1.700 Jahre Kulturgeschichte

Zwischen Tugend und Laster

Folgen Sie den sieben Todsünden durch die Jahrhunderte: Sie sind dabei, wenn im 4. Jahrhundert Mönche in der Wüste gegen die Dämonen der Sünde kämpfen und daraufhin erstmals einen Katalog der menschlichen Laster verfassen. Sie begegnen dem Konzept der Todsünden im Mittelalter als moralische Grundlage von kirchlicher Lehre und weltlichem Gesetz. Und während im verschwenderischen Barock und den wilden 1920er Jahren einige die Tabuzone verlassen, zeigen sich die sieben Todsünden während des Nationalsozialismus in ihrer ganzen Grausamkeit.

Werte im Wandel

Je weltlicher die Gesellschaft, desto mehr verlieren die sieben Todsünden ihren Schrecken. Völlerei ist im Nachkriegsdeutschland schick. Die sexuelle Befreiung der 68er-Bewegung macht Wollust salonfähig. Werte werden neu definiert.

Doch auch in der Gegenwart wirft der Teufel sein Netz aus. Luxus gehört heute zum Lifestyle, Schnäppchenjagd ist ein Erlebnis und All-you-can-eat gerade genug. Die sieben Todsünden werden zum Kern eines universalen Werbeversprechens: der Erfüllung aller Wünsche.