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#Interview: Architektur der Höfe von Volker Staab

Der Diplom Architekt Volker Staab, 1957 in Heidelberg geboren, ist Geschäftsführer von Staab Architekten Berlin. Das Büro gewann 2005 den Architektenwettbewerb für den Um- und Neubau des LWL-Museums für Kunst und Kultur in Münster. Zu Staabs Arbeiten der vergangenen Jahre gehören eine Vielzahl von Museen wie das Neue Museum in Nürnberg, die Sanierung des Albertinums in Dresden, aber auch das Kanzleigebäude der Deutschen Botschaft in Mexiko und das Servicezentrum auf der Theresienwiese in München. 2011 gewann Staab den großen BDA-Preis, der vom Bund Deutscher Architekten verliehen wird.
 

Foto: Bildkarten-Verlag Braunschweig

Herr Staab, Ihr Büro hat sich einen Namen mit dem Bau von Kultureinrichtungen gemacht. Zu nennen sind etwa das Albertinum (Dresden) oder jetzt das LWL-Museum für Kunst und Kultur. Wie gehen Sie bei der Planung eines Kulturgebäudes vor?

Wichtig ist es, das Spezifische eines Baus zu finden, in Münster etwa die spezielle Lage in der Stadt, aber auch der Sammlungsinhalt, also diese riesige Zeitspanne, die inhaltlich zu bewältigen ist. Wir versuchen diese Komplexe zusammen zu binden zu einem möglichst plausiblen und letztendlich ganz einfachem Gesamtkonzept. Uns geht es nicht darum, eine Art Staab-Marke abzuliefern, sondern eben um dieses Spezifische der jeweiligen Aufgabe.
 

Foto: Christian Richters

Das Museum liegt in der Innenstadt zwischen Domplatz, Universität und Aegidiimarkt. War es eine besondere Herausforderung mitten in der Stadt zu bauen?

Ja, auf jeden Fall. Uns hat diese ganz spezielle Adresse am Domplatz interessiert. Als ich das erste Mal vor Ort war, fiel mir auf, dass der Vorgängerbau sich eindeutig in Richtung Domplatz orientiert hat. Dabei war die höhere Fußgängerfrequenz unten auf der anderen Seite an der Rothenburg. Als ich das Haus umrundet hatte, merkte ich, dass man am Domplatz eigentlich lieber in den Altbau gehen wollte und an der Rothenburg gab es überhaupt keinen Eingang ins Museum. Die leichte Zugänglichkeit des Neubaus war deshalb ein großes Thema. Durch eine Sequenz von Höfen mit dem Vorplatz an der Rothenburg, dem Patio, dem Foyer und dem Vorhof am Domplatz wurde der Museumsneubau zu einem städtebaulichen Element verwoben, das Rothenburg, Pferdegasse und den Domplatz als Hauptadresse verbindet.

Foto: Christian Richters

Welche Bedeutung hat diese Verbindung von Stadt- und Kunstraum für Sie?

Da kommt man schnell von dieser städtebaulichen Ebene und den Fragen nach den Wegen, Proportionen und Regeln einer Stadt, auf eine inhaltliche Ebene und zu den Fragen, wie sich das Museum mit der Stadt vernetzt und wie man es schafft, die Schwelle zwischen öffentlichem Raum und Museum möglichst niedrig zu halten. Man kann jetzt beinahe schwellenlos durch die Höfe laufen und merkt dabei kaum, dass man sich plötzlich in einem Kunstraum befindet: unvermittelt ist man Teil des Museums geworden. Wir finden, dass sich die Institution Museum in die Stadt hin öffnen muss. Sie muss ein selbstverständlicher Teil des städtischen Lebens werden – mit der öffentlichen Durchwegung wird das Museum ein öffentlicher, kultureller Ort der Stadt.

©Lux - Esskultur und Grillkunst

Das Restaurant des Museums war im Vorgängerbau auf der Seite zum Domplatz. Warum haben Sie es auf die andere Seite an die Rothenburg gelegt?

An der Rothenburg ist die Gastronomie an einem wunderbaren Ort angekommen. Die Besucherfrequenz ist hier höher als am Domplatz, und die Orientierung in Richtung Süden bietet Sonne und Licht. Die neue Lage unterstreicht die schon vorhandene Widmung der städtischen Räume: der Domplatz als eher ruhiger, kontemplativer Ort. Die Rothenburg hingegen als lebendiger, quirliger Ort. Auch in der Verbindung mit dem Patio, der ja als öffentlicher Kunstraum der erste Hof sein soll, durch den man die Sequenz der Höfe betritt, ist die Gastronomie auf der Südseite gut angesiedelt. Sie hilft dabei, die Öffentlichkeit ganz selbstverständlich in den Museumsraum zu holen.
 

Foto. Elisabeth Deiters-Keul

Die Spitze des Hauses am Domplatz ist sehr markant. Was ist die Idee hinter diesem architektonischen Ausrufezeichen?

Wir wollten mit dem Neubau unbedingt bis an den Platz heranreichen, auch wenn das Grundstück es kaum hergegeben hat. So bekommt der Neubau eine gewisse Präsenz. Die Spitze ist als ein Zeichen, ein Signet, gedacht. Die Adressbildung und Eingangssituation am Domplatz wird damit unterstrichen.
 

Wie werden Kulturgebäude in Zukunft aussehen?

Für die Zukunft wünsche ich mir, dass es in der Museumswelt ganz viele verschiedene Räume für die Kunst geben wird, nämlich spezifische Räume, die die Differenzen der Sammlungen herausstellen.

Das Interview führte Moritz Leetz.

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Publikationsdatum: 11.09.2014

Themen: Neubau, Baustelle, Architektur