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Das Phantom des Louvre.

#Interview: Belphegùr. Ein Phantom im Museum

Mörder und Geheimsekten treiben ihr Unwesen im neuen Museum. Was es damit auf sich hat erzählt der Leiter des Kulturprogramms Dr. Daniel Müller-Hofstede im Interview.

Daniel, du betreust das Kulturprogramm des Museums. Also das Rahmenprogramm, das nicht in den Bereich der Kunstvermittlung (Führungen, Workshops etc.) fällt. Gibt es ein besonderes Programm zur Neueröffnung?

Ganz grundsätzlich wollen wir in der bewährten Weise fortfahren, also mit möglichst vielfältigen Veranstaltungen und benachbarten Künsten unser eigenes Kerngeschäft, die Sammlungen und Sonderausstellungen, für unsere Besucher informativ und ästhetisch bereichern und erweitern. Kurz nach der Neueröffnung starten wir mit einem Theaterstück.

Warum ausgerechnet ein Theaterstück?

Im Jubiläumsjahr 2008 haben wir eine sehr schöne Erfahrung mit dem Ensemble Freuynde + Gaesdte (im Folgenden F+G) gemacht. Damals wurde eigens für uns das Stück "Bitte nicht berühren" geschrieben, das als "Stationentheater" den Besucher quer durch die Sammlung geführt hat. Ein voller Erfolg. Als klar war, dass wir einen Neubau erhalten, stand die Idee schnell fest, dass wir dafür wieder mit F+G zusammenarbeiten werden, um den Erfolg von damals zu wiederholen.

Das Ensemble von Freuynde + Gaesdte

Wer sind F+G?

F+G ist ein Theater-Ensemble, das den künstlerischen Ansatz des in situ-Konzeptes verfolgt, sprich ähnlich wie in der bildenden Kunst, das Stück, den Spielort und die Inszenierung zu einer künstlerischen Einheit bringt. Dies umzusetzen erfordert Kompetenz und Bereitschaft, selbstgeschriebene oder umgeschriebene Theaterstücke fernab von traditionellen Spielstätten an ungewöhnlichen, aber zum Stück atmosphärisch passenden Orten zu inszenieren und zur Aufführung zu bringen. Diese Strategie verfolgen die F+G seit fast 15 Jahren sehr erfolgreich.

Wie ist die Idee für das Thema des Stückes entstanden?

Von F+G kam die Idee, diesmal keine Komödie zu zeigen, sondern einen Museumskrimi. Zeha Schröder, der Regisseur, schlug dafür die Adaption von "Belphégor – das Phantom des Louvre" vor. Damit haben wir eine Geschichte gefunden, die unsere Sammlung in ein ganz neues Licht rücken wird. Mittlerweile hat ja jede Oper ihr eigenes Phantom, da wollen wir als Museum nicht zurückstehen.

Wer oder was ist Belphégor?

Bei Belphégor handelt es sich um eine alte Gestalt, aus der jüdisch-christlichen Mythologie, die seit der Renaissance immer wieder in der Literatur Erwähnung findet.

Und was hat eine mesopotamische Gottheit im Museum verloren?

Das Stück selbst geht auf eine literarische Vorlage aus dem Jahr 1927 zurück. Damals wurde der Roman "Belphégor, le fantôme du Louvre" vom französischen Autor Arthur Bernède veröffentlicht. Bereits ein Jahr später wurde das Schauerstück ebendort als Stummfilm umgesetzt, übrigens die ersten Filmaufnahmen im Louvre überhaupt.

Das Buch und der Film dienen als Inspiration?

Als weitere Inspiration dient die überaus erfolgreiche, 13-teilige Fernsehserie aus dem Jahr 1965, ein veritabler Straßenfeger, in der Claude Barma die Geschichte inszeniert. Die Serie, die Ende der 1960er Jahre in Deutschland im Abendprogramm der ARD lief, war der endgültige Durchbruch der Geschichte um das Museumsphantom.

Wie dürfen wir uns das Phantom vom LWL-Museum für Kunst und Kultur vorstellen?

In jedem Fall unendlich schaurig!

Selbstverständlich erzählen wir die Geschichte nicht einfach nach, sondern es wird etwas ganz Neues entstehen. Im Buch ist es die Statue Belphégors im Louvre, die ihr blutiges Unwesen treibt. F+G bringen zwar das Phantom nach Münster, aber hier wird uns nicht der antike Gott begegnen, sondern eine mittelalterliche Heiligenfigur. Deren Grab wurde bei den Arbeiten am Neubau beschädigt und das Museum wird sich dem geballten Zorn und der Rachsucht dieses Heiligen ausgesetzt sehen. Es wird zudem um eine alte, Münsteraner Familie gehen, die von diesem Heiligen abstammt. Insgesamt finden wir die Übertragung von Paris nach Münster und vom Louvre auf unser Museum natürlich als sehr ehrenvoll!

Ich bin gespannt. Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Michelle van der Veen.

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Publikationsdatum: 09.10.2014

Themen: Neubau, Veranstaltungen