Herzlich willkommen

beim Blog des LWL-Museums für Kunst und Kultur!

Otto Pienes Lichtinstallation "Silberne Frequenz" bei der Lichtprobe am Neubau 2012. Foto: HN

Es werde Licht - 20 Dinge über uns

Bei uns erfahrt ihr heute interessante Fakten, extreme Zahlen, Geheimes, Unnützes und Aufschlussreiches über unser Museum und denjenigen, der es leitet. Also: 20 Dinge, die ihr schon immer über uns wissen wolltet.

Vom Stadtmuseum aus Stuttgart kam ein mittlerweile ganz schön altes Stöckchen angeflogen, das wir hier vom LWL-Museum für Kunst und Kultur gerne in unsere Sammlung alter und kunstvoller Dinge integrieren. Naja, nur für kurze Zeit. Es fliegt anschließend weiter nach Norden zu Wera Wecker, nach Osten zu den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden und nach Süden ins LWL-Museum für Archäologie Herne. "20 Dinge über mich" lautet das Thema, das uns vom Blogstöckchen zugespielt wurde. Wir sind gespannt, was bei diesem virtuellen Staffellauf so alles ans Licht kommt.

Im Altbau gibt es trotz Baustelle noch Ausstellungen, unter anderem "Visuelle Revolten". Foto: LWL

1. Das Wichtigste zuerst: Unser Museum hat ab dem 20. September 2014 wieder geöffnet! Seit 2009 bauen wir, haben aber erst seit Juli 2012 geschlossen. Wie das geht? Im Altbau am Domplatz zeigten wir zuletzt drei Ausstellungen zeitweise parallel: Goldene Pracht, Visuelle Revolten und Finale. Nicht schlecht für ein Haus, das zu dem Zeitpunkt schon seit 3 Jahren neu und umgebaut wurde, oder?

Der Lageplan von Staab (links) und eine aktuelle Luftaufnahme (rechts). Foto: Bollmann Bildkarten Verlag

2. 2005 gewinnt der Entwurf von Staab Architekten, Berlin die Ausschreibung – nicht zuletzt wegen der Idee eines frei zugänglichen Erdgeschosses – bestehend aus einer Architektur der Höfe, die als lebendige Passage in die Stadt integriert wird.

3. Der Bagger biss am 26. Mai 2009 zu: der Abriss nahm seinen Lauf. Insgesamt wurden sage und schreibe 800 Tonnen Schutt abtransportiert!

Abriss und Kran auf der Baustelle. Fotos: EDK

4. Der eigentliche Baubeginn war im Frühling 2010. Einerseits musste das mit Schadstoff belastete Material fach- und umweltgerecht entsorgt werden. Andererseits verhinderte der extreme und lange Winter 2009/10 den Start der Bauarbeiten.

5. Ein 41 Meter hoher Kran, bestehend aus 15 Einzelteilen, befand sich rund ein Jahr auf der Baustelle. Sein Ausleger war 60 Meter lang.

6. Im Foyer, das übrigens 14,5 m hoch ist, wurden 900 m2 Putz verarbeitet – und das zwei Mal. Im Januar 2013 löste sich der Wandputz großflächig von der tragenden Unterkonstruktion. Der Putz musste neu aufgetragen werden, was wegen der langen Trocknungszeiten zur einzigen Bauverzögerung führte. Fünf Monate sind allerdings für ein Fünf-Jahres-Projekt ein Pappenstiel...

Visualisierung von Staab Architekten und aktuelle Situation im Vorhof am Domplatz. Foto: JF

7. Im Vorhof am Domplatz wurde ein Bäumchen gepflanzt, wie es der Architekt in seinen ersten Entwürfen gezeichnet hatte. Es handelt sich um eine Felsenbirne, einen ursprünglich kanadischen Baum, der Ende April kleine weiße Blüten trägt und im Spätsommer schwarzblaue Beeren, aus denen man leckere Marmelade herstellen kann.

Die Spitze des Museums. Fotos: EDK

8. Für die Spitze des Neubaus – das architektonische Highlight – wurden 175 Großbohrpfähle installiert. Das Dach der Spitze sieht übrigens aus wie der Bug der Titanic – die berühmte Filmszene wurde schon von MitarbeiterInnen nachgestellt. Leider gibt es kein Foto davon, aber ihr habt sicher genug Imaginationskraft, euch die Szene in Erinnerung zu rufen.

9. Wo wir schon bei Frauenthemen sind: Unter den 71 Mitarbeitern des LWL-Museums für Kunst und Kultur sind 45 Frauen! Das entspricht einer Frauenquote von 63 % - na gut, für ein Museum ist das nicht unbedingt eine Überraschung.

10. Im Museum gibt es sogar zwei Schminktische, wie man sie aus dem Theater kennt. Wer sich dort wohl in naher Zukunft hübsch machen wird? Und dürfen wir die auch mal benutzen?

Lichtprobe mit Otto Piene (ganz links) und seine Installation "Silberne Frequenz" am Neubau. Fotos: Hanna Neander / Wera Wecler

11. Wenn wir dann ausgehfertig sind, geht es bald ins neue Restaurant des Museums, das auch schon einen Namen hat: Lux. Wieso Lux, fragt ihr euch sicher. Ganz einfach: Im Bereich des Restaurants erstrahlt ab März 2014 an der Fassade die Licht-Installation "Silberne Frequenz" von Otto Piene: Der Künstler war selbst vor Ort, um die Restaurierung und Installation der neuen LED-Technik zu begutachten und den Licht-Ton auszuwählen.

12. Das ist eine gute Überleitung zu unserem Direktor Dr. Hermann Arnhold, der sich bereits viel mit Licht in der Kunst beschäftigt hat. So hat er sich  jüngst mit unserem Techniker Johann Crne, der Lichtspezialist im Hause ist, um die perfekte Ausleuchtung der Kunstwerke gekümmert: "Eine der faszinierendsten Aufgaben im Museum und ein absolut wesentlicher Sinnlichkeitsfaktor", so Arnhold.

Direktor Dr. Hermann Arnhold. Foto: Roman Mensing

13. Seit Februar 1993 ist Hermann Arnhold im LWL-Museum für Kunst und Kultur, das damals noch Westfälisches Landesmuseum hieß, beschäftigt. Erst als Volontär, später als Referent für das Mittelalter. Seit 2004 ist er Direktor. Immerhin sind das schon fast 20 Jahre.

14. Aber nur fast: Er war 1996 ein Jahr in Paris als Assistent am Collège du France bei dem berühmten Kunsthistoriker Jacques Thuillier, der ihn stark geprägt hat. Der fast 70-Jährige plädierte schon damals für die Freigabe aller Bildrechte von Kunstwerken und wies damit vehement auf das Ideal der (künstlerischen) Freiheit des Bildes hin. Die Präsenz der Bilder und die Bedeutung von Museen würden dadurch gesteigert werden, so sein Credo. Was für ein weitsichtiger Mann!

15. Außerdem prägten Hermann Arnhold die Ansichten des französischen Kunsthistorikers hinsichtlich der Bedeutung von farbigen Wänden im Museum. Thuillier verwies auf die Psychologie, nach der die Wandfarbe enormen Einfluss auf die Wahrnehmung von Kunstwerken nimmt. Die Frage nach der optimalen Wahrnehmung beschäftigt unseren Chef bis heute.

Farbauswahl für die neuen Sammlungsräume - keine leichte Entscheidung. Foto: LWL

16. Fakt ist: Die weiße Wand ist kein neutraler Hintergrund. Wohl deshalb spielt die Wandfarbe bei der Neukonzeption der Sammlung eine ebenso wichtige Rolle wie das Licht. Unser Direktor wählte deshalb vom Blutrot bis zum leuchtenden Gelb viele kräftige Farben aus für die Sammlungsräume, die einen neuen Blick auf die Kunstwerke eröffnen.

17. Die weiße Wand kann aber sehr wohl inspirieren. Im Büro unseres Direktors gibt es an den Wänden nämlich keine Bilder, auch nicht bei ihm zu Hause. "Das bedeutet für uns Freiheit und Freiraum für Fantasie."

Installation von Pierre Soulages im Lichthof des Altbaus 1994/95. Foto: LWL

18. Um noch einmal zum Licht zurück zu kommen. Bis heute ist Hermann Arnholds Lieblingsausstellung die von Pierre Soulages mit dem Titel "Lebendiges Licht. Malerei und die Fenster von Conques", die er 1994/95 als Volontär hier im Landesmuseum kuratiert hat. Verrückt, wie tiefschwarze Gemälde Licht thematisieren! Im Lichthof des Altbaus waren sechs großformatige Tafeln installiert, deren Oberfläche durch ein in verschiedene Richtungen strebendes Relief aufgebrochen war. Dadurch wurde das Licht eingefangen und reflektiert – zu jeder Tageszeit und je nach Lichteinfall ergeben sich so neue Wahrnehmungen der Bilder und vor allem von Licht.

Die Verlegung der Rohrmäander im Foyer. Foto: EDK

19. Wie im Lichthof des Altbaus gibt es auch im Foyer des Neubaus eine Tageslichtdecke, ebenso im 2. Obergeschoss. Das garantiert eine hervorragende Ausleuchtung. Natürlich haben wir auch für die kalte Jahreszeit vorgesorgt: künstliche Lichtquellen sind zuschaltbar. Und eine Heizung gibt es außerdem. Über Wärmepumpen wird aus der vorhandenen Wasserhaltung des benachbarten Aegidiiparkhauses Energie abgeleitet. Die Wärmeverteilung erfolgt über Schläuche im Fußboden, sogenannte Rohrmäander, über die im Sommer auch überschüssige Wärme an das Erdreich abgeführt werden kann.

20. Jetzt ist euch hoffentlich licht und warm ums Herz. Ein weihnachtliches Geheimnis von Hermann Arnhold zum Schluss: Zur Weihnachtsfeier zünden wir nicht nur Kerzen an, uns wird auch der Nikolaus überraschen und eine verschworene Gruppe von Brauern wird einen adventlichen Punsch mit ganz besonderer Wirkung kredenzen...Wir werden berichten!

Euch allen wünschen wir eine frohe und besinnliche Vorweihnachtszeit. In diesem Sinne: Es werde Licht!

Text: Judith Frey

⇑ Zum Seitenanfang

Publikationsdatum: 05.12.2013

Themen: Neubau, Altbau, Baustelle, Architektur, Kunstwerke, Museumsteam