freud, der zurzeit wieder in Kalifornien lebende David Hockney, R. B. Kitaj und die Londoner Frank Auerbach und Leon Kossoff sowie deren weiterer Dunstkreis. Sie waren es, die sich damals vom internationalen Mainstream der Abstraktion, der Minimal und Conceptual Art absetzten und figurativ-expressiv malten, um ihr "nacktes Leben" zu zeigen und teilweise auch zu retten.

Was es aber noch nie gegeben hat: in dieser Ausstellung werden rund 100 Werke aller Koryphäen zu einem lebendigen Gesamtbild versammelt, damit sie miteinander wirken können und spannende neue Einflüsse und Bezüge sichtbar werden.

Catherine Lampert erklärt Kunst. Foto: Heiko Winkler

Authentische Einblicke in die Londoner Kunstszene

Catherine konnte in dieser Kunstszene von Beginn an den Aufstieg der Künstler miterleben und schenkte uns dadurch ein einmaliges Verständnis für deren Kunst: in der damaligen Atmosphäre ergab es sich für sie, einigen von ihnen Modell zu sitzen – genauer kann man einen Künstler kaum bei der Entstehung eines Werkes beobachten! Über die Jahrzehnte entwickelte sie sich zu einer gefragten Kuratorin, die nun unser Ausstellungs-Vorhaben mit hoher Motivation begleitet – uns also auch in London empfing und uns zu den historischen Stätten der Künstlerfreunde führte. Was für eine Ehre!

Auf dem Weg zur berühmten Tate Modern und das Modell vom Neubau der Tate (rechtes Bild). Fotos: Barbara Huygen
Direktor der Tate Chris Dercon. Foto: Barbara Huygen

Lässiger Direktor in der Tate

Vorher fielen wir aber erst einmal vom City Airport durch die Docklands in die Tate Modern ein, wo uns auf Vermittlung von Hermann der faszinierende und äußerst lockere Direktor Chris Dercon empfing und seinen Anbau sowie das Konzept der Tate Modern erklärte. Besser gesagt: Erfolgskonzept – denn mit 4 Millionen Besuchern letztes Jahr kann er auch locker sein! Da in England Museen freien Eintritt haben, ist das natürlich nicht mit deutschen Museen vergleichbar, aber immerhin anregend!

Blick auf den Wolkenkratzer "The Shard". Foto: Barbara Huygen

Batterien gefüllt

Der Rundgang durch die Schätze der Sammlung, Künstlerräume und eine intelligente Ausstellung, in der jeder Raum von einem Nachwuchskurator entwickelt war, füllte unsere Batterien mit Kunst, mit denen wir dann über einen Gipfelsturm auf den 308 m hohen, im Februar diesen Jahres eröffneten Wolkenkratzer "The Shard" und einem spektakulären Rundblick über London schließlich im Hotel und einem indischen Restaurant landeten.

Spektakulärer Rundblick vom Wolkenkratzer "The Shard". Foto: Heiko Winkler

Highlight auf Highlight

Bei jedem weiteren Highlight bekamen wir ein besseres Gefühl für die Vielfalt dieser Stadt, deren Gesicht sich natürlich immens verändert hat seit der Geburt der Kunst unserer Künstlerheroen. Bewahrt wird deren Œuvre und Ruhm weltweit in Museen und in Londoner Galerien, die den Künstlern auch posthum die Treue halten – nicht zum eigenen Nachteil: vor allem Bacon und Freud gehören zu den Spitzenreitern im Handels- und Auktionsgeschehen.

Ausstellung "Raw Truth: Auerbach – Rembrandt" in der Galerie Ordovas. Foto: Hermann Arnhold

Aus dem Nähkästchen

Catherine Lampert, die uns in die diesbezüglich wichtigsten Galerien im West End einführte, begeisterte uns mit authentischem Wissen über das Leben der Künstler. Vor allem in der Galerie-Ausstellung "Auerbach und Rembrandt" staunten wir nicht schlecht über die unglaubliche Qualität der Exponate. Der 82jährige, in Berlin geborene Brite Frank Auerbach lebt noch immer in jenem Künstler-Quartier in London, das für den letzten Tag auf unserem Programm stand.

Auch die von Catherine kuratierte Museums-Ausstellung in der nahegelegenen "Royal Academy" über den französischen Maler, Grafiker, Bildhauer und Karikaturisten Honoré Daumier (1808–1879) zog uns alle in den Bann – wenn man z. B. das Gemälde "Don Quichote" betrachtet, kann man sogar – trotz der über 100 Jahre Abstand – visuelle Verwandtschaften mit Francis Bacon erkennen. Und ein Mitglieder-Paar der Stiftung kennt sogar Nachfahren von Daumier, was diesen Besuch noch lebendiger machte.

The Ashmolean-Museum zeigt noch bis zum 19. Januar 2014 die Ausstellung "Francis Bacon / Henry Moore: Flesh and Bone". Foto: Hermann Arnhold
Direktoren im Dialog: Christopher Brown, Direktor des Ashmolean-Museums in Oxford, und Hermann Arnhold, Direktor des LWL-Museums für Kunst und Kultur in Münster. Foto: Heiko Winkler

The Ashmolean

Am dritten Tag ging es nach Oxford, weil in dem berühmten Ashmolean Museum gerade eine Ausstellung "Francis Bacon und Henry Moore. Flesh and Bone" stattfindet. Der sehr engagierte Leiter des Museums, Christopher Brown, zeigte uns nicht nur die exzellente Ausstellung, sondern auch den neuen Anbau, eine weitere interessante strukturelle Parallele zu Münster also.

Das Atelier von Frank Auerbach in London. Foto: Hermann Arnhold

Sonntagsspaziergang mit Sonnenschein

Am Sonntag kam sogar die Sonne heraus und begünstigte unseren von Catherine geführten Spaziergang durch jene Viertel in Camden und Primrose Hill, wo all die Ateliers der Künstler sind und waren, wo sozusagen die Szene um Bacon ihre psycho-figurative Kunst ausbrütete. Wie präsent diese Zeit nun für uns wurde: hier wurde um die damals notwendige Malerei gekämpft!

Spaziergang auf dem Primrose Hill, im Hintergrund der Blick auf die Londoner Skyline. Foto: Heiko Winkler
Gruppenfoto auf dem Primrose Hill. Foto: eine Passantin

Stimmung, Erfüllung und Vorfreude

An den Gesichtern auf unserem Gruppenbild vom Primrose Hill kann man ablesen, wie wohl wir uns miteinander gefühlt haben und wie erfüllt wir von dieser Reise voller Informationen und Highlights waren und – abgesehen von all den herrlichen Lokalen, in denen wir abends anstießen, lachten und abspannten – viel über Kunst, Museen und jene Heroen 'unserer' ambitionierten Ausstellung "Das nackte Leben" erfahren haben. Wir freuen uns auf die Eröffnung am 8. November 2014!

Text: Dr. Barbara Huygen

Publikationsdatum: 20.11.2013

Themen: Neubau, Kunstwerke, Museumsteam, Veranstaltungen