Zwischen Fakt und Fiktion

Verschwörungstheorien sind ein wiederkehrendes Phänomen in der Geschichte der Menschheit. Sie konfrontieren, hinterfragen, zweifeln an und machen neugierig, weil sie vorgeben, Wahrheiten zu enthüllen. Gerade in Zeiten „alternativer Fakten“ und „neuer Medien“ sind sie aktueller denn je.

Die Sonderausstellung  „Verschwörungstheorie – früher und heute“ im ehemaligen Kloster Dalheim geht der Entstehung, Funktion und Verbreitung von Verschwörungstheorien auf den Grund. Rund 250 Exponate führen Besucherinnen und Besucher durch 900 Jahre Geschichte und zeigen, warum Verschwörungstheorien bis heute ihre Faszination und Wirkmacht nicht verloren haben.

Im Mittelalter prägt der Teufelsglaube das Verschwörungsdenken: Hexen, religiöse Minderheiten wie die Juden aber auch mächtige Ordensgemeinschaften wie die Templer gelten als Verbündete des Teufels, die dem Christentum Schaden zufügen wollen. Im 18. Jahrhundert – dem Zeitalter der Aufklärung – werden die Freimaurer und Illuminaten als die wahren Drahtzieher der politischen und sozialen Umwälzungen angesehen. Eigene Rituale und Symbole sowie exklusives Wissen lassen diese Geheimbünde bis heute verdächtig erscheinen. Die Vereinnahmung von Verschwörungsglauben durch politische Ideologien bestimmt die jüngere Geschichte: Während unter Adolf Hitler eine jüdische Weltverschwörung propagiert wird, nutzt Josef Stalin Verschwörungstheorien als Instrument seines Machterhalts. Im Kalten Krieg spiegelt sich die Konfrontation der Supermächte nicht zuletzt in Gerüchten über kommunistische Agenten und schädliche Kartoffelkäfer, die als Waffe der USA per Flugzeug abgeworfen die DDR-Landwirtschaft gefährden sollen.

Heute begünstigt der schnelle Informationsfluss der neuen Medien die Verbreitung einer Vielzahl vermeintlicher Verschwörungen: Ein populäres Beispiel sind die Anschläge auf das World Trade Center vom 11. September 2001. Anhänger der Chemtrail-Verschwörung glauben an eine systematische Vergiftung durch Kondensstreifen am Himmel und die Reichsbürgerbewegung stellt die Existenz der Bundesrepublik Deutschland in Frage. Begriffe wie „Lügenpresse“ und „fake news“ spiegeln ein zunehmendes Misstrauen gegenüber Regierungen, sogenannten Leitmedien und Eliten wider und dort, wo es den etablierten Parteien und verantwortlichen Institutionen an Antworten fehlt, mündet verlorengegangenes Vertrauen nicht selten in Verschwörungstheorien. 

Ausgehend von bedeutenden historischen Beispielen zeigt die Sonderausstellung heute kursierende Verschwörungstheorien im Spannungsfeld von Fakt und Fiktion. Ausstellungsgäste treffen hier auf verdeckte Machenschaften und geheimes Wissen, Strippenzieher, Staatsverweigerer und exklusive Gemeinschaften.