Das integrierte ländliche Entwicklungskonzept (ILEK) ''Einzugsgebiet Vechte''

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Mit der "Richtlinie über die Gewährung von Zuwendungen zur Förderung einer integrierten ländlichen Entwicklung" des Landes Nordrhein-Westfalen vom 19. Oktober 2004 wurde ein Instrument geschaffen, durch welches sich neue Perspektiven in der Entwicklung ländlicher Kommunen und Regionen ergeben. Neben den bisher bekannten und jetzt in der Richtlinie zusammengeführten Förderungen von Dorferneuerung, Bodenordnung und ländlichem Wegebau ist vor allem der neue Förderbaustein "ILEK" (Integriertes ländliches Entwicklungskonzept) besonders bemerkenswert.

Anlass für eine Weiterentwicklung der Förderinstrumentarien sind die zahlreichen Herausforderungen, vor denen die Gemeinden im ländlichen Raum stehen. Die wichtigsten sind:

Soll diesen Herausforderungen entgegen getreten werden, müssen zukunftsfähige Strategien entwickelt werden. Dabei ist es zum einen erforderlich, dass Kommunen mit "Gleichgesinnten" kooperieren, und ebenso ist es erforderlich, dass die Bürgerinnen und Bürger diesen Weg mitgestalten.

Das ILEK ist somit ein integriertes, zukunftsorientiertes und in der Region abgestimmtes Handlungskonzept mit konkreten Zielen und Projekten. Es basiert auf einer Stärken-Schwächen-Analyse und soll durch die Bündelung von Ideen und Aktivitäten aus der Region neue Perspektiven schaffen. Im Mittelpunkt von ILEKs stehen die Sicherung und querschnittsorientierte Weiterentwicklung der ökonomischen, sozialen und ökologischen Potenziale einer Region. Dadurch lassen sich Synergieeffekte erzielen, beispielsweise hinsichtlich verbesserter Lebens- und Arbeitsbedingungen sowie verbesserter Nutzung von regionseigenen Wertschöpfungspotenzialen.

Folgende Eigenschaften sind kennzeichnend für ein ILEK:
Integrierte ländliche Entwicklungskonzepte werden von der Europäischen Union, dem Bund und dem Land Nordrhein-Westfalen zu maximal 75% gefördert.
Region des ILEK Einzugsgebiet Vechte Abb. 1: Region des ILEK "Einzugsgebiet Vechte"(Entwurf: F. Bröckling)

Im ILEK "Einzugsgebiet Vechte" haben sich die Stadt Horstmar und die Gemeinden Laer, Metelen, Neuenkirchen, Schöppingen und Wettringen im westlichen Münsterland zusammengeschlossen (Abb. 1). Alle sechs Gemeinden sind überwiegend ländlich geprägt. Auf einer Fläche von 295 km2 leben derzeit ca. 50000 Einwohner. Das ILEK "Einzugsgebiet Vechte" ist eine der ersten Kooperationen von ländlichen Gemeinden in Nordrhein-Westfalen dieser Form und wird wissenschaftlich von der Abteilung für Orts-, Regional- und Landesentwicklung/Raumplanung (ORL) im Institut für Geographie der Westfälischen Wilhelms-Universität zu Münster begleitet.

Das ILEK soll zur Sicherung und Weiterentwicklung dieses ländlichen Raumes als Lebens-, Arbeits-, Erholungs- und Naturraum sowie zur Einbindung einer nachhaltigen Land- und Forstwirtschaft in den Prozess zur Stärkung der regionalen Wirtschaft genutzt werden. Als gemeinsame Handlungsfelder wurden dabei folgende fünf Bereiche festgelegt:

(1) Land- und Forstwirtschaft,
(2) Familie, Kinder und Bevölkerungsentwicklung und Bildung,
(3) städtebauliche Entwicklung/Dorfgestaltung,
(4) Tourismus, Naherholung, Freizeit und Kultur,
(5) Verkehrsentwicklung.

Innerhalb der Handlungsfelder wurden in lokalen und regionalen Arbeitskreisen zunächst die Stärken und Schwächen der Orte und der Region analysiert und daraus gemeinsame Strategien für die weitere Entwicklung abgeleitet. Diesen Strategien wurden anschließend Aktionsbereiche zugeordnet, aus denen dann konkrete Ideen für Leitprojekte entwickelt wurden. Im weiteren Vorgehen wurden diese Projektideen konkretisiert und in einer Umsetzungsphase begleitet. Da das ILEK in erster Linie zur Konzeptentwicklung dient, ist eine vollständige Realisierung aller Projektideen kaum möglich. Es müssen daher auch Verstetigungsmechanismen entwickelt werden, damit die im Prozess entstandenen Ideen verwirklicht werden können. Dazu arbeiten die aus Bürgerinnen und Bürgern der ILEK-Region bestehenden Projektgruppen weiter an der Umsetzung. Projektpaten sowie Projektgemeinden unterstützen das Vorgehen und bieten Hilfestellungen an; ein Projektmonitoring ist eingerichtet.

Einige Beispiele für Projektideen sind im Folgenden kurz beschrieben:

Kooperation zwischen Landfrauen und Schulen

Immer mehr Kinder - selbst im ländlichen Raum - verlieren den Bezug zur Landwirtschaft und der landwirtschaftlichen Produktion. Ihnen sind die gängigen Mechanismen und Abläufe des Anbaus von Lebensmitteln und der Viehzucht kaum noch bekannt. Traditionen und regionale Bräuche gehen hierdurch verloren. Jedoch liegt im Ausbau der Betreuungsangebote in den Kindergärten und Schulen hin zur Ganztagsschule die Chance, durch das Einbeziehen von Landfrauen in die inhaltliche Schulgestaltung, das Thema Landwirtschaft und gesunde regionale Lebensmittel den Kindern spielerisch nahe zu bringen. Geplant ist daher ein breites Leistungsangebot mit verschiedenen, gegebenenfalls regelmäßig stattfindenden Projekten und Schulungen wie z.B. "Lernen auf dem Bauernhof": Landfrauen betreuen und unterrichten dabei die Kinder.

Regionale Kultur-, Freizeit- und Ferienangebote

Im ländlichen Raum gibt es eine Vielzahl von Vereinen, Initiativen und engagierten Ehrenämtlern, die zusammengenommen in ihrem jeweiligen Ort ein großes Angebot an attraktiven Kultur-, Freizeit- und Ferienangeboten anbieten. Leider werden für diese Maßnahmen die Zuschüsse und Spendengelder immer knapper, so dass auf lokaler Ebene hierunter das Angebot leidet. Durch eine kleinregionale Zusammenarbeit in diesem Bereich können aber Synergieeffekte erzielt werden, so dass das Angebot trotz enger finanzieller Spielräume weiter erhalten und sogar qualitativ aufgewertet werden kann. Für den besseren Austausch der Freizeit-, Ferien- und Kulturangebote sind daher zunächst der Aufbau einer neuen bzw. die Angliederung an eine bestehende Datenbank notwendig. Im Kulturbereich sollen die vorhandenen Angebote aufeinander abgestimmt und im weiteren Verlauf gemeinsame Angebote entwickelt werden. Die Vernetzung der unterschiedlichen Akteure - vom Heimatverein, Schützenverein, über den Hegering, die Elterninitiative für Ferienprogramme bis zu den Verkehrs- bzw. Kulturvereinen - steht dabei im Vordergrund.

Verbesserung der Barrierefreiheit in der Region

Barrierefreiheit ist für etwa 10% der Bevölkerung zwingend erforderlich, für etwa 30-40% notwendig und für 100% komfortabel und stellt damit ein Qualitätsmerkmal dar. Ein solches Qualitätsmerkmal kann Gemeinden, aber auch Hotels, Geschäfte usw. attraktiv machen und so einen Standortvorteil bieten. In Anbetracht der bevorstehenden demographischen Entwicklung wird die Zahl der Menschen, die eine barrierefreie Umwelt besonders wertschätzen werden, steigen.

Dies soll durch das Projekt erreicht werden. Dabei geht es auf der einen Seite um Information und Aufklärung von Bürgerinnen und Bürgern (Sensibilisierung), andererseits sollen möglichst viele Barrieren in den Orten erkannt und beseitigt werden (bauliche Maßnahmen).

Rad- und Reitweg auf der ehemaligen Bahnstrecke Rheine–Coesfeld

Quer durch die ILEK-Region erstreckt sich eine stillgelegte Bahnlinie, die bis vor einigen Jahren Coesfeld im Süden und Rheine im Nordosten miteinander verbunden hat. Seit der Einstellung des Bahnbetriebes liegt die Trasse brach. Dieses einmalige zusammenhängende "Band" birgt die Chance, im Idealfall in relativ kurzer Zeit eine Kombination aus einem überregionalen Rad- und Reitweg entstehen zu lassen. Der Weg soll an Rahmenangebote (Sehenswürdigkeiten, Einkehrmöglichkeiten, Unterbringungen etc.) in der Region angebunden werden. So soll im Zuge dessen z.B. der alte Bahnhof in St. Arnold renoviert werden. Eine gute Vernetzung mit bestehenden Radwegen wäre gegeben, die Verbindung mit entstehenden Reitwegen wird in der aktuellen Erstellung des Reitwegenetzes des Kreises Steinfurt berücksichtigt.

Es wurden gezielt Projekte ausgewählt, die einen integrativen Charakter haben und demzufolge in möglichst vielen Handlungsfeldern Erfolge erbringen. Sie sollten Bausteine für eine zukunftsfähige und integrierte ländliche Entwicklungsstrategie sein. Zudem werden in erster Linie Projekte konkretisiert, bei denen sich die Bürgerinnen und Bürger aus der Region beteiligt haben. Hier war Mitmachen gefragt, was in dieser Region auf großes Interesse stieß.

Mittlerweile wurde das ILEK Vechte zu einer der 11 LEADER-Regionen in Nordrhein-Westfalen (s. Beitrag Rohleder). Dazu wurden noch weitere Kommunen in das Gebiet mit aufgenommen. Es firmiert jetzt unter dem Namen LEADER-Region Steinfurter Land.

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Weiterführende Literatur/Quellen

Erstveröffentlichung 2007, Aktualisierung 2009