Westfalen und seine Landesteile in geographisch-statistischer Sicht

Naturräumliche Großlandschaften Westfalens Abb. 1: Naturräumliche Großlandschaften Westfalens (Entwurf: K. Temlitz)

Überblick

Westfalen ist Teil des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen, das 1946 von der britischen Militärrregierung aus den zuvor preußischen Provinzen Rheinprovinz (Nordhälfte) und Westfalen gebildet wurde. 1947 trat der Freistaat Lippe dem neuen Land bei und bildet seither zusammen mit dem ehemaligen Regierungsbezirk Minden den neuen Regierungsbezirk Detmold. Die weiteren Regierungsbezirke in Westfalen, Münster und Arnsberg, blieben gegenüber der Vorkriegszeit unverändert. 1953 wurde der Landschaftsverband Westfalen-Lippe gegründet (Sitz Münster), der als Nachfolger des preußischen Provinzialverbandes übergeordnete Dienstleistungsaufgaben der kommunalen Selbstverwaltung wahrnimmt. Seit dem Abschluss der Verwaltungsgebietsreform (1967-76) gliedert sich Westfalen in 18 Kreise, 9 kreisfreie Städte und 222 kreisangehörige Gemeinden.

Westfalen erstreckt sich über 209 km Luftlinie von Preußisch Ströhen, Stadt Rahden, Kreis Minden-Lübbecke, im Norden bis zur Gemeinde Burbach, Kreis Siegen-Wittgenstein, im Süden. Die Endpunkte liegen bei 52°32’ bzw. 50°41’ nördl. Breite. Fast identisch ist mit 211 km Luftlinie die Entfernung zwischen den äußersten Grenzpunkten im Westen (6°23’ östl. Länge) bei Anholt, Stadt Isselburg, Kreis Borken, sowie Stahle, Stadt und Kreis Höxter, im Osten (9°28’ östl. Länge von Greenwich). Das im Norden und Osten an Niedersachsen, im Süden an Hessen und Rheinland-Pfalz, im Westen an die rheinländischen Regierungsbezirke Köln und Düsseldorf sowie die Niederlande grenzende westfälische Gebiet umfasst eine Fläche von 21426,94 km2 (63% der Landesfläche Nordrhein-Westfalens) mit 8,474 Mio. Einwohnern (31.12.2004) bzw. 47% der Gesamtbevölkerung des Bundeslandes (18,075 Mio.).

Nach seiner Höhenlage hat Westfalen Anteil sowohl am Norddeutschen Tiefland (unter 200m) als auch an der deutschen Bergland- und Mittelgebirgszone. Die zugehörigen naturräumlichen Großlandschaften sind die Westfälische (Tieflands-)Bucht, das Weserbergland und das Sauer- sowie Siegerland (Abb.1). Im Laufe der Zeit haben sich innerhalb dieser Großlandschaften Benennungen für viele kleinere und größere Landschaften herausgebildet (s. Beitrag Liedtke) mit Bezug teils zu naturräumlichen oder wirtschaftsräumlichen, teils zu historisch-administrativen Begrenzungen (s. Tab. 1).
Statistik der naturräumlichen Großlandschaften Westfalens Tab. 1: Statistik der naturräumlichen Großlandschaften Westfalens (Entwurf: K. Temlitz, Quelle: LDS NRW, eigene Berechnungen)

Westfälische Bucht

Die Westfälische Bucht nimmt knapp die Hälfte (47%) der Fläche Westfalens ein (Tab. 1). Klimatisch gesehen liegt die Bucht - wie Westfalen insgesamt - in einem maritim geprägten Bereich mit kühleren Sommern und milderen Wintern. Die Monatsmittel der Lufttemperatur erreichen im langjährigen Durchschnitt (1961-1990) in der zum Atlantik hin geöffneten Bucht noch Pluswerte um 1,5°C im kältesten Monat (Januar) und steigen im wärmsten Monat (Juli) auf Werte um 18°C. In den städtischen Ballungszentren im Ruhrgebiet liegt das Jahresmittel der Lufttemperatur um 10,5°C, in den höher gelegenen Baumbergen und Beckumer Bergen dagegen eine Halbgradstufe unter dem Mittel der Bucht insgesamt (10°C). Hinsichtlich der Niederschlagshöhen zeigt sich ein Maximum im Juni bei einem Jahresmittel von 700 - 750 mm im Kernmünsterland zwischen Lünen, Münster und Rheine (vgl. Station Greven in Tab. 1) und Jahresmitteln bis 850 mm im West- und Ostmünsterland sowie in den ansteigenden Randgebieten der Bucht im Süden und Osten.

Nach der Nutzungsart entfallen 60% der Westfälischen Bucht auf Landwirtschaftsflächen (Acker-Grünland-Verhältnis 2,3:1) und 15% auf Waldflächen, auf denen vorrangig und zu gleichen Teilen (je 23%) Eichen und Kiefern stehen. Die natürliche Fruchtbarkeit der Böden, ausgedrückt in Ertragsmesszahlen in Relation zu den besten Böden Deutschlands in der Magdeburger Börde (=100), erreicht östlich der Ems, im nördlichen und auch weitgehend im westlichen Münsterland nur Werte unter 33, im Kernmünsterland zwischen 33 und 64 sowie in den Börden des Hellweggebietes über 64 (bis um 80 in der Soester Börde). Von den Einwohnern Westfalens leben die meisten (knapp 58% oder 4,9 Mio.) in der Westfälischen Bucht (mit dem westfälischen Teil des Ruhrgebietes); die Einwohnerdichte beträgt 486 Einw./km2 (in Westfalen insgesamt 396 Einw./km2), im Münsterland - für sich genommen - 264 Einw./km2.

Weserbergland

Auf das Weserbergland entfällt ein Viertel (24,6%) der Gesamtfläche Westfalens. Die Jahresmitteltemperatur stimmt mit der in der Westfälischen Bucht weitgehend überein, die Monatsmittel im Weserbergland differieren jedoch im Winter (Dezember-Februar) deutlich zwischen den westlichen Bergketten und dem südlichen Oberland (-1° bis -2°C) einerseits sowie den wärmeren Becken und Tallagen an der Werre, Else und Weser andererseits. Die Jahresniederschläge weisen in den Bergketten Mengen um 1000 mm (Teutoburger Wald) bis über 1200 mm (Eggegebirge) auf, während sie östlich der Bergzüge (im Lee) auf 850 - 800 mm absinken (vgl. Station Herford in Tab. 1).

Der Anteil des Acker- und Grünlandes an der Flächennutzung entspricht im Weserbergland mit 57% knapp dem der Westfälischen Bucht, allerdings zeigt das Acker-Grünland-Verhältnis von 3,5:1 für das Bergland eine weit höhere ackerbauliche Bodennutzung an. In den Waldgebieten (Anteil 26%) herrscht unter den Baumarten die Buche vor (43%). Die Bodengüte beziffert sich auf 33 - 64, mit Ausnahme der Ravensberger und der Warburger Börde, wo Ertragsmesszahlen über 64 erreicht werden. Im Weserbergland wohnt ein Fünftel (1,64 Mio.) der Gesamtbevölkerung Westfalens, die Einwohnerdichte liegt bei 316 Einw./km2 und damit unter dem westfälischen Mittel (-80 E/km2).

Sauer- und Siegerland

Im Sauer- und Siegerland (28% der Gesamtfläche Westfalens) beträgt die mittlere Jahrestemperatur in Abhängigkeit von der Höhenlage im Unterland (unter 300m) und den Talzügen der mittleren Ruhr und Lenne sowie der oberen Sieg (vgl. Station Siegen in Tab.1) 8,5° - 9°C, dagegen in den Gipfellagen des Rothaargebirges nur 5°C. Im Sommer (Juli) steigen die Monatsmittel im Unterland und den größeren Talzügen auf 17° - 17,5°C an, im Oberland (über 300m) auf 14°C; im kältesten Monat (Januar) sinken die Mittelwerte auf 2° - 0°C (Unterland) sowie -3° bis -4°C im Oberland. Auch bei den Niederschlägen bildet sich die Höhenstufung ab. Das Oberland erhält mit 1200 - 1400 mm Jahresniederschlag - in der Kammregion des Rothaargebirges bis zu 1520 mm - die höchsten Niederschläge in Westfalen. Das Unterland verzeichnet 800 - 900 mm Niederschlag im Jahresmittel. Im Oberland fällt ein Viertel bis knapp die Hälfte des Jahresniederschlags als Schnee oder Schneeregen (z.B. in Lüdenscheid 24%, am Kahlen Asten 47%).

Das Sauerland hat mit 30% den geringsten Landwirtschaftsflächenanteil (Acker-Grünland-Verhältnis 2,8:1) unter den drei großen westfälischen Landesteilen. Dem steht ein Waldflächenanteil von 58% gegenüber, der das Sauerland als ein ausgesprochenes Waldland kennzeichnet. Anstelle von Eichen und Kiefern (Westfälische Bucht) oder Buchen (Weserbergland) dominiert hier die Fichte, und zwar mit 64%. Die Ertragsmesszahlen der Böden liegen zwischen 33 und 64, im Oberland sinken sie ab auf unter 33. Die Einwohnerzahl des Sauerlandes beträgt 2,0 Mio. (23% der Gesamtbevölkerung Westfalens); die Einwohnerdichte (317 Einw./km2) entspricht der des Weserberglandes.

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Weiterführende Literatur/Quellen

Erstveröffentlichung 2007