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beim Blog des LWL-Museums für Kunst und Kultur!

Neun faszinierende Ausstellungsstücke, die ihr gesehen haben solltet, bevor „Homosexualität_en“ endet

Text: Linda Overhoff

Am 4. September gibt es die letzte Gelegenheit, die Ausstellung „Homosexualität_en“ im LWL-Museum für Kunst und Kultur zu sehen. Bevor die Ausstellung Münster verlässt, möchte ich euch neun Kunstwerke ans Herz legen, die mich besonders fasziniert haben. Nutzt die letzten Tage und kommt ins Museum! Rund 800 Exponate zeigen Ausschnitte aus queeren Lebensgeschichten und Einblicke in die komplexe Auseinandersetzung mit der eigenen Identität.

  • Die Ausstellung "Homosexualität_en" läuft nur noch bis zum 4. September! Foto: LWL/ Hanna Neander

  • Im ersten Raum werden amerikanische und europäische Männeraktfotografien gegenübergestellt. Foto: LWL/ Hanna Neander

  • Die Coming-Out Videos und persönlichen Gegenstände sind ein spannender Einstieg in das Thema Homosexualität. Foto: LWL/ Hanna Neander

  • Die Geschichte der Homosexualität wird in unterschiedlichen Exponaten von A bis Z aufgearbeitet. Foto: LWL/ Hanna Neander

  • Karl hat die Inhaftierung in einem Konzentrationslager überlebt und trägt heute ganz besonders gerne rosa. Foto: LWL/ Hanna Neander

  • In den Hörduschen werden Aussagen zum Thema Homosexualität vorgelesen. Foto: LWL/ Hanna Neander

  • Freunde, Liebespaar oder Geschwister? Alexa Vachon lässt die Besucher*innen entscheiden. Foto: Alexa Vachon, Loella&Imogen, Aus der Serie Zu Zweit, 2014 © Alexa Vachon

  • Mehr als 800 Exponate zeigen Ausschnitte aus queeren Lebensgeschichten und Einblicke in die komplexe Auseinandersetzung mit der eigenen Identität.

1. Meret Oppenheim, Porträt mit Tätowierung (1980)
Ich starte mit einer Fotografie, die sich im ersten Raum gleich rechts an der Wand befindet, wenn ihr die Ausstellung betretet. Sie zeigt eine Frau mit starkem Ausdruck, die im gesamten Gesicht tätowiert zu sein scheint. Man schaut ihr direkt in die Augen und ist gleich gefesselt. Das Bild hat tolle Kontraste und eine besondere Geschichte.

2. Amerikanische Männeraktfotografie
Wenn ihr etwas weiterschlendert, seht ihr an den im Raum stehenden Säulen eingerahmte Fotografien, die zwischen 1880 und 1970 entstanden sind. Sie zeigen unterschiedliche Männerakte – viel nackte Haut wird hier gut in Szene gesetzt.

3. Video – Judith Andreae
Im ersten Raum werden persönliche Gegenstände ausgestellt, hinter denen eine ganz individuelle Geschichte steckt. Über einen Bildschirm und einen Kopfhörer taucht man in kleine Kurzfilme ein, in denen Personen über ihr Coming-Out erzählen und den dazugehörigen Gegenstand beschreiben. Man begegnet Menschen, die in der Auseinandersetzung mit sich, ihren Eltern, der Familie, ihrem sozialen Umfeld, sowohl von Bedrohung und Diskriminierung aber auch von schönen Momenten berichten. Das Video von Judith Andreae findet ihr an der letzten interaktiven Säule bevor es in den nächsten Raum geht. Hinter der Glasscheibe sind von ihr kleine goldene Ohrringe ausgestellt. Es ist spannend zu überlegen, welche Person und welche Geschichte hinter den Gegenständen stecken. Als erstes dachte ich, dass die Ohrringe vielleicht einem schwulen Mann oder einem Transvestit gehören. Das Video startet dann jedoch mit einer Frau, die sich als heterosexuell outet. Wie sie in der Sonderausstellung Homosexualität_en gelandet ist? Hört einfach mal rein!

4. Aus dem A bis Z der Homosexualität: A wie Amazonen
Eine Fotoserie und ein Plakat zeigt Frauen, die sich für sich und andere Frauen stark gemacht haben. In der Auseinandersetzung mit der alltäglichen Gewalt gegen Frauen und Mädchen wurden Kampfsport und Selbstverteidigungskurse in den 1970er Jahren zur politischen Strategie. Die Amazonen, das kriegerische Volk der antiken Mythen, wurden so zu einem wichtigen Symbol für die Frauen- und Lesbenbewegung der 1970er Jahre.

5. Aus dem A bis Z der Homosexualität: B wie Bibeln
1975 wurde mit dem „Verlag rosa Winkel“ der erste schwule Buchverlag nach 1945 gegründet. Als es noch kein Internet gab – und natürlich auch noch bis heute – spielten und spielen Bücher eine besonders wichtige Rolle für individuelle und kollektive Selbstverständigungsprozesse. Titel wie „Die Freuden der Schwulen“, „Schöner kommen“, „Hexengeflüster“ oder „Frau werden“ reihen sich in die Sammlung der Ausstellungsstücke ein.

6. Filmplakat zum Film von Rosa von Praunheim
„Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation in der er lebt“
Dieses Zitat und gleichzeitig auch der Filmtitel von Rosa von Praunheims Film bringt die komplexe Auseinandersetzung mit der eigenen Identität – in einer Welt in der das Private immer schon politisch betrachtet wurde – gut auf den Punkt.

7. KARL und der Rosa Winkel
Farben haben eine symbolische Funktion. In den 1930er Jahren galt Rosa als Jungenfarbe, Mädchen trugen Hellblau. Das „kleine Rot“ wurde mit Blut und Kampf assoziiert und galt daher als männlich. Warum die Nationalsozialisten für die Kennzeichnung homosexueller Häftlinge in den Konzentrationslagern einen rosafarbenen Winkel wählten, ist nicht eindeutig geklärt. Karl ist einer von ungefähr 15.000 Männern, die in ein Konzentrationslager deportiert wurden. In der Ausstellung wird seine Geschichte erzählt.

8. Hördusche: „Lassen Sie bitte unsere Kinder in Ruhe“
In den verschiedenen Hörstationen werden geschichtliche und aktuelle Zitate vorgelesen. Wie in das Wasser in einer Dusche prasseln in der Sitznische die Worte auf euch herunter. Die Stimmen in der Kabine „Lassen Sie bitte unsere Kinder in Ruhe“ solltet ihr euch unbedingt anhören, denn die Aussagen sind erschreckend aktuell.

9. Alexa Vachon, Serie „Zu zweit“
Die kanadische Künstlerin Alexa Vachon portraitiert in der Fotoserie „Zu Zweit“ zwischenmenschliche Beziehungen abseits der Norm. Die abgebildeten Menschen leben alle in Berlin und mindestens eine*r definiert sich als queer. Das spannende an den Fotografien: hier werden nicht nur Liebespaare, sondern auch Eltern und Kinder, Geschwister, verheiratete Paare, Geschäftspartner und Freunde abgebildet. Dem Betrachter bleibt es freigestellt, die Bilder und die dahinterliegende Beziehung der Personen untereinander zu deuten. Die Bilder der individuellen Paare sind für mich ein besonders gelungener Abschluss der Sonderausstellung.
 

Publikationsdatum: 26.08.2016

Themen: Kunstwerke