Die Landesgartenschau Nordrhein-Westfalen 2008 in Rietberg – Schlussbilanz

von Manfred Nolting

 

Landesgartenschau-Gelände und historischer Stadtkern Rietbergs Abb. 1: Das Gelände der Landesgartenschau nach dem 12. Oktober 2008 und der historische Stadtkern Rietbergs (Quelle: Stadt Rietberg)

Besucher
Als die Landesgartenschau 2008 (LGS 2008) in Rietberg am 12. Oktober 2008 zu Ende ging, waren 907.830 Tagesbesucher gezählt worden. Hinzu kommen rund 100.000 Besucher der "Rietberger Illumina", einer Veranstaltung in der historischen Altstadt im Rahmen der LGS 2008. Insgesamt spricht die Stadt Rietberg von rund einer Mio. Besuchern, wo­mit die ursprüngliche Schätzung bei weitem übertroffen worden ist. Beobachtungen ergaben, dass die Besucher aus ganz Nordrhein-Westfalen und den angrenzenden Bundesländern nach Rietberg kamen. Besucherschwerpunkte lagen in Westfalen und dabei insbesondere in Ostwestfalen.

Finanzen
Die Finanzierung setzte sich aus Mitteln der Stadt, Fördermitteln des Landes und privaten Spenden in Form von Sach- und Geldmitteln zusammen. Der starke Besucherzustrom hat dazu geführt, dass die finanzielle Schlussbilanz positiv ausfällt. Die Stadt Rietberg schließt mit einer so genannten "schwarzen Null". Das heißt, dass die Mehreinnahmen im Durchführungsetat als Gewinnvortrag auf die Folgejahre übertragen werden und so den Erhalt des Parks sichern helfen, der im Anschluss an die LGS 2008 weiterbestehen wird.

Faktoren des Erfolgs
Zu dem besonderen Erfolg der LGS 2008 haben auch die rund 2.000 Veranstaltungen beigetragen, die in ihrem Zusammenhang stattgefunden haben, ebenso die umfassende Planung und die reibungslose Organisation.

Entscheidend war das Konzept, das zwei Grundsätzen folgte:

• Einbettung der LGS in die Landschaft der Oberen Ems mit ihrem parkartigen Charakter, der von der Ems und ihren Nebenbächen sowie von den umfangreichen Naturschutzgebieten geprägt ist.

• Anbindung der LGS an die historische Altstadt Rietbergs mit ihrem vollständig erhaltenen mittelalterlichen Grundriss und ihren zahlreichen restaurierten Fachwerkhäusern. Die enge Verzahnung einer historischen Altstadt mit der LGS ist neu und war das besondere Kennzeichen der LGS 2008.

Nachfolgenutzung
Das Gelände der LGS 2008 umfasst ein Areal von rund 3,5 km Länge und zieht sich im Osten der Stadt von der Johanneskapelle bis zum historischen Stadtkern und entlang des Naturschutzgebietes "Rietberger Emsniederung" bis zum Stadtteil Neuenkirchen. Es gliedert sich in die drei Bereiche "Lebendige Kulturgeschichte", "Kultur trifft Natur" und "Neuer Park Rietberg-Neuenkirchen" (Abb. 1). Von einzelnen Ausstellungsflächen, Verkaufszeilen und Mustergärten abgesehen, bleibt das Gelände in seiner Gesamtheit und mit den Themenschwerpunkten als Gartenschaupark-Rietberg erhalten und kann gegen Eintritt besucht werden.

Übergreifende Bedeutung der Landesgartenschau 2008
Die Bedeutung der LGS 2008 in Rietberg liegt einmal im Ereignis selbst, das deutlich gemacht hat, dass Landesgartenschauen in NRW nicht überholt sind, sondern bei den Menschen im Lande und darüber hinaus einen starken Zuspruch finden. Zudem geben sie der Region und vor allem der Stadt, die sie ausrichtet, starke Entwicklungsimpulse.

Eine nachhaltige Bedeutung hat die  LGS 2008 damit für den Bereich an der Oberen Ems, der mit Rietberg (2008) und Rheda-Wiedenbrück (1988) gleich zwei Landesgartenschaustädte aufweist und sich zu einer eigenen touristischen Region entwickelt, die sich deutlich von den touristischen Nachbarregionen (Senne, Teutoburger Wald) absetzt.

Bedeutung der Landesgartenschau 2008 für die Stadt Rietberg
Für die Stadt Rietberg hat die LGS 2008 eine herausragende Bedeutung: Sie hat die Stadt über die Grenzen Nordrhein-Westfalens hinaus bekannt gemacht hat, wichtige Impulse für die Tourismusentwicklung gegeben und in besonderem Maße die Stadtentwicklung vorangebracht.

Maßnahmen der LGS 2008 und ihre nachhaltige Bedeutung Kasten 1: Ausgewählte Maßnahmen im Rahmen der LGS 2008 in Rietberg und ihre nachhaltige Bedeutung

Der Tourismussektor in Rietberg kann zukünftig neben der historischen Altstadt mit dem Landesgartenschaugelände werben, das durch Fuß- und Radwege mit der umgebenden Landschaft verbunden ist. Das Cultura-Sparkassentheater-an-der-Ems und die Volksbank-Arena, die im Zusammenhang der LGS errichtet wurden, sind durch ihre Veranstaltungen zu kulturellen Anziehungspunkten geworden. Die mit der LGS 2008 erfolgte Errichtung eines 4-Sterne-Hotels am Nordeingang zur historischen Altstadt hat zu mehr als einer Verdoppelung  des Mehr-Tage-Tourismus geführt.

Als integraler Bestandteil der Stadtentwicklung Rietbergs fügen sich alle Maßnahmen und Projekte der LGS 2008 in die längerfristige Stadtplanung ein und erfüllen zum Teil mehrere Funktionen.

Die LGS hat auch zu einer nicht zu unterschätzenden Identifizierung der Bürger mit ihrer Stadt beigetragen, die sich in Geld- und Sachspenden im Umfang von ca. 1,3 Mio. Euro ausdrückte, vor allem jedoch in dem freiwilligen Engagement von ungefähr 2.000 Bürgern bei der Durchführung der LGS 2008. Zudem hat die Integration der verschiedenen Stadtteile, die 1970 durch eine Kommunalreform zur Stadt Rietberg zusammengeführt wurden, einen weiteren Schub erfahren, indem erstmals alle sieben Stadtteile ein Großprojekt gemeinsam vorbereitet und durchgeführt haben.

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Weiterführende Literatur/Quellen

Erstveröffentlichung 2009, Aktualisierung 2010