15. Juni – 18. August 2019

RADAR: Jonas Justen - Plötzlich Vorstand

Jonas Justen (* 1993, Zell/Mosel) spielt oft mit den Elementen des Innen, der Einrichtung, des Heimischen und Privaten, des persönlichen Schutzraumes. Dabei gelingt es ihm, über eine rein formale Aneignung hinauszugehen und diese Bezüge phänomenologisch erfahrbar zu machen.

Er greift die Formen, Haptik und Funktionen von alltäglich genutztem Mobiliar oder Kleidungsstücken auf, aber bleibt damit immer ganz nah am menschlichen Körper und an subtilen Empfindungen. Justens Skulpturen und Wandarbeiten erinnern an Tische, Stühle, Lampen oder Polster; sie beinhalten oftmals auch gefundene Einzelteile dieser Einrichtungsgegenstände. Wir wissen also intuitiv, wie wir unsere Körper rein räumlich zu diesen Objekten in Beziehung setzen, aber darüber hinaus wecken diese Objekte, durch die Vertrautheit in Material und Form, auch Erinnerungen oder gar wohlig-heimelige bis sentimentale oder mitunter erdrückende Gefühle.

Jonas Justen verdunkelt die Fenster und lässt somit keinen Blick von außen nach innen zu. Ein Stück Seidenstoff ist in der Raumecke drapiert und verweist noch zusätzlich auf diese Entscheidung des Verhüllens. Im Innern des Raums entstehen dadurch sanfte Sonneneinstrahlungen in einer gedämpften Lichtstimmung, die durch seinen Einsatz von farbigen Hüllen für die Neonröhrenbeleuchtung betont wird. Dem Lavendel-Ton der Leuchtstoffröhre wird Lavendelduft zur Seite gestellt, der den Raum modrig-süßlich einhüllt. Einen charakteristischen Geruch steuert auch der Knochenleim bei, den Justen in dreien seiner Werke verarbeitet hat. Er benutzt ihn nicht als Grundierung oder Kleber, sondern wie pastose Farbe auf Leinwand und Holz. Neben Licht und Geruch besiedeln skulpturale Elemente, Stoffarbeiten und Gemälde den Ausstellungsraum. Allen ist ein gewisser Humor gemein und die Relation zur menschlichen Figur auf die ein oder andere Art: Mal als Leerstelle, die uns den Stoff als Kleidung oder Polster denken lässt; mal als Gegenüber, das uns geraderaus anschaut, wie der Moderator in der Menschenmenge in „RAN“, oder auch als generalisierter Platzhalter, wie die abstrahierte Menschendarstellung im Triptychon „Alte Maschen“. Sie entstammt einem Wikihow-Video, das uns alltägliche Handgriffe, oder hier: das Autofahren, lehrt.

Jonas Justen hat Philosophie studiert an der Universität Wien und 2018 sein Studium der Fotografie an der Folkwang Universität der Künste in Essen abgelegt. Er lebt und arbeitet in Essen. Die Ausstellung wird kuratiert von Jenni Henke, Marie Meeth und Kristina Scepanski.

Blick in die Ausstellung "Jonas Justen. Plötzlich Vorstand", Foto: LWL / Hanna Neander

Dienstag – Sonntag, 11 – 19 Uhr, Eintritt frei
Zugang über den Westfälischen Kunstverein, Rothenburg 30, 48143 Münster

Eine Kooperation des LWL-Museums für Kunst und Kultur und des Westfälischen Kunstvereins in der Galerie der Gegenwart.

Freitag, 9.8., 20 Uhr

Künstlergespräch

Beim Künstlergespräch sprechen die Kuratorinnen mit Jonas Justen über Hintergründe und Kontexte seines künstlerischen Schaffens. Der Eintritt ist frei.

Über die Ausstellungsreihe

RADAR

RADAR ist ein Ausstellungsformat des LWL-Museums für Kunst und Kultur und des Westfälischen Kunstvereins. Gezeigt werden Positionen jüngerer, noch wenig bekannter Künstlerinnen und Künstler, die auffallen und auf dem „Radar“ erscheinen. Die ausgestellten Werke geben Einblicke in aktuelle Arbeitsfelder der Künstler/innen.