Anlässlich des 80. Geburtstages des im vergangenen Jahr verstorbenen Künstlers Reiner Ruthenbeck zeigt das LWL-Museum für Kunst und Kultur von 11.11.2017 – 11.3.2018 Papierarbeiten des Bildhauers aus dem Bestand des Museums und der Westfälischen Provinzial. Im Mittelpunkt steht jedoch die Lichthofinstallation „Bodenraute 130/1300“, die den Innenhof im Altbau des Museums fast vollständig mit Din A0-Papierbögen bedeckt, ausgespart bleibt eine diagonale gestreckte Raute. 1991 hat der Künstler die Arbeit für den Ort konzipiert und erstmals gezeigt. Im Umgang des Lichthofes ergänzen 34 Zeichnungen von Ruthenbeck die Lichthofinstallation.

Eröffnet wird die Ausstellung im Lichthof im Rahmen eines gemeinsamen Eröffnungsabends am Freitag, 10.11.2017 ab 18 Uhr.

Ausstellung

Mit rund 50 Arbeiten ist das Werk Reiner Ruthenbecks ein bedeutendes Konvolut  in der Sammlung für Gegenwartskunst des LWL-Museums für Kunst und Kultur. Anlässlich des 80. Geburtstages des im vergangenen Jahr verstorbenen Künstlers zeigt das Museum mit der Ausstellung „Idee und Form“ eine Auswahl seiner Arbeiten im Lichthof des Museumsaltbaus. Ruthenbeck war aufgrund seiner langjährigen Lehrtätigkeit an der Münsteraner Kunstakademie mit der Stadt und der Region eng verbunden. Die Ausstellung erinnert an den vielseitigen Künstler und verknüpft zwei bedeutende Aspekte seines Oeuvres: Zeichnung und Papierarbeiten.

Ruthenbeck betrachtete die Zeichnung immer als eine künstlerisch eigenständige Ausdrucksform neben seinen skulpturalen Installationen. Er artikulierte darin Ideen und Entwürfe konzeptueller Skulpturen, zugleich manifestiert sich in seinen Zeich- nungen jedoch auch die Qualität eines autonomen Ausdrucks. In Aufbau und Struktur weisen sie ähnlich den Anordnungen seiner Rauminstallationen eine bewusste und für Ruthenbeck typische Setzung auf. Zum ersten Mal umgeben Zeichnungen aus dem Besitz des Museums und der Westfälischen Provinzial Versicherung in der Ausstellung Ruthenbecks „Bodenraute 130 / 1300“, erstmals 1991 als Lichthofinstallation in Münster präsent. Das Papier selbst war ein wichtiger Be- standteil in Ruthenbecks Repertoire bildhauerischer Materialien. Der Künstler schuf damit verschiedene Versionen von Papierhaufen und Bodenrauten, die er zumeist spezifisch für den jeweiligen Ort realisierte. Ebenso wie das Zeichnungskonvolut, ist das Konzept für die Bodenraute als Schenkung des Künstlers in  die Sammlung des Museums eingegangen.

Der Werkgruppe der Bodenrauten, von denen Ruthenbeck im Laufe seines Lebens insgesamt sechs geschaffen hat, gingen eine Reihe von installativen Arbeiten aus dem Werkstoff Papier voraus. Im Gegensatz zum Textil, einem weiteren wichtigen Material Ruthenbecks, folgt Papier nicht unmittelbar der Schwerkraft. Es lässt sich auf einfache Art und Weise in Form bringen: Seine 1970 erstmals gezeigten Papierhaufen aus zerknüllten schwarzen oder weißen Papierbögen bezeugen dies. Ruthenbecks Installationen verzichten dabei generell auf narrative oder kontextuelle Elemente zugunsten einer klaren Formensprache und eines spezifischen Materials. Die Arbeiten entstehen zumeist additiv und systematisch durch eine Verdichtung von Materialen, die für die Betrachtenden nachvollziehbar bleibt. Dies gilt auch für die erste raumfüllende Bodenraute, die Ruthenbeck 1989 in der Galerie Dacic in Tübingen ausführte.  Er schichtete dafür DIN A4-Papierbögen derart neben- und übereinander, dass in der Mitte des Raumes ein Teil des Bodens in Form einer langgestreckten Raute sichtbar blieb: Diese war nur aus der Entfernung erfahrbar, da das weiße Papier eine beinahe natürliche Begrenzung darstellte, die nicht zum Betreten aufforderte. In gleicher Weise fertigte er 1991 die Bodenraute in Münster an, die eine Ausgabe der sogenannten Lichthofinstallationen war, die seit den 1970er Jahren stattfinden. Obwohl sie auch in der jetzigen Ausstellung mit etwa 170 Quadratmetern den gesamten Raum des Innenhofs einnimmt, besticht die Arbeit durch zurückhaltende Klarheit und Reduktion.

Die Zeichnungen wirken dagegen geradezu verspielt und spontan, ohne ihre scheinbar mühelose Souveränität einzubüßen. Präzise formulierte Reiner Ruthenbeck Ideen und fertigte Studien an, die wie sein bildhauerisches Werk, immer den Herstellungsprozess selbst sichtbar machen. Die Offenlegung der Methode ist künstlerische Strategie. Während die früheren Zeich- nungen eher als Studien verstanden werden können und einer Fotografie ähnlich eine Verbindung zwischen Abbild und Herstellung evozieren, sind in späteren Blättern eindeutigere konstruktive Überlegungen erkennbar. Zugleich vergegenwärtigen die Zeichnungen ein Ideenrepertoire Ruthenbecks, das er immer wieder variierte und einsetzte, jedoch auch als Möglichkeit  im Raum stehen ließ. Es ist unter anderem dieses Spannungsverhältnis zwischen Ideenskizze und tatsächlicher Realisierung, das die Zeichnungen Ruthenbecks von ihrer dienenden Funktion befreit und von der künstlerischen Eigenständigkeit der Blätter zeugt. Reiner Ruthenbeck fertigte seine Zeichnungen überwiegend auf DIN A4-Blättern an, dafür verwendete er neben dem Bleistift oftmals auch farbige Buntstifte oder Filzstifte. In der Sammlung des Museums befinden sich insgesamt 39 Zeichnungen des Künstlers, bei 15 davon handelt es sich um Dauerleihgaben aus der Kunstsammlung der Westfälischen Provinzial Versicherung Aktiengesellschaft. 

Biografie

Reiner Ruthenbeck, 1937 in Velbert im Rheinland geboren, zählt heute zu den bedeutendsten deutschen Bildhauern seiner Generation. Nach einer Fotografenlehre studierte er bei Joseph Beuys an  der Kunstakademie Düsseldorf. Bereits während seines Studiums entwickelte  er eine unverwechselbare Sprache, die sich an Ideen des Surrealismus anlehnte, vor allem aber Strategien der Minimal Art und Konzeptkunst aneignete. Die Teilnahme  an der wegweisenden Ausstellung „When Attitudes Become Form“ in der Berner Kunsthalle 1969 und sein Beitrag für den Deutschen Pavillon auf der Biennale von Venedig 1976 begründeten seine internationale Karriere. Zwischen 1980 und 2000 hatte Ruthenbeck eine Professur an der Kunstakademie Münster inne. Neben zahlreichen nationalen und internationalen Ausstellungsbeteiligungen und Auszeichnungen, erhielt er 1982 den Konrad-vonSoest-Preis des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe und nahm insgesamt vier Mal an der documenta sowie zwei Mal an den Skulptur Projekten teil. Postum wurde sein Konzept „Begegnung Schwarz/Weiß“ nochmals in Marl zu den Skulptur Projekten 2017 realisiert. Im Dezember des vergangenen Jahres starb Reiner Ruthenbeck mit 79 Jahren.

Veranstaltungen

Freitag, 10.11.2017, 18 Uhr

Eröffnung der Ausstellung im Lichthof
Die Teilnahme ist kostenlos. An diesem Tag (Langer Freitag) ist der Eintritt in das Museum frei.

Freitag, 8.12.2017, 20 Uhr

Kuratorinnenführung mit Marijke Lukowicz
Kostenlose Teilnahmetickets gibt es eine Stunde vor Beginn an der Kasse. An diesem Tag (Langer Freitag) ist der Eintritt in das Museum frei.

Donnerstag, 8.2.2018, 19 Uhr

Dr. Mario Kramer, Museum für Moderne Kunst in Frankfurt am Main, im Gespräch mit Dr. Marianne Wagner, Kuratorin für Gegenwartskunst am LWL-Museum.

Reiner Ruthenbeck, Bodenraute, 1991, Installationsansicht 2017. © VG Bild-Kunst Bonn, 2017. Foto: LWL / Sabine Ahlbrand-Dornseif, Anne Neier