Das Universitätsklinikum Münster – eines der größten und modernsten Klinikzentren Deutschlands mit wechselvoller Geschichte

Oberzentrale Bedeutung des Gesundheitswesens in Münster

Dem Gesundheitswesen in der Stadt Münster kommt – mit den überaus zahlreichen Arztpraxen, Krankenhäusern und Kliniken – eine herausragende oberzentrale Bedeutung zu. Nach dem "Krankenhaus Ra­ting Report 2008" des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (Essen) zählen in Nordrhein-Westfalen das Ruhrgebiet so­wie die Städte Münster und Bonn zu den zehn am stärksten frequentierten Gesundheitszentren Deutschlands. "Nach Bonn seien rund 73.000 Menschen aus ganz Deutschland für eine Behandlung ge­reist, nach Münster etwa 67.000" (MZ, 13.03.2008); in der Rangfolge belegt Bonn den sechsten, Müns­ter den siebten Platz in Deutschland. Unter den münsterschen Krankenhäusern und Fachkliniken nimmt das westlich der Innenstadt gelegene Universitätsklinikum Münster (UKM) eine besondere Stellung ein.

Universitätsklinikum Münster mit Zentralklinikum und älteren Klinikgebäuden (oben rechts) Abb. 1: Das Universitätsklinikum Münster (UKM) mit dem in mehrere Gebäudekomplexe gegliederten Zentralklinikum (Bildmitte) und östlich gelegenen älteren Klinikgebäuden (oben rechts). Linksoben: u. a. Gebäude des naturwissen-schaftlichen Zentrums und die Mensa der Universität (Foto: B. Fischer, Presseamt der Stadt Münster)

Das UKM: herausragende Merkmale und Standortverteilung

Das UKM zählt mit seinen rd. 7.200 Beschäftigten (aus 62 Nationen), jährlich ca. 46.000 stationär behandelten Patientinnen und Patienten sowie rd. 1.300 Betten zu den größten Kliniken Deutschlands. Der Einzugsbereich geht weit über die Stadtregion Münster und das Münsterland hinaus. Das UKM versorgt nicht nur alle Bereiche der modernen Medizin, sondern zeichnet sich – u. a. durch die enge Verzahnung mit der großen Medizinischen Fakultät der Westfälischen Wilhelms-Universität (WWU) Münster in Theorie und Praxis – durch eine Reihe herausragender Behandlungs- und Forschungsschwerpunktbereiche aus. Dies sind die Entzündungs- und Transplantationsmedizin, Herz- und Gefäßmedizin, Neuromedizin, Regenerative Medizin und Reproduktionsmedizin sowie die Tu­mor­medizin, womit "das UKM zu den führenden medizinisch-therapeutischen Zen­tren in Europa [zählt]" (UKM 2010).

Das UKM ist im münsterschen Stadtbild sowie auch im Stadtumland von weitem durch die beiden 60 m hoch aufragenden sog. Bettentürme des Zentralklinikums als "Landmarken" sichtbar (Abb. 1). Zugleich ist es größter Arbeitgeber der Stadt. Das Gesamtausmaß der heutigen räumlichen Standortverteilung der zum UKM zählenden zahlreichen Einzelkliniken und ihrer Stationen, der mit dem UKM eng verzahnten Einrichtungen der Medizinischen Fakultät und weiterer Dienstleis­tungen konnten in der Übersichtskarte (Abb. 2) nur angedeutet werden (vgl. UKM 2010 mit großmaßstäbiger Karte u. Aufführung aller Einrichtungen des UKM). Die Abbildungen 1 und 2 zeigen, dass die zahlreichen UKM-Gebäude, die z. T. östlich, größtenteils jedoch westlich des heutigen zweiten Tangentenrings (hier: Kardinal-von-Galen-Ring/Rishon-le-Zion-Ring/Orleáns-Ring, oben rechts in Abb. 1) gelegen sind, einen großen Raum im Westen der Innenstadt einnehmen. Das sog. Zentralklinikum, gegliedert in mehrere größere Baukörper, hebt sich auch im Stadtgrundriss besonders hervor.

Wechselvolle Vorgeschichte

Das UKM hat eine wechselvolle Vorgeschichte und Entwicklung erfahren, die eng mit der Chronik der Medizinischen Fakultät verbunden sind. Bereits im Jahre 1774 – noch vor der ersten offiziellen Universitätsgründung in Münster (1780) – hielt ein Dozent Vorlesungen in Anatomie, Chirurgie und Geburtshilfe. Mit der Schließung der Universität im Jahre 1818 zu Beginn der preußischen Zeit zugunsten einer Rheinischen Universität in Bonn wurde jedoch auch die Medizinische Fakultät in Münster aufgelöst. Allerdings konnte bereits 1821 eine Chirurgenschule als Ausbildungsstätte für Wundärzte mit 12 Betten in der zum Wohnhaus umgebauten Kirche des Klarissenklosters in der Altstadt (Stubengasse) gegründet werden, die 1830 den Rang einer Medizinisch-Chi­rurgischen Lehranstalt erhielt (WN, 13.05.2000). Eine neue Medizinalverfassung von 1849 bewirkte jedoch die Schließung dieser Lehranstalt, so dass in Münster die Medizinerausbildung für mehr als ein halbes Jh. zum Erliegen kam (ebd.).

Abb. 2: Übersichtsplan des Universitätsklinikums Münster (UKM) (Quelle: UKM, verändert)

Von der Gründung der Medizinischen Fakultät zum Zentralklinikum

Erst 1905 – drei Jahre nach Neugründung der Universität (WWU) – entstand eine neue medizinisch-propädeutische Abteilung. Der Bau der ab 1913 geplanten Klinikanlagen kam wegen des Ersten Weltkriegs zum Erliegen; erst im Jahre 1925 konnten die Klinikbauten fertig gestellt und offiziell die Medizinische Fakultät der WWU gegründet werden (Weißgerber 1926). Aufgrund der Zerstörung großer Teile des Klinikums wurde die Medizinische Fakultät während des Zweiten Weltkriegs vorübergehend nach Bad Salzuflen verlagert (MZ, 11.05.2000). Nach der Wiedereröffnung der Medizinischen Fakultät in Münster im November 1945 folgte "eine beispiellose Blütezeit", in der – neben der Beseitigung der Kriegszerstörungen – "etliche Neubauten entstanden und zahlreiche neue Kliniken und Institute gegründet wurden" (ebd.; zur Baugeschichte vgl. im Einzelnen Niemer 2010). Bereits im Jahre 1962 wurde ein internationaler Planungswettbewerb für den Bau eines Großklinikums ausgeschrieben; erst 1971 (nach Verabschiedung des Hochschulbaugesetzes NRW von 1969) konnte mit dem Rohbau begonnen werden. Im Juni 1982 wurde das neue sog. Zentralklinikum offiziell eröffnet.

Durch den gut eine Mrd. DM teuren Neubau des Zentralklinikums (einschl. Zentralgebäude, Versorgungszentrum, Lehrgebäude etc.) wurde das UKM nicht nur zu eine der größten, sondern auch der modernsten Kliniken Deutschlands, obwohl die Architekten (Weber, Brand und Partner), die zur gleichen Zeit auch die Universitätskliniken in Aachen betreuten, in ihrem Entwurf zunächst sogar vier anstelle der zwei errichteten Bettentürme geplant hatten. Aufgrund der hohen Neubaukosten für das Zentralklinikum blieb die Modernisierung des alten Klinikteils zunächst überfällig. Noch nicht einmal 25 Jahre später wurde sogar die Existenz des Zentralklinikums wegen hoher Modernisierungs- bzw. Sanierungs- und Energiekosten in Frage gestellt (Schemann 2005). Anfang 2007 beschloss der Aufsichtsrat des UKM eine grundlegende Modernisierung der Bettentürme und die Errichtung eines größeren Erweiterungsbaus auf dem Gelände der heutigen Parkpaletten unmittelbar nördlich des Zentralklinikums. In diesen Neubau sollen fast alle Kliniken, die bislang in separaten älteren Gebäuden untergebracht sind, als Einrichtungen moderner Hochleis­tungsmedizin untergebracht werden.

Künftig soll die Effizienz des UKM durch Gliederung in neue Zentren weiter verbessert werden (Völker 2007). Diese ehrgeizigen Ziele des UKM-Umbaus werden 2010 durch einen baulichen Masterplan konkretisiert. Bisherige Kostenschätzungen liegen bei bis zu 390 Mio. €. Dem übergeordneten Ziel des Umbauprogramms, nämlich der Zentralisierung und zugleich besseren Vernetzung von Forschung, Lehre und Krankenversorgung, wurde im Frühjahr 2010 – quasi als vorgezogener Beginn des 10-Jahres-Masterplans – mit der Vorbereitung des Ausbaus eines hochmodernen sog. PAN-Zentrums (Zusammenschluss von Pathologie, Anatomie und Neuropathologie) am Vesaliusweg Rechnung ge­tragen. Das UKM mit seiner – auch überregional wirksamen – Spitzenversorgung im Gesundheitswesen profitiert nicht nur von der großen Medizinischen Fakultät der Universität, sondern u. a. auch von den Synergie­effekten mit benachbarten hochmodernen Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen, wie z. B. dem 2007 in der Nähe der Hautkinik neu eröffneten Max-Planck-Institut für molekulare Biomedizin.

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Weiterführende Literatur/Quellen

Erstveröffentlichung 2010