Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL)

Abb. 1: Mitgliedskörperschaften des LWL (Quelle: LWL)

Der LWL im Überblick

Als einer der beiden nordrhein-westfälischen Landschaftsverbände arbeitet der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) für rund 8,2 Millionen Menschen im gleichnamigen Landesteil.

Etwa 16.000 Beschäftigte erfüllen Aufgaben aus den Bereichen Soziales, Psychiatrie, Jugend/Schule und Kultur.

Getragen wird der LWL durch die 18 Kreise und neun kreisfreien Städte in Westfalen-Lippe (Abb.1). Die politische Kontrolle liegt bei den 116 Mitgliedern der Landschaftsversammlung, des sog. "Westfalenparlamentes" (Abb. 2). Sie werden durch die Vertretungen der Kreise und der kreisfreien Städte gewählt. Dabei sind die Parteien genauso stark in der Landschaftsversammlung vertreten, wie sie bei den Kommunalwahlen 2014 westfalenweit abgeschnitten haben. Vorsitzender ist Dieter Gebhard, SPD (Abb. 3a).

Die Geschäfte der laufenden Verwaltung werden vom LWL-Direktor geführt, seit Juli 2014 Matthias Löb (Abb. 3b). Er vertritt den Verband nach außen, bereitet die Beschlüsse des Landschaftsausschusses und der Fachausschüsse vor und führt sie auch aus.

Sitzverteilung in der 14. Landschaftsversammlung 2014 bis 2020 Abb. 2: Sitzverteilung in der 14. Landschaftsversammlung 2014–2020 (Sitze insgesamt: 116) (Quelle: LWL)

Der LWL als ein Kommunalverband

Der LWL übernimmt Aufgaben, die für einzelne Städte und Kreise zu groß oder zu speziell sind, z. B. psychiatrische Kliniken oder Blinden- und Gehörlosenschulen. Weiterhin übernimmt er Aufgaben, die die ganze Region betreffen und daher einheitlich wahrgenommen werden sollten, wie die Errichtung von Museen. Außerdem übernimmt der Verband Aufträge des Landes und des Bundes wie z. B. die Sicherung und Therapie psychisch kranker Straftäter (Maßregelvollzug).

Der LWL gehört aber nicht zur staatlichen Verwaltung und nicht zur Landesverwaltung, sondern ist ein Kommunalverband in kommunaler Selbstverwaltung. Dies ist eine Tatsache, die in der öffentlichen Debatte zumeist vernachlässigt wird. Im Jahre 2001 griff die Landesregierung stark in den Aufgabenzuschnitt des LWL ein, als die Aufgaben des Straßenbaus verstaatlicht wurden. Vom Gesamthaushalt in Höhe von mehr als 3 Mrd. Euro jährlich fließen heute rd. 80% in soziale Aufgaben (Abb. 5).

Abb. 3a: Vorsitzender der LWL-Landschaftsversammlung Dieter Gebhard (rechts), SPD, 1. stellvertretender Vorsitzender Michael Pavlicic, CDU, die 2. stellv. Vorsitzende Monika Schnieders-Pförtzsch, CDU, und die 3. stellv. Vorsitzende Gertrud Welper, Bündnis 90/Die Grünen (v.l.n.r.); Abb. 3b: LWL-Direktor Matthias Löb (Fotos: LWL)

Soziales

Der LWL engagiert sich vor allem für die Integration alter, kranker und behinderter Menschen in die Gesellschaft. Rd. 2,7 Mrd. Euro Sozialhilfeleistungen fließen jährlich an ca. 59.000 körperlich so wie geistig und seelisch behinderte Menschen in Westfalen-Lippe. Die etwa 90.000 behinderten Arbeitnehmer finden im LWL-Integrationsamt einen kompetenten Ansprechpartner. Es schafft und sichert Arbeitsplätze für schwerbehinderte Menschen in rd. 25.000 Betrieben in Westfalen-Lippe (s. Beitrag Wittkampf). Über 35.000 Kriegsopfer und ihre Hinterbliebenen, Opfer von Gewalttaten, Impfgeschädigte, Soldatinnen und Soldaten sowie Zivildienstleistende werden vom LWL-Versorgungsamt bei allen Fragen des sozialen Entschädigungsrechts unterstützt.

Psychiatrie

In mehr als 90 Einrichtungen des Psychiatrie-Verbundes, darunter Fachkrankenhäuser, Rehabilitationszentren, Wohnverbünde und Pflegezentren, finden Menschen mit seelischen Erkrankungen kompetente Hilfe. Dabei handelt es sich um ambulante, teilstationäre sowie stationäre Angebote.

Im Auftrag des Landes NRW betreibt der LWL Maßregelvollzugskliniken, in denen psychisch kranke und suchtkranke Straftäter behandelt und gesichert werden.

Jugend/Schule

Das LWL-Landesjugendamt unterstützt die Jugendämter der Städte, Gemeinden und Kreise sowie die Träger der freien Jugendhilfe in ihrer Arbeit für Kinder, Jugendliche und Familien. Dazu zählen die Beratung, Förderung und Fortbildung der Fachleute. Auch die gemeinsame Erziehung von Kindern mit und ohne Behinderungen wird mit Mitteln unterstützt.

Darüber hinaus unterhält der LWL eigene Bildungsstätten, wie den Jugendhof in Vlotho oder das LWL-Berufskolleg in Hamm.

In 35 Schulen werden behinderte Kinder unterrichtet und auf Alltag und Beruf vorbereitet. Dabei organisiert der LWL auch den Fahrdienst und die Schulentwicklungsplanung.

Abb. 4: Standorte der LWL-Einrichtungen (Quelle: LWL-Statistik, © Lutum+Partner 2014/12)

Kultur

Das kulturelle Erbe Westfalen-Lippes macht der LWL den Menschen auf vielfältige Art und Weise zugänglich. Er unterhält Museen und Kulturdienste, unterstützt die landeskundliche Forschung – wie auch dieses Projekt der Geographischen Kommission – und fördert kulturelle Aktivitäten der Kommunen, Kreise und freien Träger.

Die sieben Landesmuseen an 17 Standorten erforschen, dokumentieren und präsentieren die Kultur und Geschichte Westfalen-Lippes. Daneben werden immer wieder international beachtete Sonderausstellungen erarbeitet.

Fachämter beraten, fördern und bieten technischen Service rund um das Thema Kultur. Sie widmen sich der Bau- und Bodendenkmalpflege, dem Archivwesen und der Beratung von Museen. Das LWL-Medienzentrum für Westfalen produziert u. a. landeskundliche Medien.

Abb. 5: Aufwendungen im Haushalt 2014 nach Produktbereichen (Quelle: LWL)

In sechs wissenschaftlichen Kommissionen und im LWL-Institut für Regionalgeschichte untersuchen renomierte Wissenschaftler zahlreiche Aspekte der westfälischen Kultur und Geschichte, der Altertumskunde, Mundart- und Namenforschung, der Volkskunde, Literatur und Geographie.

Darüber hinaus initiiert der LWL westfalenweite, kulturpolitische und kulturfachliche Veranstaltungen und Projekte.

Besonders die zahlreichen Aktivitäten der Kulturabteilung und ihrer Einrichtungen besitzen eine identitätsstiftende Wirkung für die Kulturlandschaft Westfalen-Lippe. Dadurch wird das eigenständige Profil Westfalens sowohl im Bundesland NRW als auch darüber hinaus gestärkt. Die LWL-Kulturarbeit fördert die Auseinandersetzung mit der Geschichte des Landes und der Menschen, die dort leben und gelebt haben.

Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe LWL sieht sich heute als modern aufgestellter Dienstleister innerhalb der kommunalen Familie.

⇑ Zum Seitenanfang


Weiterführende Literatur/Quellen

Erstveröffentlichung 2007, Aktualisierung 2014