Umsatz und umsatzsteuerpflichtige Unternehmen – eine Gesamtbilanz von 2010 bis 2020

Der Umsatz, also der Wert bzw. Verkaufserlös der innerhalb einer bestimmten Zeit verkauften Waren und Dienstleistungen, ist ein wichtiger Indikator für die Wirtschaftskraft einer Region oder Teilregion. Die Umsatzentwicklung lässt Rückschlüsse zu auf die Wirtschaftsentwicklung insgesamt.

Umsatzsteuerpflichtig sind Unternehmen, wenn ihr Umsatz pro Jahr höher liegt als 22.000 Euro (bis 2019: 17.500 €).

Im Folgenden sollen die – z.T. sehr unterschiedlichen – Gesamtsummen der Umsätze, ihre Entwicklung und die der Gesamtheit der umsatzsteuerpflichtigen Unternehmen in den Kreisen und kreisfreien Städten Westfalens erläutert werden.

Abb. 1: Umsatzsteuer 2020 – durchschnittliche Höhe je Unternehmen (in Mio. €) und Gesamtaufkommen pro Einwohner:in (in €) (Quelle: IT.NRW, eigene Berechnungen)

Umsatz-Gesamtsummen 2020

Die Städte bzw. Kreise mit den höchsten Gesamtsummen der Umsätze waren im Jahr 2020 der Kreis Gütersloh (insges. 48,013 Mrd. €), Dortmund (38,250 Mrd. €), der Kreis Minden-Lübbecke (31,833 Mrd. €) und Münster (31,250 Mrd. €). Am "unteren Ende der Tabelle" rangierten der Kreis Höxter (5,827 Mrd. €) und Bottrop (2,422 Mrd. €).

Natürlich spielt hier auch die Größe der Kreise bzw. Städte eine gewisse Rolle. Wenn man daher das Gesamtaufkommen an Umsätzen jeweils pro Einwohner:in umrechnet, ergibt sich folgendes Bild (Abb. 1): Im Kreis Gütersloh kamen auf einen Einwohner bzw. eine Einwohnerin 131.512 Euro Umsatz, im Kreis Minden-Lübbecke waren es 102.562 Euro. Große Anteile an den hohen Umsatzsummen dieser Kreise hatten die beiden Städte Gütersloh – u.a. mit den Unternehmen Bertelsmann (s. Beitrag Grothues) und Miele (s. Beitrag Lindemann) – sowie Minden, wo auf die Unternehmen Melitta und WAGO zusammen schon ein erheblicher Anteil des gesamten Umsatzaufkommens entfiel.

Auch das Oberzentrum Münster brachte es insgesamt noch auf knapp 100.000 Euro Gesamtsumme je einwohnende Person. Hier gibt es gerade auch im tertiären Sektor bedeutende Unternehmen.

Weit abgeschlagen lagen dagegen Herne (25.679 €) und Bottrop (20.607 €) auf den letzten Plätzen.

Wenn statt der Relation zwischen Umsatzaufkommen und Bevölkerung noch stärker die wirtschaftliche Bedeutung der Unternehmen selbst im Zentrum der Betrachtung stehen soll, empfiehlt sich ein Blick auf die durchschnittliche Höhe der Umsätze je Unternehmen. Auch hier bildeten Herne (durchschnittlich 1,19 Mio. € pro Unternehmen im Jahr 2020) und Bottrop (0,79 Mio. €) die "Schluss­lichter", während wiederum in den Kreisen Gütersloh (3,51 Mio. €) und Minden-Lübbecke (3,03 Mio. €) die Unternehmen im Durchschnitt die höchsten Umsätze erzielten.

Umsatzsteuerpflichtige Unternehmen 2020

Die absolute Zahl der umsatzsteuerpflichtigen Unternehmen hängt wiederum auch von der Größe der Kreise ab, sodass auch hier ein Blick auf Relationen angebracht erscheint, konkret: auf die Anzahl der umsatzsteuerpflichtigen Unternehmen pro 1.000 Einwohnende.

Im Jahr 2020 waren das im Kreis Borken 41,7 und im Hochsauerlandkreis 40,0. Dies waren die Spitzenwerte innerhalb Westfalens. Mehr als 36 Unternehmen pro 1.000 Einwohnende wiesen außerdem die Kreise Coesfeld, Gütersloh und Paderborn auf.

Weniger als 27 umsatzsteuerpflichtige Unternehmen pro 1.000 Einwohnende gab es in Bottrop, Gelsenkirchen, Hagen, Hamm und Herne.

Die Probleme des Strukturwandels sind in Bezug auf die Unternehmensvielfalt in den Ruhrgebietsstädten immer noch deutlich spürbar. Im Münsterland dagegen, aber auch in den Kreisen Gütersloh und Paderborn boomte in den letzten Jahren bzw. Jahrzehnten die wirtschaftliche Entwicklung. Wenn speziell die Müns­terlandkreise in Bezug auf die Höhe des Umsatz-Gesamtaufkommens nicht die vordersten Plätze innerhalb Westfalens belegen, wohl aber in Bezug auf die Anzahl der Unternehmen pro 1.000 Einwohnende, dann lässt dies Rückschlüsse zu auf die Wirtschaftsstruktur: Im Münsterland dominieren nicht unbedingt die Großunternehmen von nationalem oder sogar internationalem Rang, sondern prägend ist die Vielzahl der kleineren, aber oftmals äußerst erfolgreichen Familienbetriebe und Mittelständler (s. Beitrag Wittkampf).

Abb. 2: Entwicklung der Anzahl der umsatzsteuerpflichtigen Unternehmen sowie der Gesamtsumme der Umsätze von 2010 bis 2019 (in %) (Quelle: IT.NRW, eigene Berechnungen)

Umsatzsteuerpflichtige Unternehmen: Entwicklung 2010–2020

Die "Momentaufnahme" mit dem Blick auf das Jahr 2020 muss ergänzt werden durch eine Betrachtung im zeitlichen Verlauf. Hier bietet sich der Zehnjahresvergleich von 2010 bis 2020 an. Da aber die Wirtschafts­entwicklung vor allem durch die Corona-Pandemie z.T. sehr stark gelitten hat, empfiehlt es sich, das Jahr 2019 gesondert zu berücksichtigen, also das Jahr vor der Pandemie. Wenn man dann zusätzlich die Entwicklung von 2019 bis 2020 betrachtet, kann ansatzweise deutlich werden, wo durch Corona die Rückgänge besonders stark waren – und wo sie sich etwas weniger gravierend bemerkbar machten.

Die Anzahl der umsatzsteuerpflichtigen Unternehmen wuchs von 2010 bis 2019 am deutlichsten in den Kreisen Paderborn (+10,1%), Coesfeld (+9,0%), Steinfurt (+8,3%) und Borken (+7,6%) (Abb. 2). Der bereits erwähnte wirtschaftliche Boom bestätigt sich hier in besonderer Weise – gerade auch für die westlichen Münsterlandkreise. Eine florierende Wirtschaft führt häufig zu weiteren Unternehmensgründungen, z.B. im Dienstleistungssektor.

Deutliche Rückgänge bei der Unternehmensanzahl ergaben sich dagegen in manchen Ruhrgebietsstädten, im Kreis Unna (-9,6%), im Märkischen Kreis (-6,7%) und im Ennepe-Ruhr-Kreis (-4,9%). Weltwirtschaftliche Probleme, z.B. durch den Brexit, hohe Kosten (auch Produktionskosten) und mangelnde Rentabilität können hier ausschlaggebend gewesen sein. Letzteres geht z.T. einher mit Bevölkerungsrückgängen. So reduzierten sich von 2010 bis 2019 die Einwohnerzahlen im Märkischen Kreis um 4,8%, im Kreis Unna um 4,1%.

In allen Kreisen und kreisfreien Städten Westfalens machte sich die Corona-Pandemie durch Rückgänge in der Anzahl der umsatzsteuerpflichtigen Unternehmen von 2019 bis 2020 bemerkbar – am deutlichsten im ohnehin nicht sehr strukturstarken Kreis Höxter sowie im Hochsauerlandkreis, wo der Tourismus, coronabedingt, starke Einbußen hatte.

Die Entwicklung des Umsatzvolumens 2010–2020

Fast in allen Kreisen und kreisfreien Städten Westfalens stieg von 2010 bis 2019 die Umsatzsumme, und zwar teilweise sehr kräftig (Abb. 2). Zuwächse von mehr als 40% gab es in den Kreisen Unna, Steinfurt, Borken und Gütersloh sowie in der Stadt Dortmund. Ein Minus von 35,4% verzeichnete dagegen Bottrop. Diese Stadt, in der im Dezember 2018 die Ära des deutschen Steinkohlebergbaus endete, konnte den Strukturwandel ganz offensichtlich bislang nicht in dem notwendigen Maß vollziehen. Weder der "Movie Park" noch die Indoor-Skihalle "alpincenter" konnten dem massiven, sich über mehrere Jahre hinziehenden Einbruch der Umsätze in Bottrop entscheidend entgegenwirken.

Speziell durch die Corona-Pandemie reduzierten sich von 2019 bis 2020 die Umsätze in der Mehrzahl der Kreise und Städte. Am deutlichsten war dies in Hagen der Fall (-14,8%), wo die ansässigen und wirtschaftlich bedeutenden Unternehmen "Sinn" (Modehandelskette) und "Wikinger Reisen" (Reiseveranstalter) in finanzielle Schieflage gerieten.

Den zweitstärksten Rückgang zwischen 2019 und 2020 wies der Kreis Unna auf (-7,8%). Hier haben u.a. die Poco-Einrichtungsmärkte (Bergkamen) und der Textildiscounter Kik (Bönen) ihre Unternehmenssitze.

⇑ Zum Seitenanfang


 

Weiterführende Literatur/Quellen

⇑ Zum Seitenanfang

Erstveröffentlichung 2022

Publikationsdatum: 15.06.2022

Autoren: Wittkampf (Autor)

Schlagworte: Gewerbe/Industrie, Westfalen

Region: Westfalen gesamt