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Strunk im ausverkauften Museumsfoyer.

Das Strunk-Prinzip

Rien ne va plus!

Alltagsphilosoph, Poesie-Outlaw und "Fleisch ist mein Gemüse"-Mann Heinz Strunk gastierte mit seinem "Strunk-Prinzip" im ausverkauften Foyer des LWL-Museums für Kunst und Kultur. Studentischer Volontär und bekennender Fan Max Alsmann führt durch einen intensiven, urkomischen und auch etwas verstörenden Abend.
 

Das Strunk-Prinzip

Faszinierend, wer alles zur Stelle ist, wenn Heinz Strunk ruft. Etwa 330 Menschen unterschiedlichsten Alters und Hintergrunds geben sich an diesem frostigen Freitagabend ein heiteres Stelldichein. Vom Hipster bis zum Rentner sind alle da, und die Stimmung ist schon vor Beginn mehr als ausgelassen. Die Spannung steigt – denn bei Strunk weiß man nie, was man zu erwarten hat.

Strunk spielt Akkordeon.

Aufnehmen, bewerten, handeln

Um 20 Uhr gehen die Lichter aus. Die knall-orangen Strahler, die die weißen Wände des Foyers in ein surreales Ambiente tauchen, sind nun die einzige Lichtquelle. Nach einer kurzen Begrüßung des Publikums durch Roman Podeszwa vom Kulturprogramm (Strunks hanseatischer Herkunft gerecht mit einer echten Hafenarbeiter-Strickmütze ausgestattet) betritt der Maître persönlich die nur mit zwei Tischen bestückte Bühne und verkündet sogleich das Prinzip dieses Abends: „Aufnehmen, bewerten, handeln!“ Genau das fällt im Verlauf der Show jedoch schwer, denn der ‚Strunker‘ lässt ein dermaßen knallbuntes Potpourri aus Musik, Literatur, Spontanwitzen und dadaistischem Firlefanz auf sein Publikum los, dass es nicht weiß, ob es lachen oder staunen soll – oder beides zugleich. Was ist wohl absurder? Strunk im Original Panzerknacker-Kostüm, während er aus Sicht des Opfers über Einbruch und volle Hosen philosophiert? Die häufigen Querflötensoli? Die offen zur Schau gestellte Abneigung gegen Pferde („Pferde sind doof und nutzlos und sind nur dafür da, zu Fleisch- und Wurstspezialitäten verarbeitet zu werden. Die schmecken aber zugegebenermaßen ganz gut.“)? Oder doch die Tatsache, dass Strunk ständig über sich selbst lachen muss, was alles noch lustiger macht? Eigentlich ist alles irgendwie geil (Achtung, Zitat!)…

Leans

Die Pause kommt gerade recht. Man ergattert sich mühsam ein Bier zur Erfrischung des erhitzten Gemüts und diskutiert ausgelassen über die letzten 45 Minuten. Oder man unternimmt den Versuch, am Merch-Stand an eine der von Strunk angepriesenen „Leans“ zu kommen („Ich trage hier eine Leans. Eine Mischung aus Jeans und Leggins. Formschön UND bequem – zwei Kategorien, die sich normalerweise gegenseitig ausschließen.“) – und scheitert. Es gibt aber gar keine „Leans“. Wir wurden hereingelegt.

Strunk zeigt selbst gemalte Bilder.

Ambivalente Emotionen

Der zweite Teil des Abends gestaltet sich ähnlich furios wie der erste – nur fallen die Kontraste und die Vielfalt hier noch einmal deutlich signifikanter aus als zu Beginn. Zunächst streikt des Künstlers Laptop – auch schon wieder lustig. Dann endlich werden wir mit einer Flut von privaten Bildern und alten Bandfotos überschwemmt, was ein wenig an den heimischen Dia-Abend mit Fotos aus der elterlichen Kindheit erinnert. Direkt im Anschluss folgt ein prosaischer Text über das Leben einer durchschnittlichen Bauernfamilie, der dermaßen zynisch ist, dass einem das Lachen im Halse stecken bleibt. So heißt es: „Nachdem sich die Bauern morgens aus ihren groben Bauernbetten geschält haben, gibt es zum Frühstück erst mal grobe Bauernmettwurst und dazu natürlich Korn, um Kälte und Schmerzen besser zu ertragen. Mittags gibt’s das gleiche und abends auch.“ Nicht minder zynisch und gemein ist der Text über das Alter und die damit verbundenen deprimierenden Lebensumstände. Hier spielt Strunk gekonnt seine große Stärke aus: er ist und bleibt ein Meister der ambivalenten Emotionen. Wie in jedem seiner Romane vermischt sich auch hier furiose Komik mit einer zutiefst depressiven Grundstimmung. Man lacht, dass die Bauchmuskeln schmerzen,  kann sich aber der Träne im Knopfloch nicht erwehren.

Strunk und sein Fan.

Ecken und Kanten

Gespalten sind auch die Reaktionen des Publikums. Heinz Strunk ist eben kein stromlinienförmiger Unterhalter. Er polarisiert und versucht gar nicht erst, seine Ecken und Kanten zu verbergen. Auch der ein oder andere Tabubruch ist an der Tagesordnung. Natürlich gefällt das nicht jedem. Soll es ja auch gar nicht. Aber gerade das ist doch die Kunst dabei, oder nicht? Ich persönlich werde diesen außergewöhnlichen und skurrilen Abend noch lange in bester Erinnerung behalten.

Text: Max Alsmann
Fotos: Judith Frey, Roman Podeszwa

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Publikationsdatum: 02.03.2015

Themen: Neubau, Museumsteam, Veranstaltungen