Mittelalterliche Klöster Westfalens – ihre Geschichte im Wandel der Zeit

von Stefanie Schnietz

 

Etwa 1.000 Jahre Geschichte liegen zwischen den ersten Klostergründungen in Westfalen und den Aufhebungswellen, denen während der Säkularisation zu Beginn des 19. Jh.s unzählige Ordensgemeinschaften zum Opfer fielen (s. Beitrag Kubatzki). Viele Klöster sind in dieser Zeit gegründet und auch wieder verlassen worden. Von den um 1800 existierenden 186 westfälischen Gemeinschaften blieben schließlich nur zehn von den Aufhebungswellen verschont.
Ehemaliges Kloster Corvey Abb. 1: Ehemaliges Kloster Corvey (Foto: S. Althaus)

Einige ausgewählte Beispiele sollen durch die Geschichte des Ordenslebens führen und einen Einblick in die Vielfalt der mittelalterlichen Klosterlandschaft Westfalens geben. Noch heute sind die ehemaligen Klosteranlagen oft eine Reise wert.

Das westfälische Ordensleben begann am Ende des 8. Jh.s. Eingebettet in die karolingische Politik, sollten die Mönche der neu gegründeten Klöster das eroberte Sachsen missionieren und zum Christentum führen. Es waren die Benediktiner, die bis ins Hochmittelalter das monastische Leben prägten. Nach der Regel des hl. Benedikt von Nursia (480/90-555/60) leben die Benediktiner zusammen in einer Gemeinschaft; sie schulden ihrem Abt absoluten Gehorsam und streben danach, Gebet und Arbeit miteinander zu verbinden (späteres Motto: "ora et labora").

Im Jahr 815 gründeten die Benediktiner von Corbie in Frankreich aus eine Mönchszelle in Westfalen, die sieben Jahre später schließlich an die Weser verlegt wurde. Kloster Corvey (Kr. Höxter, Abb. 1) ist somit eines der ältesten Klöster in Westfalen, das sich zu einem geistigen und kulturellen Zentrum im neu eroberten Sachsen entwickelte. Corvey ist zudem auch eines der größten und bedeutendsten Klöster Westfalens; im Spätmittelalter jedoch sank seine politische Bedeutung schnell ab.

Ehemaliges Prämonstratenserkloster Cappenberg Abb. 2: Ehemaliges Prämonstratenserkloster Cappenberg, Südseite (Foto: H. Pohlmann)

Neben den Benediktinerklöstern wurden im Frühmittelalter auch zahlreiche Kanonissenklöster gegründet. Die Gemeinschaften von weiblichen Adeligen orientierten sich zwar an der benediktinischen Lebensweise, jedoch mussten sie die klösterlichen Regeln nicht streng einhalten.

Eine der vornehmsten Frauengemeinschaften lebte im Damenstift Herford. Als erstes Frauenkloster in Sachsen ist es im Jahr 789 vom sächsischen Edlen Waltger eingerichtet worden. Im 11. Jh. schließlich wurde es in ein freiweltliches adeliges Damenstift umgewandelt. Nachdem die Stadt Herford im 16. Jh. evangelisch wurde, nahm auch das Reichsstift einige Jahre später das evangelische Bekenntnis an, jedoch nicht ohne Protest.

Vielfältiger wurde das Ordensleben im Hochmittelalter. Im 11. und 12. Jh. entstanden eine Reihe neuer Orden, und auch in Westfalen fanden die Ideen des Reformmönchtums Eingang.

Ehemaliges Prämonstratenserkloster Cappenberg Abb. 3: Ehemaliges Prämonstratenserkloster Cappenberg (Foto: H. Pohlmann)

So ist die Propstei Cappenberg (Kr. Unna, Abbn. 2 u. 3) als älteste Niederlassung der Prämonstratenser in Deutschland durch den Ordensgründer Norbert von Xanten (1080/85-1134) selbst gegründet und auch anfangs geleitet worden. Die Prämonstratenser leben nach dem Vorbild der Augustinusregel, die den Mönchen das gemeinsame Gebet, Stillschweigen, Handarbeit und häufiges Fasten gebietet. Im Jahr 1121 übereignete Gottfried II. von Cappenberg, der einer der reichsten und mächtigsten Adelsfamilien Westfalens angehörte, dem hl. Norbert von Xanten seinen gesamten Besitz und trat zusammen mit seinem Bruder in das neu gegründete Kloster ein. Wie es zu Beginn der Ordensgeschichte üblich war, bestand in Cappenberg zunächst ein Doppelkloster, der Frauenkonvent wurde jedoch am Ende des 12. Jh.s verlegt. Der westfälische Adel nutzte seit dem Spätmittelalter schließlich das Stift als exklusive Versorgungseinrichtung für seine Söhne, die dort ein vornehmes Leben nach adeligem Vorbild führen konnten.

Die Zisterzienser gaben dem hochmittelalterlichen Ordensleben in Westfalen neue Impulse. Der Orden der Zisterzienser wurde in Frankreich gegründet, seine Mitglieder führen ein Leben streng nach den Regeln des hl. Benedikt und kümmerten sich im Mittelalter intensiv um die Landwirtschaft und die Kultivierung neuer Nutzflächen.

1150 gründete der Paderborner Bischof Bernhard I. die Zisterzienserabtei Hardehausen (Kr. Höxter, Abb. 4). Die Zisterziensermönche sollten die Landwirtschaft in der abgelegenen Gegend verbessern und die Ideale der zisterzienserischen Lebensweise verbreiten. So entwickelte sich das Kloster im Verlauf des Mittelalters zur größten geistlichen Grundherrschaft im Fürstbistum Paderborn; in der zweiten Hälfte des 13. Jh.s erlebte es seine größte Blüteperiode.

Ehemaliges Zisterzienserkloster Hardehausen Abb. 4: Ehemaliges Zisterzienserkloster Hardehausen (Foto: Katholische Landvolkshochschule Hardehausen)

Mit den Templern, Johannitern und dem Deutschen Orden ließen sich auch die Ritterorden in Westfalen nieder. Warum in Westfalen? Niederlassungen von Ritterorden wurden nicht nur in Gebieten gegründet, in denen die Kreuzfahrer mit Ungläubigen kämpften. In ganz Europa entstanden Häuser der verschiedenen Ritterorden; sie dienten der Unterstützung, Organisation und Finanzierung der Ordensaufgaben. Anfang des 13. Jh.s entstand die erste westfälische Niederlassung der Johanniter in Burgsteinfurt (1222 erstmals genannt). Auch der Deutsche Orden gründete seit dem 13. Jh. westfälische Niederlassungen in Wellinghofen (Dortmund, später nach Münster verlegt), Welheim (Bottrop), Mülheim (Warstein), Brackel (Dortmund) und Osnabrück (Ordensprovinz Westfalen), welche die Versorgung der kämpfenden Mitbrüder in den Kreuzfahrerstaaten sichern sollten.

Ein sozialer und ökonomischer Wandel kennzeichnete das 12. und auch das 13. Jh., das auch als das Jh. der Städte bezeichnet wird. In den Städten siedelten sich nun die neu entstehenden Bettelorden, wie die Franziskaner, Dominikaner oder Augustiner-Eremiten an. Sie sind im Gegensatz zu den älteren Orden mehr der Welt zugewandt und konzentrieren sich in ihren Tätigkeiten auf Schule, Studium, Predigt, Seelsorge, Krankenpflege und Betteln. Der Orden der Franziskaner geht auf den hl. Franziskus von Assisi (1181/82-1226) zurück, der Anfang des 13. Jh.s mit einigen Gefährten nach den Grundsätzen Armut, Buße und Zurückgezogenheit lebte. Der Schwerpunkt des sich schließlich entwickelnden Franziskanerordens liegt in der städtischen Seelsorge.

Im Jahr 1232 ließen sich die Franziskaner auch in Paderborn nieder. In den Wirren der Reformation ging das Kloster jedoch unter, die Mönche verließen ab 1530 nach und nach die Stadt, und die Jesuiten nahmen ihren Platz in Paderborn ein. Gegen die Gründung eines neuen Klosters der Franziskaner der strengeren Observanz regte sich im 17. Jh. schließlich großer Widerstand in Paderborn.

Stiftung Kloster Dalheim, LWL-Landesmuseum für Klosterkultur Abb. 5: Stiftung Kloster Dalheim, LWL-Landesmuseum für Klosterkultur, Kreuzhof (Foto: S. Schnietz)

Mit dem Orden der Devotio moderna entstand um 1400 in den Niederlanden eine Bewegung neuer Frömmigkeit, die auch auf das westfälische Ordensleben starken Einfluss ausübte. Schon während der Reformbewegungen des 11. Jh.s kam es zu einer Wiederbelebung eines Lebens nach den Idealen des hl. Augustinus (354-430). Die Augustiner-Chorherren leben in Gemeinschaften von Regularkanonikern, die auf persönlichen Besitz verzichten, einen bescheidenen Lebensstil führen und sich intensiv um den liturgischen Dienst kümmern.

Die neu gegründeten Gemeinschaften der Augustiner-Chorherren in Böddeken und Dalheim (Abb. 5) beispielsweise übernahmen zu Beginn des 15. Jh.s niedergegangene Frauenklöster und bauten in den verfallenen Gebäuden neue Klostergemeinschaften auf. Die wiederbesiedelten Klöster ermöglichten in Westfalen nicht nur eine Wiederbelebung des geistlichen Lebens, ihre Wirtschaftskraft belebte zudem die gesamte Umgebung der Klöster.

Am Ende des Mittelalters und in der Frühen Neuzeit litten die westfälischen Klöster zumeist unter wirtschaftlichen Problemen und Verfallserscheinungen, die sich schließlich im Dreißigjährigen Krieg zuspitzten; vielen Gemeinschaften drohte der Niedergang. Nach den Schrecken des Krieges folgte für die Klöster eine Zeit des Wiederaufbaus und im Barock eine letzte Blüteperiode, bevor die meisten Konvente in der Säkularisation aufgelöst wurden.

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Weiterführende Literatur/Quellen

Erstveröffentlichung 2008