Klosterheilkunde und Klostermedizin

Mit ihrem reichen Bestand an Heilpflanzen versorgten die Klostergärten seit dem Mittelalter auch die klostereigenen Apotheken und Krankenhäuser. Als idealtypischer Plan einer Klosteranlage sah der St. Galler Klosterplan bereits im 9. Jahrhundert ein eigenes Beet für jede der damals gängigen 16 Heilpflanzen vor. Dabei hatte die Heilkunde eine lange Tradition in den Klöstern: Schon vor 1.500 Jahren machte der heilige Benedikt die „Sorge für die Kranken“ in seiner Ordensregel zu einem Hauptanliegen der ihr folgenden Gemeinschaften. Die Klöster richteten eigene Spitäler ein und bildeten einen Mitbruder, den Infirmarius, für die Versorgung der Kranken aus. In den umfangreichen Klosterbibliotheken fanden die Ordensleute antike Schriften zur Heilkunde. Sie forschten, vertieften ihre Kenntnisse und legten ihr Wissen selbst nieder. Die bis heute bekannteste Vertreterin der Klostermedizin ist die Äbtissin Hildegard von Bingen (12. Jahrhundert).