Flyer_Blumenberg_Ausschnitt

11. Juli–4. Oktober 2020

Hans Blumenberg. Denken in Metaphern

100 Jahre Blumenberg 


 „Um der übermächtigen Wirklichkeit zu entkommen, erfinden Menschen Bilder und Mythen, metaphysische und kulturelle Systeme.“

Bilder, Mythen, Metaphern – sie dienen den Menschen als Maßstab und als Orientierung angesichts der Herausforderungen der Gegenwart. Diese Erkenntnis wurde zum Leitmotiv des Philosophen Hans Blumenberg (1920-1996), der von 1970 bis zu seiner Emeritierung 1985 an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster als Professor der Philosophie lehrte und am 13. Juli 2020 seinen 100. Geburtstag begangen hätte. 

Blumenbergs bedeutendste Schriften lassen sich in den fünf Bänden der Metaphorologie finden. Durch seine radikale Erweiterung der Ideengeschichte, die ihm Bezüge zur Poesie, Imagination und Fiktion erlaubte, trafen seine Schriften auf eine breite Leserschaft, besonders aus den Bereichen der Bildenden Kunst, Kunstgeschichte und Literaturwissenschaft. 1979 veröffentlicht, fand das Buch „Schiffbruch mit Zuschauer“ insbesondere bei bildenden Künstlerinnen und Künstlern eine rege und gleichsam produktive Rezeption. Welch großes und zugleich vielseitiges Anregungspotenzial Blumenbergs Schriften boten, belegen beispielsweise Werke von Harald Klingelhöller, Ludger Gerdes und Marcel Odenbach, die in Bezügen zu Blumenbergs Theorien lesbar sind. Mit diesen Arbeiten werden vor dem Hintergrund gegenwärtiger politischer Konstellationen und menschheitsgeschichtlicher Entwicklungen Blumenbergs Gedanken nur zitiert, sondern vor allem aktualisiert.

Die Ausstellung ist eine Kooperation mit der Westfälischen Wilhelms-Universität sowie dem Westfälischen Kunstverein anlässlich des 100. Geburtstags von Hans Blumenberg. Sie spannt in Münster ein Netzwerk von Verbindungen zwischen Skulpturen im öffentlichen Raum bis hin zu einer Präsentation von Publikationen im Philosophikum der Westfälischen Wilhelms-Universität.

Das LWL-Museum für Kunst und Kultur zeigt in der Sammlung für Gegenwartskunst Materialien aus dem Skulptur Projekte Archiv zu Ludger Gerdes’ „Schiff für Münster“, das anlässlich der Skulptur Projekte 1987 entstand und noch heute nahe des Horstmarer Landwegs zu sehen ist. Eine umfangreiche Leihgabe aus der Stiftung Kunstfonds ergänzt diese Materialien.

Westfälischer Kunstverein

Marcel Odenbach. Im Schiffbruch nicht schwimmen können

Der Westfälische Kunstverein zeigt die Videoarbeit „Im Schiffbruch nicht schwimmen können“ (2011) von  Marcel Odenbach (* 1953). Odenbach greift die Metapher des Schiffes auf und aktualisiert sie im Kontext von Blumenbergs „Schiffbruch mit Zuschauer“. Er weist auf eine Entwicklung hin, die die Gesellschaft – nicht nur an den Grenzen Europas – als die Zuschauerin eines dramatischen Geschehens inzwischen eingeholt hat. Die Tragödie von Flucht und Seenotrettung hält in der Gegenwart an und die aktuelle weltpolitische Lage zeigt, dass sie den Betrachtern auch in Zukunft die Konsequenz ihres Handelns vor Augen führen wird.

Die große Fensterfassade zum Vorplatz von Kunstverein und Museum lässt eine Rezeption der Arbeit in unterschiedlichen Erscheinungsformen und zu wechselnden Tageszeiten zu: Tagsüber ist das Video mit Ton von innen wahrnehmbar, bei Einbruch der Dunkelheit wird es auch im öffentlichen Raum sichtbar.

Ausstellungsorte

Westfälischer Kunstverein (Schaufensterraum).

LWL-Museum für Kunst und Kultur (Sammlung 2. OG, Raum, 2.13)

Westfälische Wilhelms-Universität (Kunsthistorisches Institut, Halle)

Der Ausstellungflyer zum Download.

Das Begleitheft zur Ausstellung finden Sie hier.

Öffnungszeiten/Eintritt

Westfälischer Kunstverein: Dienstag–Sonntag 11–19 Uhr, Eintritt frei

LWL-Museum für Kunst und Kultur: Dienstag–Sonntag 10–18 Uhr, Eintritt 9 € / 4,50 €

Kunsthistorisches Institut: Montag–Freitag 10–16 Uhr, Eintritt frei