Mineralquellen des Paderborner Landes – Spiegel der geologisch-hydrologischen Vielfalt und Basis für unterschiedliche Entwicklungen und Nutzungen

von Gerhard Müller

 

Im Paderborner Land gibt es eindrucksvolle Beispiele für Mineralquellen. Das Gebiet entspricht in diesem Beitrag etwa dem früheren Hochstift Paderborn und umfasst damit das Areal der heutigen Kreise Paderborn und Höxter. Einige der in diesem Raum vorkommenden Mineralwässer haben zur Entstehung von Badeorten geführt (Driburg, Lippspringe, Hermannsborn) oder die Quellen waren bzw. sind Grundlagen für wirtschaftliche Aktivitäten (ehemalige Salzgewinnung in Salzkotten, Kohlendioxidproduktion in Herste, Mineralwasser-Abfüllbetriebe in Bad Driburg, Vinsebeck und Germete). Darüber hinaus gibt es Mineralbrunnen, die nur eine kurze Blütezeit als Bad erlebten, z. B. die Kuranstalt Inselbad in Paderborn oder der Godelheimer Benedictusbrunnen. In einigen Dörfern entstanden kleine Kurmittelhäuser im Umfeld der Mineralquellen (Germete, Bruchhausen). Einzelne der ehemals hochgeschätzten Mineralwässer führen heute nur ein bescheidenes Dasein (z. B. der Metbrunnen Schmechten). Einige historisch bedeutsame Quellen sind nicht mehr auffindbar, da sie verschüttet oder überbaut wurden (z. B. der alte Padulusbrunnen in Schloss Neuhaus und die Marienquelle im ehemaligen Inselbad Paderborn).

Hydrogeologisch ist das Gebiet des Paderborner Landes besonders interessant. Entsprechend dem geologischen Bau gibt es eine große Vielfalt an hydrologischen Gegebenheiten, z. B. Flussversickerungen im Karst der Paderborner Hochfläche, wasserreiche Quellen am Rande des Karstes in Paderborn, Borchen und Upsprunge (s. Beitrag Feige). Quellhorizonte existieren z. B. an der Schichtgrenze Röt/Muschelkalk im Driburger und Brakeler Talkessel, und schließlichgibt es viele Mineralquellen mit unterschiedlicher Charakteristik (u. a. Solequellen, Säuerlinge).
Ausgewählte Mineralquellen im Paderborner Land Abb. 1: Ausgewählte Mineralquellen (von insgesamt ca. 45 Mineralquellen) im Paderborner Land (Entwurf: G. Müller, Quellen: Michel u. a.; Geolog. Landesamt NRW, verändert u. ergänzt)
Das Paderborner Land ist Teil einer größeren Region mit besonders vielen Badeorten. In der Literatur wird dieser ostwestfälische Raum daher auch oft als "Heilgarten Deutschlands" bezeichnet (s. Beitrag Gerbaulet). Drei Bäder mit ihrer Basis von anerkannten Heilquellen sowie zahlreiche weitere Mineralwasservorkommen liegen im Paderborner Land. Bei diesen Mineralquellen handelt es sich westlich des Eggegebirges in der Westfälischen Bucht überwiegend um Natrium-Chlorid-Wässer, die bei entsprechender Konzentration als Sole bezeichnet werden. Östlich der Egge treten vor allem kohlensäurehaltige Wässer (Säuerlinge) auf, vereinzelt auch Mofetten (Austritte von trockener Kohlensäure). Hydrogencarbonat ist ebenfalls weit verbreitet. Untergeordnet enthalten die Quellen auch häufig Sulfat. Die Mineralisation ist ein Spiegelbild der Untergrundgesteine, die das Grundwasser durchströmt. Das Wasser bewegt sich in Poren und offenen Hohlräumen der Locker- und Festgesteine in unterschiedlicher Menge und Qualität. Störungen im Gesteinsverband werden von den Mineralwässern häufig als Aufstiegsbahnen genutzt (z. B. im Raum Bad Driburg, Herste, Bruchhausen). Die im tieferen Untergrund liegenden Zechsteinschichten enthalten in ihren Klüften oft hoch mineralisierte Natrium-Chlorid-Wässer, das in Tiefbohrungen nördlich Herste und bei Höxter angetroffen wurde. Sole gibt es auch in den wasserführenden Gesteinen am Hellweg und in der Westfälischen Bucht unter dem Emscher Mergel.

Die Mineralwasseraustritte sind meist an den Verlauf linearer geologischer, tektonischer Strukturen, vor allem an sogenannte Hebungsachsen, gebunden. Diese Achsen verlaufen mehr oder weniger parallel zum Eggegebirge in dessen östlichem Vorland. So liegen auf der sog. Osningachse die Mineralquellen von Vinsebeck, Bad Hermannsborn und Herste. Die Mineralwässer von Bad Driburg sind an die Driburger Achse gebunden und die Quellen von Germete liegen auf der Germeter Achse. Die weiter östlich gelegenen Mineralquellen von Nieheim, Brakel und Bruchhausen treten an lokalen Störungen des leicht aufgewölbten Schichtenkomplexes auf. Häufig sind kohlensäurehaltige Wässer vom Calcium-Magnesium-Hydrogencarbonat-Sulfat-Typ. In Herste und Bad Driburg konnten auch Mofetten erschlossen werden. Die Poren des Mittleren und Unteren Buntsandsteins sowie die Klüfte in den Kalken und Dolomiten des Zechsteins dienen als Speicher für das Kohlendioxidgas, während die Tonsteine des Röt, die in den Talbereichen häufig anstehen, meist den gas- und wasserdichten "Deckel" über den Speichergesteinen bilden.

Der westliche Teil des Paderborner Landes (westlich des Eggegebirges) gehört zur Mineralwasserprovinz "Münsterland". Hier liegt in der "Westfälischen Bucht" eine große geologische Mulde, das sog. Münsterländer Kreidebecken. Die Schichten dieser großen Mulde steigen nach Norden und Nordosten (am Teutoburger Wald) steil an, im Süden und Südosten ist der Muldenrand nur schwach ansteigend. Im Hellwegraum sind an der sog. "Westfälischen Quellenlinie" Salz- und Süßwasserquellen benachbart (s. Beitrag Temlitz). Die Salzquellen stammen aus dem Sole-Grundwasserstockwerk unterhalb der Emscher-Mergel-Deckschicht, während die Süßwasserquellen überwiegend von Niederschlägen auf dem Haarstrang und der Paderborner Hochfläche (offener Karst) gespeist werden. Natrium-Chlorid-Quellen und Soleaustritte treten in Salzkotten und Paderborn (Inselbad und Padulus II) auf. Über die Herkunft der Sole gibt es unterschiedliche Auffassungen. Einerseits wird die These vertreten, dass Steinsalzlager (Zechstein) im Norden der Westfälischen Kreidemulde angelaugt werden und die Salzwässer dann auf großen Störungslinien an den Südrand des Beckens bis zum Hellweg gelangen. Der Geologe Michel vertritt demgegenüber die These, dass die Sole als Produkt der lokalen erdgeschichtlichen Entwicklung anzusehen ist.

In Bad Lippspringe treten überwiegend Calcium-Sulfat-Hydrogencarbonat-Wässer aus, die teilweise im Eggegebirge (Unterkreide) oder im tiefer liegenden Buntsandstein zirkulieren. Östlich von Bad Lippspringe gibt es unter den Kreide- und Triasschichten eine bedeutende Verwerfung, den sog. Westfälischen Hauptabbruch. Hier sind die Schichten des Paläozoikums staffelförmig abgesunken.

Die folgende Übersicht zeigt die aktuelle Situation und Nutzung der Quellen:

Mineralquellen als Basis für Heilbäder und Kureinrichtungen

Bad Driburg: Heilbad mit diversen Kureinrichtungen (Sanatorien, Kurpark etc.)
Bad Hermannsborn: Heilbad mit Kureinrichtungen (Sanatorium, Kurpark)
Bad Lippspringe: Heilbad mit diversen Kureinrichtungen (Sanatorien, zwei Kurparke etc.)
Germete: Kleines Kurmittelhaus, kleiner Park
Bruchhausen: Kleines Kurmittelhaus

Mineralquellen als Basis für Wirtschaftsbetriebe

Germete: Mineralquellen-Abfüllbetrieb
Bad Driburg: Mineralquellen-Abfüllbetrieb
Vinsebeck: Mineralquellen-Abfüllbetrieb
Herste: Kohlensäure-Abfüllbetrieb (Linde)

Kütfelsen und Pumpenhaus der Unitasquelle in Salzkotten Abb. 2: Kütfelsen (Quellsinter) und Pumpenhaus der Unitasquelle in Salzkotten (Foto: G. Müller)

Mineralquellen mit historischer Bedeutung, heute kaum noch genutzt oder nicht mehr zugänglich

Schloss Neuhaus: Alte Padulusquelle - verschüttet, nicht mehr auffindbar; Neue Padulusquelle (Manegold) - seit 2002 verschlossen
Paderborn-Inselbad: Marienquelle - verschüttet; Ottilienquelle - frei zugänglich
Salzkotten: Unitasquelle - Ausfluss wird an historischer Stelle (Kütfelsen) geregelt (Abb. 2); Sültsoidquellen - im Naturschutzgebiet nur mit Erlaubnis zugänglich; Neuer Sprudel am Gradierwerk - frei zugänglich
Schmechten: Historischer Metbrunnen - frei zugänglich (Pumpe)
Brakel: Kaiserbrunnen - zugänglich während der Öffnungszeiten der Trinkhalle
Bad Lippspringe: Liboriusquelle - im historischen Brunnenhaus frei zugänglich; Arminiusquelle -  Brunnentempel frei zugänglich
Godelheim: Benedictusbrunnen - Lage auf Privatgelände, nicht zugänglich

Sonstige Mineralquellen

Nieheim: Nikolausbrunnen - kleine Mineralwasser-Zapfanlage im "Haus des Gastes"
Willebadessen: Eggequelle - frei auslaufend und stets zugänglich

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Weiterführende Literatur/Quellen

Erstveröffentlichung 2007