Heckenmanagement im Münsterland – die Renaissance eines alten Kulturlandschaftselementes

von Frank Bröckling und Alexander Meyer

 

Hecken prägen das Münsterland

Hecken sind im Münsterland seit Jahrhunderten landschaftsbildend und prägen diese Kulturlandschaft. Trotz ihres starken Rückgangs in den letzten Jahrzehnten sind sie heute ein wichtiger Teil der regionalen Identität und tragen als wesentlicher Bestandteil der Münsterländischen Parklandschaft zum touristischen Erfolg der Region bei. Auch unter ökologischen Gesichtspunkten spielen Hecken im Münsterland eine wichtige Rolle. In vielen Bereichen bilden Sie das Grundgerüst für den Biotopverbund und die Strukturvielfalt der Region. In einem durch intensive Landwirtschaft geprägten Raum stellen Hecken daher heute umso mehr einen wichtigen Lebensraum für Tiere und Pflanzen dar und leis­ten so einen wichtigen Beitrag für den Erhalt der Biodiversität.

Hecken wurden in der Regel nicht als Selbstzweck angepflanzt. Sie dienten als Grenzbefestigung (Landwehr, s. Beitrag Kneppe), als Einfriedung für das Vieh, als Windschutz sowie als Lieferant für Einstreu und Brennholz. Dies machte die He­cken im sonst waldarmen Münsterland wertvoll. Sie wurden daher entsprechend nachhaltig genutzt und gepflegt.

Probleme beim Erhalt der Hecken

Zum größten Teil haben Hecken heute aus der Sicht ihrer Eigentümer die Zaun- oder Wehrfunktion verloren. Im Zuge der Industrialisierung der Landwirtschaft wurden viele Hecken beseitigt. Bei den verbliebenen wurde die regelmäßige Pflege überflüssig, was den Charakter der Hecken im Münsterland stark veränderte. Viele ehemalige Hecken sind mittlerweile durchgewachsen und zu Baumreihen geworden. Eine nachhaltige Heckenpflege ist für viele Eigentümer zu aufwändig und damit nicht mehr rentabel. Hecken werden häufig nur noch geschnitten oder auf den Stock gesetzt, wenn sie stören. Oft wird dazu auch kein spezielles Gerät eingesetzt, so dass man in den meisten Fällen nicht von einer fachmännischen Pflege der He­cken sprechen kann. Das Schnittgut wird häufig an Ort und Stelle verbrannt. Insgesamt lässt sich durch dieses Vorgehen im Münsterland eine Verschlechterung des Zustandes der Hecken beobachten.

Die große Bedeutung der Hecken für unsere Kulturlandschaft ist jedoch vielen Akteuren in der Region bewusst. So gibt es schon seit längerer Zeit Anreizprogramme, mit deren Hilfe vielerorts neue Hecken angelegt worden sind. Beispiele dafür sind die Pflanzgutförderung des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe und vor allem die zahlreichen Neuanpflanzungen im Rahmen von Bodenordnungsverfahren. Diese führten u. a. zur optimierten Eingrünung von Hofanlagen und zu Bepflanzungen entlang von Wirtschaftswegen oder Gewässern.

Hecken als regionale Ressource

Ein dauerhafter Erfolg für das Kulturlandschaftselement "Hecke" kann je­doch nur gewährleistet werden, wenn es für den Eigentümer wieder eine Funktion erlangt und einen Wert darstellt. Nur dann lohnen sich Pflege und Unterhaltung sowie gegebenenfalls Neuanpflanzung von Hecken zum Erhalt der Parklandschaft.

Diese neue Funktionszuweisung ist im Grunde eine alte

In den letzten Jahren ist aufgrund der Kostenentwicklung und der eher kurzfristigen Perspektiven der fossilen Brennstoffe die energetische Nutzung von nachwachsenden Rohstoffen, wie dem Holz, immer stärker in den Fokus getreten. Besonders die Nutzung des Heckenholzes als regionale Ressource bietet ökonomische und logistische Vorteile, da so vorhandene regionale Potenziale in Wert gesetzt werden können.

Das Heizen mit Holz (Scheitholz für Kamine und Hackschnitzel oder Pellets für entsprechende Kessel) hat in den letzten Jahren eine enorme technische Entwicklung vollzogen, die einem immer größer werdenden Personenkreis neue Möglichkeiten bietet. Das Interesse an dem Brennstoff wächst daher nicht nur bei den Besitzern von Kaminen, sondern zunehmend auch bei Landwirten, beispielsweise zur Beheizung von Stallanlagen, oder bei Kommunen. Eine regionale Nutzung von aus Heckenholz gewonnenen Hackschnitzeln bietet sich geradezu an. Hecken sind eine nachwachsende energetische Ressource direkt vor der Haustür.

Zusammenfassung der Heckenabschnitte zu einem zusammenhängenden Los Abb. 1: Zusammenfassung der Heckenabschnitte von verschiedenen Eigentümern zu einem zusammenhängenden Los (Grafik: Olbrich, planinvent 2010)

Das Heckenmanagement

Zunächst gibt es jedoch das Problem der "Mobilisierung" des Heckenholzes. Die Beerntung der Hecken ist relativ aufwendig. Nicht nur von der Hecke selbst, sondern auch von der Wahl der eingesetzten Maschinen hängt ab, wie viele Schüttmeter nutzbare Hackschnitzel aus der Hecke gewonnen werden können. Daher sollten dazu nur qualifizierte Betriebe eingesetzt werden. Zudem muss der optimale Erntezeitpunkt für die jeweiligen Hecken bekannt sein. Allerdings wird im Müns­terland eine wirtschaftliche Nutzung durch die Kleinteiligkeit der Besitzverhältnisse zusätzlich erschwert. Die relativ kurzen und teils verstreut liegenden He­ckenabschnitte lassen sich nicht gewinnbringend beernten.

Der Schlüssel zur Nutzung der He­cken liegt in einem intelligenten Heckenmanagement, das sowohl die Eigentümer der Hecken zusammenführt als auch die Beerntung organisiert.

Für den Eigentümer bietet ein solches System eine kostenlose, fachgerechte und nachhaltige Heckenpflege und garantiert einen optimalen Zustand der Hecken, der entsprechende Auflagen (z. B. für Landwirte im Rahmen des Cross Compliance) erfüllt. Zudem muss der Eigentümer keine besonderen Maschinen zur Heckenbeerntung vorhalten.

Je nach Entwicklung der Energiepreise kann er mittelfristig sogar mit einem finanziellen Ertrag aus der He­ckennutzung rechnen. Ein Managementsystem ermöglicht eine langfristige Planung der Pflege aller beteiligten Hecken in der Region, die wiederum wichtig für eine nachhaltig gesicherte energetische Nutzung ist.

Für die Unternehmen in der Region, die in der Beerntung tätig sind, bedeutet das Management größere zusammenhängende Heckenabschnitte, die sich wesentlich effizienter und kostengünstiger beernten lassen (Abb. 1).
Hecke zur Einfassung eines Grünlandstandortes in Steinfurt-Hollich Abb. 2: Hecke zur Einfassung eines Grünlandstandortes in Steinfurt-Hollich (Foto: F. Bröckling)
Für die Region hat das Heckenmanagement ebenfalls Vorteile:
• die Verbesserung des ökologischen Zu­standes der Hecken,
• den Erhalt des Landschaftsbildes, das im Münsterland sehr stark touristisch in Wert gesetzt wird,
• die Inwertsetzung von regionseigenen Ressourcen sowie
• die Einsparung fossiler Brennstoffe und Verbesserung der CO2-Bilanzen.

Nach der Erstellung von Machbarkeitsstudien, in denen das Heckenmanagement mit dem Landesbetrieb Wald und Holz im Kreis Steinfurt (Abb. 2) konzipiert und erfolgreich auf seine Umsetzbarkeit geprüft wurde, geht es nun im Rahmen des INTERREG IV A-Projektes "Energiequelle Wallhecke – stoken op streekhout" in die praktische Um­setzung. Neben dem Münsterland ge­hören die angrenzende Grafschaft Bentheim in Niedersachsen und die niederländische Regio Achterhoek zum Projektgebiet. In einem GIS-gestützten Online-Portal können sich Heckeneigentümer registrieren und ihre Hecken melden. Diese werden dann von Experten mit Hilfe des Sys­tems zentral erfasst, bewertet und unter Berücksichtigung verschiedener As­pekte (Zustand, Erreichbarkeit, Ökologie, Naturschutz etc.) für die weitere Pflege und Nutzung verplant. Die Hecken werden jährlich zu wirtschaftlich attraktiven Losen zu­sammengefasst, ausgeschrieben und beerntet. Die Vermarktung der Hackschnitzel erfolgt in der Regel durch die Unternehmen selbst. Mittelfristig soll auf diesem Wege ein Großteil der He­cken in der Projektregion in das System eingebunden werden und sich das derzeit noch geförderte Heckenmanagement finanziell selbst tragen.

Fazit

Durch die energetische Nutzung erhalten die kulturlandschaftsprägenden Hecken der Münsterländischen Parklandschaft wieder einen Wert für Ihre Eigentümer. Erhalt und Pflege von He­cken können so nachhaltig gesichert werden. Unter diesen Voraussetzungen kann auch die Anpflanzung von Hecken wieder lukrativ sein, da eine kostenlose Pflege und wirtschaftliche Nutzung der Hecken in Aussicht gestellt werden kann.

Derzeit hat das Projekt noch keine wirtschaftliche Eigentragfähigkeit er­reicht. Jedoch unterstützt die weitere Entwicklung der Energiepreise dieses Vorgehen.

Resümierend macht also das Management der heimischen Hecken durchaus Sinn und kann somit zur Renaissance dieses alten Kulturlandschaftselementes beitragen.

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Weiterführende Literatur/Quellen

Erstveröffentlichung 2010