FALKE – von Stricksocken zu Lifestyle Kleidung

Es hatte sich der Dachdecker und Tagelöhner Franz Falke-Rohen vor mehr als 120 Jahren vermutlich nicht vorstellen können, dass sein von ihm 1895 in Schmallenberg gegründetes Unternehmen einmal Weltruf erlangen würde. 81 sog. Shop-in-Shop-Systeme in Deutschlands Großstädten und 20 "FALKE-Shop-Systeme" in den europäischen Modezentren präsentieren nicht nur Herrensocken, sondern eine breite Palette von "Premium-Produkten" des Schmallenberger Bekleidungsherstellers.
 

Stricksaal aus dem Jahre 1924 Abb. 1: Stricksaal aus dem Jahre 1924 (Quelle: FALKE KGaA)

Die Anfänge

Falke-Rohen hatte Erfahrungen in einer der im Ort zahlreich ansässigen Strickereien sammeln können, ehe er sich selbstständig machte. Ab 1906 produzierte er erstmals unter eigenem Namen und baute gemeinsam mit seinem Sohn Franz Falke Jr. schrittweise einen der größten Betriebe im Hochsauerland auf. Dieses Unternehmen, das bis heute seinen Namen trägt, ist der größte Industriebetrieb in der Stadt Schmallenberg. Der Familienbetrieb wird mittlerweile in der vierten Generation immer noch von Schmallenberg aus geleitet – seit 1990 von Paul Falke und seinem Cousin Franz-Peter Falke.

Nachdem kurz nach Ende des Ersten Weltkrieges FALKE mit dem Aufkauf der Woll- und Haargarnspinnerei Meisenburg in Schmallenberg einen weiteren Schritt zur Entwicklung der heutigen Unternehmensgruppe machte, wurde 1920 ebenfalls in Schmallenberg eine moderne Fabrik mit neuen Strumpfstrickmaschinen errichtet (Abb. 1). Diese Betriebsstätte ist bis heute Firmensitz. Mehrere Auftragsfertigungsstätten, sogar in Thüringen, wurden damals zusätzlich in die Produktion einbezogen. Im Jahre 1928 hatten 800 Menschen bei FALKE ihren Arbeitsplatz.

Werbung aus den 1960er Jahren Abb. 2: Werbung aus den 1960er Jahren (Quelle: FALKE KGaA)

Eine Marke etabliert sich

Im Jahre 1939 wurde die alt eingesessene Strickwarenfabrik des jüdischen Unternehmers Salomon Stern erworben. Dieses Unternehmen firmiert heute unter FALKE Fashion. Unmittelbar nach Ende des Zweiten Weltkrieges wurde das Markenzeichen FALKE als Wort-Bild-Logo entworfen, erstmals im Strumpfbereich eingesetzt und 1950 als geschützt registriert.

Die Erschließung von Exportmärkten und eine konsequent betriebene Marken- und Übernahmepolitik in den folgenden Jahrzehnten bedeuteten eine weitere Stärkung des Unternehmens. 1958 erschloss sich FALKE durch die Übernahme der Strumpfwerke Uhli in Lippstadt auch den Feinstrumpfmarkt. Bei Uhli wurden die ersten Nylonstrümpfe gewirkt und die ersten Strumpfhosen auf einer Cotton-Maschine hergestellt. Ab dem nächsten Jahrzehnt wandte sich das Unternehmen für etwa 20 Jahre der Damenstrickmode zu, stellte deren Produktion jedoch im Jahr 1985 zugunsten einer stärkeren Konzentration auf Herrenmode wieder ein. Zugleich richtete man ab dem Jahre 1974 durch die Gründung ausländischer Tochtergesellschaften, z. B. in Österreich und Portugal, international orientierte Produktionsstandorte ein und stieg damit im Vergleich zu anderen Unternehmen früh in den globalen Markt ein. Errichtet wurde in diesem Zeitraum ebenfalls eine Produktionsstätte in Südafrika.

Zudem setzte FALKE früh auf Werbekampagnen, um das hausbackene Image von grauen Herrensocken zu überwinden, inszeniert von Starfotographen der Modenbranche und von Trend- oder Frauenzeitschriften.

FALKE baute daneben zahlreiche Lizenzpartnerschaften auf. Diese Linie wird bis heute erweitert. In Folge dieser neuen Impulse wurde 1992 in Köln der erste sog. Flagship-Store mit einem breiten Angebot an Oberbekleidung eröffnet. 1997, also erst relativ spät nach der Wiedervereinigung, übernahm FALKE die in der DDR als Aushängeschild in den Jahren 1961–1964 aufgebauten Leinefelder Textilwerke (LTW), früher VEB Baumwollspinnerei und Zwirnerei Leinefeld, damals der größte Betrieb im Eichsfeld. Damit sicherte sich FALKE über ein Jahrzehnt lang eine eigene Versorgung mit hochwertigen Spezialgarnen. Im Jahr 2010 wurden die LTW wieder verkauft. Allerdings existiert in Dorfchemnitz (Kreis Mittelsachsen) eine zweite Produktionsstätte in Deutschland.

Werbung aus den 1970er Jahren Abb. 3: Werbung aus den 1970er Jahren (Quelle: FALKE KGaA)

Neuordnung der Produktionsstätten

Im Frühjahr 2012 eröffnete das Schmallenberger Unternehmen eine der modernsten Strickfabriken der Welt in der südserbischen Stadt Leskovac. Schon bis 1992 hatte FALKE hier Strickstrümpfe produziert. In die neue Fabrik, in der mittelfristig bis zu 800 Menschen beschäftigt werden sollen, wurden über 10 Mio.Euro investiert. Hier werden zukünftig Strick- und Feinstrümpfe ausschließlich für den weiter ansteigenden Export gefertigt. Pro Jahr sollen bis zu 15 Mio. Paar Strümpfe und Feinstrumpfhosen hergestellt werden. Nicht nur die serbische Textilindustrie erhofft sich dadurch Entwicklungsimpulse und positive Auswirkungen, sondern die gesamte Wirtschaft in Südserbien.

Mit der Eröffnung dieser neuen Produktionsstätte in Südost-Europa schloss FALKE vorerst eine umfassende Neuordnung seiner Produktionsstätten ab. Neben Südserbien bestehen nunmehr Standorte in Südafrika, Portugal und der Slowakei, in Dorfchemnitz im Inland sowie weiterhin als Stammsitz in Schmallenberg mit etwa 800 Beschäftigten.

2013 beschäftigt die FALKE-Gruppe insgesamt 3.100 Mitarbeiter/innen. Der Umsatz lag 2011 bei über 240 Mio. Euro. Davon wurden etwa 42% durch den Export in über 30 Länder erzielt.

In der kränkelnden deutschen Strumpfindustrie, die einstmals 130 Betriebe zählte und von der keine zwei Dutzend übrig geblieben sind, hat FALKE damit die Spitzenposition inne. Diese wurde auch dadurch gefestigt, dass man 2008 die Rechte an der Marke "Burlington" vom US-Konzern ITG/Burlington Industries erwarb. Daneben gibt es auch Lizenzprodukte für "Joop" und "Esprit".

Beispiel ESS-Kleidung Abb. 4: Beispiel ESS-Kleidung (Quelle: FALKE KGaA)

Funktionelle Sportkleidung

Ab 2005 avancierte FALKE schließlich zum Komplettanbieter funktioneller Sportkleidung. Hier kooperierte man mit der Deutschen Sporthochschule in Köln und nutzte deren Erkenntnisse im Hinblick auf funktional optimale Sportbekleidung (hoher Tragekomfort, Wärmeisolation, Atmungsaktivität). Als Ergebnis kam dabei die ganzheitliche Produktlinie ESS (Ergonomic Sport System) heraus (Abb. 4), die auch mit ihrem Design erfolgreich war: Bei der Verleihung des Designpreises der Bundesrepublik Deutschland im Jahr 2007 erhielt FALKE als einziges Textilunternehmen den begehrten Preis für einen innovativen Sportpullover.

ESS-Stores wurden bis heute in Berlin, Frankfurt und Ascona (Schweiz) eröffnet.

Werbung für Kinderstrümpfe (2013) Abb. 5: Werbung für Kinderstrümpfe (2013) (Quelle: FALKE KGaA)

Fazit

FALKE setzt seit über 100 Jahren konsequent auf Spitzenqualität. Mit dieser "Premiumstrategie" kann das Unternehmen bis zu fünfmal so hohe Preise verlangen wie die Konkurrenz aus Ost- und Südasien. Die Marke wird geschickt durch entsprechende Imagekampagnen für neue Konsumgruppen geöffnet, etwa aktuell Yoga-Ausrüstung, Herrenmode oder Kinderkleidung (Abb. 5). Ebenso scheut sich das Unternehmen nicht, international renommierte Designer in das Hochsauerland zu holen – zuletzt als "Head of Design" und Geschäftsführer den Briten James Buckley.

FALKE hat zwar in den letzten Jahrzehnten weltweit neue hochmoderne Produktionsstandorte aufgebaut, setzt aber weiterhin auf die gewachsene Kompetenz seiner Mitarbeiter am Stammsitz in Schmallenberg. Das zeigt sich nicht nur an der vielfältigen Zusammenarbeit mit hiesigen Fachschulen, sondern generell mit Hochschulen, die eine "textile Fakultät" besitzen, etwa der FH Niederrhein und der Hochschule Reutlingen.

Trotz der auch im Hochsauerland vorhandenen Abwanderung der jüngeren Jahrgänge und damit dem Rückgang von Bewerbern stellt sich FALKE der Aufgabe, weiterhin Ausbildungsbetrieb für etwa ein Dutzend Berufsbilder im gewerblichen und kaufmännischen Bereich zu sein.

Die zukünftige Entwicklung eines der nach 1945 erfolgreichsten Textilunternehmen in Deutschland wird zeigen, ob der Spagat zwischen einer regionalen Verankerung im Sauerland einerseits und einer Weltoffenheit im globalen Maßstab andererseits gelingen wird.

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Weiterführende Literatur/Quellen

Erstveröffentlichung 2013