PHOENIX West – Strukturwandel in Dortmund-Hörde

1852 errichtete die Hörder Bergwerks- und Hüttenverein Aktiengesellschaft im Westen der Stadt Hörde ein Hochofenwerk, das über eine Eisenbahnlinie mit der Hermannshütte, östlich von Hörde gelegen, verbunden wurde. Damit war Hörde von Industrieanlagen geradezu eingekesselt. Was nach der Stilllegung der Industriekomplexe zurück blieb, war ein baulich und sozial degradierter Stadtteil inmitten eines riesigen, altindustriellen Areals. Im Oktober 1998 wurde der erste Hochofen des Hörder Hochofenwerkes außer Betrieb genommen und leitete damit das Ende der über 150-jährigen Stahlära in Hörde ein. Schnell hat die Stadt Dortmund in Zusammenarbeit mit der Landesentwicklungsgesellschaft LEG, der heutigen Landesgesellschaft NRW.Urban, und gefördert durch den Strukturfonds der Europäischen Union, den "Zu­kunftsstandort PHOENIX West" offensiv entwickelt.
Lageplan PHOENIX West Abb. 1: Lageplan PHOENIX West (Quelle: Stadt Dortmund/stegepartner 2006)

Auf dem Gelände des ehemaligen Hochofenwerkes ist nach Ankauf durch den Grundstücksfonds Ruhr/NRW ein Technologiepark für Unternehmen der Mikro- und Nanotechnologie sowie der Produktions- und Fertigungstechnologie bereits in Ansätzen verwirklicht (Abb. 1, s. Beitrag Herrmann). Nach Abbruch großer Teile der Gebäude, Hallen und diverser Infrastruktureinrichtungen des ehemaligen Hochofenwerkes stehen im Bereich PHOENIX West jetzt insgesamt 115 ha Fläche zur Neunutzung zur Verfügung. Davon sind 38 ha für die Ansiedlung von Unternehmen der Mikro- und Nanotechnologie sowie Bauflächen für Forschungs- und Verwaltungszwecke als Vermarktungspotenzial vorgesehen. Über Synergieeffekte und in Zusammenarbeit mit Hochschulen, Unternehmen und Forschungsinstituten soll ein kreatives Milieu entstehen, in dem sich ein Clus­ter ausbilden kann. So konnte in einem ersten Bauabschnitt im Frühjahr 2005 an der Er­schließungsachse Konrad-Adenauer-Allee ein Kompetenzzentrum, die MST.factory.dortmund, eingeweiht werden, das Existenzgründern und etablierten Un­ternehmen technische Infrastruktur, Reinräume und um­fassende Serviceangebote im Bereich von Mikro- und Na­notechnologie be­reitstellt. Bereits En­de 2006 konnte der zweite Bauabschnitt seiner Bestimmung übergeben werden, so dass jetzt 2.500 m2 Büro-, 2.000 m2 La­bor- und 1.400 m2 Reinraumflächen für Gründungsvorhaben der Mikro- und Na­notechnologie zur Ver­fügung stehen (Abb. 2). Weitere Un­ternehmen folgten: so das Zentrum für Produktionstechnologie. Es richtet sich an Unternehmen aus den Bereichen Werkstofftechnologie und Oberflächentechnik, Roboter- und Automatisierungstechnik, Sensorik, Signalverarbeitung und Messtechnik und bietet produktionsorientierte Dienstleistungen an. Auf bisher verschiedene Standorte im Technologiepark an der Universität Dortmund verteilt, konnte sich eine international agierende Firma für Elektronenstrahl-Lithographiesysteme mit der Verlagerung nach PHOENIX West nun ein ideales Forschungs- und Produktionsumfeld schaffen.

Eingebunden in den Technologiestandort sind die verbliebenen historischen und unter Denkmalschutz stehenden Gebäude bzw. Werkseinrichtungen der Eisen- und Stahlproduktion. Hierzu zählen u. a. die beiden Hochöfen (Abb. 3), der Gasometer sowie die ehemalige Gasgebläsehalle und die PHOENIX Halle. 1905 als massives Backsteingebäude errichtet, wurde die Halle 2003 saniert und dient seitdem mit ihren Flächen Veranstaltungs- und Ausstellungszwecken.

Abbn. 2–4: Neu angesiedelte Unternehmen (2), denkmalgeschützte Hochofenanlage (3), Brückenreste im PHOENIX Park (4) (Fotos 2/3: F. Schulte-Derne 2010; Quelle (4): PHOENIX Dortmund 2010)

61 ha Fläche wurde darüber hinaus für Grünflächen innerhalb der Bebauung sowie für den sich nördlich anschließenden PHOENIX Park vor­ge­sehen. Dieser, im Herbst 2009 eröffnet, ist Bestandteil des Emscher Landschaftsparks (s. Beitrag Wehling) und stellt ein Bindeglied zwischen Westfalenpark im Norden und dem Botanischen Garten Rombergpark im Süden dar. Es handelt sich um eine neue Generation von Landschaftspark, da Modellierung, Gestaltung und Bepflanzung die industrielle Vergangenheit in Szene setzen sollen. So schaut man z. B. über weite, begrünte Schotter- und Geröllflächen mit Ruderalvegetation und wechselfeuchten Arealen. Die Entwässerung verläuft über ein Trennsystem mit dezentralen Rückhalteanlagen an speziell geplanten Wasserachsen. Geschützte Tierarten haben sich bereits angesiedelt, so Wanderfalken und Kreuzkröten. Das Zentrum des Parks bildet ein Landschaftskeil, der von Nord nach Süd spitz zuläuft und die Verbindung zu den bestehenden Parkflächen herstellen soll. Hier sind verschiedene Wege und Aufenthaltsflächen installiert. Industriegeschichtliche Elemente sind integraler Bestandteil des Landschaftsparks. Dazu gehören z. B. die Halde Hympendahl und die zugehörigen Brü­ckenköpfe der alten Schlackenbahn (Abb. 4).

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Weiterführende Literatur/Quellen

Erstveröffentlichung 2010