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Junge Flüchtlinge präsentieren den Besucher_innen die Kunstwerke aus einer anderen Perspektive

Die Welt im Museum

Text: Rebecca Baasch

Individuelle Erfahrungen und subjektive Erlebnisse prägen den Blick auf Kunstwerke und Kulturgegenstände. In Theodor Rombouts Gemälde „Der Zahnbrecher“ sehen die einen zuerst den gequälten Patienten, dem ein Zahn gezogen wird und erinnern sich dabei vielleicht an ihren letzten Zahnarztbesuch. Anderen fallen auf den ersten Blick die Instrumente des Mediziners auf, die nach heutigem Maßstab eher an das Werkzeug eines Handwerkes als an medizinisches Gerät erinnern. Khaled sieht in dem um 1628 entstandenen Bild den hämisch lachenden, syrischen Diktator Baschar al-Assad, das leidende syrische Volk und die untätig zuschauenden Nachbarländer.

Khaled ist 25 Jahre alt, in Syrien geboren und erst seit wenigen Monaten in Deutschland. Für die Führung „Die Welt im Museum“ hat er sich das Gemälde mit dem Motiv der Zahnoperation ausgesucht. Er stellt den Teilnehmer_innen der Führung das Bild aus seiner Perspektive vor und zieht den Vergleich zur Situation in seinem Heimatland und den Leiden, die das syrische Volk erlebt. Er hält seinen Vortrag auf Deutsch, die Sätze hat er sich vorher notiert. Khaleds sehr persönliche Eindrücke und die Parallelen zu seinen Erlebnissen ermöglichen den zahlreichen Zuhörenden einen anderen Blick auf das Bild.

Theodor, Rombouts, Der Zahnbrecher, um 1628

Neben Khaled haben sich noch elf weitere junge Geflüchtete  Werke aus der Sammlung des Museums ausgesucht, die sie im Rahmen der Führung „Die Welt im Museum“ am „Langen Freitag“ den Besucher_innen präsentieren. Sie kommen unter anderem aus Syrien, Kambodscha oder dem Iran und sind erst seit wenigen Monaten in Deutschland. Die Jugendlichen besuchen Kurse der Werkstatt für Bildung und Kultur e.V. und lernen hier Deutsch.

Die Museumsmitarbeiterin Ilda Mutti hat ihnen stellvertretend für jede Epoche Kunstwerke der Dauerausstellung detaillierter vorgestellt. Die Jugendlichen haben sich für ihre Führung jeweils ein Werk ausgesucht, zu dem sie einen persönlichen Bezug oder eine Verbindung zur eigenen Kultur herstellen können.

Die Führungsreihe „Die Welt im Museum“ findet immer am „Langen Freitag“, dem zweiten Freitag eines Monats, statt. In Zusammenarbeit mit der Werkstatt für Bildung und Kultur e.V. lädt das LWL-Museum für Kunst und Kultur Gäste ein, die Sammlungswerke aus einer eigenen Perspektive vorzustellen.

Die Teilnahme an der Führung ist kostenfrei, eine vorherige Anmeldung ist nicht erforderlich. Interessierte treffen sich um 17 Uhr im Foyer des LWL-Museums für Kunst und Kultur.

Rund 70 Besucher_innen nahmen an der Führung teil

Publikationsdatum: 21.03.2016

Themen: Veranstaltungen