Grabungen im Teutoburger Wald

Grabungen im Teutoburger Wald

Kalk- und Mergelsteine aus der Ober-Kreide-Zeit

Im Raum Borgholzhausen – Halle wurden bzw. werden in mehreren Steinbrüchen Kalk- und Mergelsteine aus der Ober-Kreide-Zeit abgebaut. Einige dieser Steinbrüche haben mit ihren guten Aufschluss-Verhältnissen Bedeutung für die Stratigraphie des Ober-Cenoman (ca. 92 Mio. Jahre alt). In überkippter Lagerung, nach Nordnordosten einfallend, sind hier die Basis-Schichten der Ober-Kreide aufgeschlossen. Die harten Kalksteine des Cenoman und des Turon bilden die südlichen Höhenzüge des Teutoburger Waldes. Paläontologisch interessant ist besonders die sogenannte schwarzbunte Wechselfolge im höchsten Ober-Cenoman. Während die älteren Kalksteine noch relativ einheitlich aufgebaut sind, tritt nun eine Wechselfolge von dunklen Mergelsteinen mit Kalksteinen auf, denen untergeordnet rote und bunte Mergel zwischengeschaltet sind.

Fossilinhalt

Ein solcher Wechsel von Kalksteinen und Schwarzschiefer-führenden Gesteinen ist an der Grenze Cenoman/Turon weltweit zu beobachten. Die schwarzbunte Wechselfolge ist stellenweise stark fossilführend. Neben dem für diesen Ausschnitt der Kreide typischen Gehalt an Makrofossilien wie Muscheln, Seeigeln, Brachiopoden, aber auch Spuren und Mikrofossilien treten als Besonderheiten vereinzelt Wirbeltiere und in bestimmten Horizonten Großammoniten auf: Fischskelette in der Fazies der Schwarzschiefer hatten in diesen günstige Voraussetzungen für vollständige Erhaltungsformen.

Großammoniten-Anreicherungen

Über diese und weitere Funde von Vertebraten wie Reptilresten hinaus ist die Region durch ihre besonderen Großammoniten-Anreicherungen bekannt geworden. Bereits Ende der 1970er Jahre bargen Sammler eine Reihe von Großammoniten, ohne jedoch die Situation zu dokumentieren. Die notwendige wissenschaftliche Untersuchung zur Sicherung der Befunde erfolgte zwischen 1994 und 1998 in einer Diplomarbeit und einer Dissertation der Universität Münster. Ermöglicht wurde dies durch eine Kooperation zwischen dem LWL-Museum für Naturkunde und dem Lehrstuhl Paläontologie des Geologisch-Paläontologischen Institutes der Universität Münster. Finanziell unterstützt wurde sie mit Mitteln des Denkmalförderungsprogramms. Am Beispiel des sogenannten Puzosia-events I nahe der Basis der schwarz-bunten Wechselfolge wurden nesterartige Anreicherungen von Großammoniten wie dem namengebenden Puzosia dibleyi als Kolke (Strudellöcher am Meeresboden) interpretiert. Es wurden 5 Kolkphasen definiert.


Denkmalliste

So hat man im Raum Borgholzhausen-Halle bei den z.T. sehr guten Aufschluss-Verhältnissen die Möglichkeit des Einblicks in einen gewaltigen Ausschnitt der älteren Ober-Kreide-Schichten von den Stufen des Cenoman über das Turon bis zum Coniac.
Eine Wand in einem Steinbruch ist 2002 in die Denkmalliste eingetragen worden. Das Verfahren für die Eintragung in einem weiteren aufgelassenen Steinbruch läuft noch.


Literatur

KAPLAN, U. & KENNEDY, W.J. & LEHMANN, J. & MARCINOWSKI, R. (1998): Stratigraphie und Ammonitenfaunen des westfälischen Cenoman. - Geol. Paläont. Westf., 51: 236 S.; Münster.