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2014 bis 2015: Rückblick und Vorschau

Visionen und Kompromiss-Karpfen

Im Interview mit Museumsdirektor Dr. Hermann Arnhold blicken wir zurück auf ein ereignisreiches Jahr im Museum und freuen uns auf zukünftige Projekte.

Konzert von Poppy Ackroyd am 10.12.2014 im Foyer des Museums. Foto: Judith Frey

Herr Arnhold, welches waren aus Ihrer Sicht die drei wichtigsten Ereignisse 2014?
Without any doubts der 19. September 2014: die Museumseröffnung. Dann der 7. November 2014: die Eröffnung der ersten Ausstellung "Das nackte Leben. Bacon, Freud, Hockney und andere. Malerei in London 1950-80" und der ... der wichtigste oder schönste Termin?

Gerne der wichtigste und schönste Termin.
Als dritten Punkt nehme ich, auch wenn es mehrere Termine waren, die 15 Previews vor der Eröffnung. Das war...very special! Darf ich noch eins dazu nehmen?

Klar!
Das Konzert von Poppy Ackroyd: Da war ich mir mit Herrn Müller Hofstede, der das Kulturprogramm organisiert, in der Pause einig. Das war wie pure Erholung und Tiefenseelenbehandlung nach dem Dauerlauf.

Da kann ich Ihnen nur zustimmen. Waren Sie denn im Februar bei dem ersten Poppy Ackroyd Konzert im Foyer?
Leider nur ganz kurz am Anfang. Da habe ich ein bisschen an Geschmack gewonnen und dachte, das nächste Mal muss ich unbedingt zu diesem Konzert.

Spitze am Domplatz am Freitag, den 19.09.2014. Foto: Hanna Neander

Das wichtigste Ereignis war ohne Zweifel, wie Sie selbst bereits sagten, die Neueröffnung des Museums im September. Wie ist die im Rückblick gelaufen?
Unglaublich! Ich finde nichts besseres als: „fulfilling promises“, also im Grunde hat sich das erfüllt, woran wir die Jahre gearbeitet haben. Die Leute sind begeistert, es herrscht eine unglaubliche Stimmung, es ist toll, immer wieder das offene Haus, dieses offene Museum zu erleben und von wildfremden Leuten angesprochen zu werden. Besonders schön ist es auch, wie die Leute im Foyer flanieren und vor allem in der Sammlung vor den Kunstwerken stehen und sagen: „Ich sehe alles neu. Ich habe die alle schon mal gesehen, habe aber den Eindruck, ich sehe alles, vor allem die Kunstwerke zum ersten Mal.“ Im Kern des Ganzen löst der Rückblick auf die Neueröffnung das eigentlich sehr schöne Gefühl aus, dass wir es geschafft haben, dass die Sammlung wieder in der Mitte des Hauses und auch in der Öffentlichkeit als das zentrale Stück des Hauses angekommen ist. Das macht glücklich.

Wie ist Ihr Ausblick für 2015. Wie positioniert sich das Haus im nächsten Jahr?
Das nächste Jahr steht natürlich immer noch im Zeichen des Anfangs. Ich denke, dass das neue LWL-Museum für Kunst und Kultur weiter sehr stark durch seine Architektur und die Neupräsentation der Sammlung bei vielen noch im Fokus stehen wird. Wir wollen dieses starke öffentliche Interesse nutzen, indem wir natürlich sehr programmatisch mit Kunstvermittlung und Kulturprogrammen umgehen.
Am 10.12. habe ich bei dem Konzert von Poppy Ackroyd gemerkt, wie hoch attraktiv dieser Bereich ist. Ich werde den Leuten, die das Kulturprogramm organisieren, Rückendeckung geben und Mut machen, dass wir unbedingt diesen Weg weiter gehen und ausbauen müssen. Ich hatte den Eindruck, dass solche Formate, wie auch „Arts'n'Music" der Jungen Freunde vor Kurzem, Brücken sind, über die wir an ein ganz neues Publikum herankommen werden.
Im Kulturprogramm gibt es eine Programmatik zu den Ausstellungen und der Sammlung. In einem Cross-Over-Verständnis zu anderen Gattungen der darstellenden Künste, ob nun Musik, Theater, Tanztheater oder Literatur können wir aber noch mehr machen, zum Beispiel eine Literaturnacht. Ich weiß, wie toll das ist, es geht nicht nur Kindern so, auch Erwachsene lieben es, wenn ihnen vorgelesen wird. Uns bietet sich ein Strauß von unglaublichen Möglichkeiten. Das wirkt wie ein verjüngendes Bad. Und mit dem Foyer haben wir auch einen großartigen Raum für diese Möglichkeiten. Jedes Mal, wenn ich runter in das Foyer gehe, ist das ein Gefühl von Freiheit. Es ist so großzügig, dass man unwillkürlich durchatmet. Es lädt außerdem ein zum kreativen Spinnen und Träumen. Wir sind in einem wunderbaren Haus.

Welche Ausstellungen planen Sie?
Die erste wichtige Ausstellung "Sag, was ist das für ein Tier? Grüffelo & Co." wird zum ersten Mal eine eigene Ausstellung der Kunstvermittlung für Besucher/innen ab 2 Jahren. Das heißt es gibt besondere Vermittlungsformate, was ganz wichtig ist. Wir sind nicht nur eine Bildergalerie, sondern auch ein sinnlich erfahrbares Kunstmuseum und zwar für die ganz Kleinen als auch für die ganz Großen. Es ist spannend, dass wir das alles jetzt ausprobieren und es so 2015 sehr viele Formate das erste Mal gibt. Das ist das Tolle an diesem Haus: Wir haben endlich diese Freiheit, viel auszuprobieren und viel zu lernen, auch aus Fehlern zu lernen und Mängel zu beheben.
Aber zurück zu den Ausstellungen: Am 12. Juni werden wir eine Otto Piene Ausstellung eröffnen. Der Bezug Otto Pienes zu Münster ist klar: Es gibt seit den 70er Jahren hier die "Silberne Frequenz". Mit der Witwe von Otto Piene, Elizabeth Goldring-Piene und Joachim Jäger, Leiter der Neuen Nationalgalerie in Berlin, werde ich nach 4 oder 5 Jahren zum ersten Mal selber wieder als Kunsthistoriker eine eigene Ausstellung kuratieren. Also nicht nur das Museum als Direktor leiten, sondern wieder in das Abenteuer Kunst reingehen. Darauf freue ich mich jetzt schon. Das ist wie Nahrung. Ohne diese direkte Auseinandersetzung mit der Kunst und diesen direkten Kontakt würden wir alle austrocknen.
Im Herbst gibt es dann eine Wilhelm Morgner Ausstellung. Für Westfalen ein unglaublich wichtiger Maler der Moderne. Das Neue an der Ausstellung ist, dass wir nicht nur sein Werk neu präsentieren werden, von dem wir eine große Sammlung hier im Haus haben, sondern dass wir Wilhelm Morgner zum ersten Mal in einen europäischen Kontext stellen, unter anderem mit van Gogh und Kandinsky gegenübersetellen. Wir wollen die Welt zeigen, in der Morgner gelebt hat und auch die Einflüsse, durch die seine Kunst geformt wurde.

Otto Pienes "Silberne Frequenz" an der Fassade des Museums.

Als letzte Frage etwas Privates: Wie feiern Sie Weihnachten?
Wir feiern Weihnachten Zuhause im Kreis der Familie. Wir haben uns im Familienrat geeinigt, dass der Christbaum mit der Unterstützung meiner Tochter schon am dritten Advent aufgestellt wird und nicht erst an Heiligabend. Diese Tradition am Heiligabend hat meine Frau aus Greifswald mitgebracht. Sie hat sich von uns bestechen lassen. Jetzt schmücken wir, vielleicht noch nicht ganz. Aber die Krippe wird aufgebaut und ganz zum Schluss kommt das Christkind in die Krippe. Bislang gab es auch das nach alter, nordostdeutscher, mecklenburgischer Tradition. Am Heiligabend gibt es einen Karpfen. Für den Teil unserer Familie, der aus Greifswald kommt und mit dem westfälischen Karpfen nicht zufrieden ist, wird es einen Karpfen geben, der eine Reise von Greifswald nach Münster macht und am selben Abend verspeist wird. Am Heiligabend selber werden wir in die Christmette gehen und danach zusammen bei Kerzenlicht einen Schmorapfel essen.

Das klingt fantastisch! Kompromiss-Karpfen und Schmorapfel bei Kerzenschein. Vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Judith Frey.

Publikationsdatum: 27.12.2014

Themen: Neubau, Architektur, Kunstwerke, Museumsteam, Veranstaltungen