Die BASF Coatings GmbH in Münster-Hiltrup – innovatives Stammwerk eines Global Player

BASF Coatings GmbH in der BASF Gruppe

Die 2010 in BASF Coatings GmbH umbenannte ehemalige BASF Coatings AG zählt heute zum Segment "Functional Solutions" des Global Players BASF mit Hauptsitz in Ludwigshafen (vgl. BASF SE 2010). Im Bereich Coatings (= internationale Bezeichnung für La­cke) ist das Unternehmen "einer der weltweit größten Anbieter von innovativen und umweltfreundlichen Lackierlösungen für Automobile und indus­trielle Anwendungen" (ebd. S. 66). Das Stammwerk der BASF Coatings GmbH hat seinen Standort im südlichen Stadtgebiet Münsters, im erst 1975 eingemeindeten Stadtteil Hiltrup (Abb. 1); in Deutschland befinden sich zwei weitere Produktionsstandorte, und zwar in Schwarzheide (bei Dresden) und Würzburg. Hinzu kommen zahlreiche Werke weltweit, die durch Eigenausbau, Erwerb, Fusionen oder Unternehmensbeteiligungen in die BASF Coatings GmbH übergangen sind oder mit dieser kooperieren. Der Coatings-Umsatz betrug 2009 nach Sitz der Kunden in Europa 45%, in Nordamerika 14%, in Asien/Pazifischer Raum 17% sowie in Südamerika, Afrika und Naher Osten zusammengenommen 24% (ebd., S. 70).

Abb. 1: Das Werk der BASF Coatings GmbH in Münster-Hiltrup ist mit seinen rd. 2.100 Beschäftigten (2010) und einer Gesamtnutzfläche von rd. 400.000 m2 nicht nur größter industrieller Arbeitgeber der Stadt Münster, sondern zugleich auch einer der größten Lackstandorte der Welt (Foto: BASF Coatings GmbH)
Markenzeichen für Glasurit-Farben der BASF Coatings GmbH ist der Papagei Abb. 2: Markenzeichen für Glasurit-Farben der BASF Coatings GmbH ist der Papagei (Foto: BASF Coatings GmbH)

Bedeutung und frühe Geschichte des Werkes in Münster-Hiltrup

Wie so häufig bei deutschen Indus­trieunternehmen reicht die Werksgründung zeitlich weit zurück, und zwar im Falle der Lackfabrik in MS-Hiltrup unter einem vormals anderen Eigentümer. Ausschlaggebend für die Standortwahl in Hiltrup war die Entscheidung des Unternehmers Max Winkelmann (1862–1935) aus Hamburg, der dort eine florierende Lackfabrik betrieb. Auf der Suche des Unternehmers nach einem zweiten Standort in der Nähe des Ruhrgebietes entschied sich dieser "für den kleinen Ort Hiltrup im Kreis Müns­ter, der zu dieser Zeit über einen Bahnanschluss wie auch über die Anbindung an den Dortmund-Ems-Kanal verfügte. Begünstigt wurde die Entscheidung (...) durch das niedrige Lohnniveau im ländlich strukturierten Münsterland. Das Werk in Hamburg wurde daneben beibehalten" (Haunfelder 2002). Winkelmann, der bereits 1904 mit der Lackproduktion in Hiltrup begann, nannte sein Unternehmen "Glasurit-Werke". Diese Bezeichnung, die schon 1898 benutzt wurde, sollte "den glasurartigen, harten Überzug der Lacke hervorheben". (...) "Das Markenzeichen der Firma, der buntgefiederte Papagei, wurde aber erst seit 1924 (...) verwandt. Dessen leuchtende Farbkombination sollte die überreiche Vielfalt der Glasurit-La­cke symbolisieren" (ebd.). Bereits im Jahre 1930 war das exportstarke Unternehmen größter Lackhersteller des Kontinents. Im Jahre 1965 wurden die Glasurit-Werke von der damaligen Badischen Anilin- und Sodafabrik, der späteren BASF Aktiengesellschaft, erworben.

Die Übernahme der Glasurit-Werke markierte "den Startpunkt des Aufbaus einer Lackgruppe" in der BASF AG (BASF Coatings 2000), da sich die Glasurit-Werke durch ein vielseitiges Fabrikationsprogramm mit einer Reihe bedeutender Produktinnovationen (wie vor allem die bereits 1963 erstmals in Europa eingeführten wasserbasierten Lacke und die 1964 bis zur Serienreife entwickelten Elektrophoreselacke mit der Markenbezeichnung "Glassophor") auszeichnete, während die Badische Anilin- und Sodafabrik AG einer der bedeu­tends­ten Hersteller von Ausgangsprodukten der Lackindustrie war (ebd.). Mit der Übernahme der Glasurit-Werke im Jahre 1965 war – zugleich im Jubiläumsjahr der BASF zum hundertjährigen Bestehen – ein "erste[r] Schritt hin zu einem verbrauchernahen Markt" getan; dies bedeutete eine "Vorwärtsintegration hin zu hochveredelten Produkten" (BASF 2006).

Museum für Lackkunst in Münster Abb. 3: Museum für Lackkunst in Münster (Foto: Presseamt der Stadt Münster)

Auf dem Weg zum Global Player

Der Zeitraum um das Jubiläumsjahr 1965 markierte für die BASF auch insofern einen Wendepunkt in der Geschichte des gesamten Unternehmens, als sich dieses nunmehr durch Erwerb und Ausbau neuer Produktionsstandorte international ausweitete. Dies galt auch für die neue BASF-Lackgruppe – zunächst unter der Bezeichnung BASF AG Glasurit-Werke M. Winkelmann GmbH –, deren Entwicklung bis in die jüngste Zeit durch eine große Zahl weltweiter Unternehmensübernahmen und -beteiligungen mitbestimmt war (vgl. im Einzelnen BASF Coatings 2000). Hinzu kamen für die Einzelstandorte – wie es das Beispiel des Werkes in Münster-Hiltrup zeigt (Kasten 1) – zahlreiche be­deutende Produkt- und Prozessinnovationen, die zu dem Erfolg als Global Player beitragen haben.

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Weiterführende Literatur/Quellen

Erstveröffentlichung 2010