Geocaching in Westfalen – ein Freizeittrend hat sich etabliert

von Andrea Altenähr

 

Oft in Kleingruppen laufen Menschen verschiedenen Alters offensichtlich suchend durch die Gegenden Westfalens. Immer wieder ist der Blick auf ein Handgerät gerichtet, doch Vermesser sind es nicht. Dass die Entwicklungen des Militärs zur satellitengestützten Bestimmung der Bodenposition von Objekten Einzug in die zivile Freizeitgestaltung fand, nahm einige Zeit in Anspruch und startete in den USA im Jahr 2000.
 

Abb. 1: Geocaches in Deutschland 09/2015 (Quelle: Ground Zero Communications/Project Geocaching)

Was ist Geocaching?

Geocaching ist eine neuartige Form des Kinderspiels "Schnitzeljagd" (auch als Schnitzeljagd 2.0 bezeichnet; Gründel 2013, S.16), die mit Hilfe von GPS-Daten und -geräten durchgeführt wird. Das Wort "Geocaching" leitet sich vom griechischen Wort "geo" (Erde) und vom englischen Wort "cache" (Versteck) ab. Geocaching funktioniert, indem der "Owner" (engl. für Besitzer) einen Cache versteckt und dessen Daten auf einer offiziellen Geocaching-Website bekannt gibt. Die Suchenden, sog. Cacher, können dann diese Daten auf ihr GPS-Gerät oder ein GPS-fähiges Smartphone laden und sich auf die Fährte begeben. Der Cache oder auch Geocache besteht traditionell aus einem wasserdichten Behälter, der manchmal kleine Beigaben ("Goodies") und ein Logbuch enthält, in dem der Finder die erfolgreiche Suche dokumentieren und evtl. noch Hinweise oder Kommentare hinterlassen kann.

Es gibt viele verschiedene Arten von Caches: Am häufigsten kommt in Deutschland der "Traditional Cache" vor – mit einem wasserdichten Behälter, Logbuch und Goodies (Groundspeak Inc., 20.08.2015). Beim "Mystery-Cache" handelt es sich um ein Rätsel, das gelöst werden muss, um die Koordinaten für den nächsten Cache zu erhalten. Der "Multi-Cache" besteht aus einer Reihe von Caches, deren Lösung jeweils zum nächsten Cache führt. Darüber hinaus gibt es einige seltenere Cache-Arten, wie den "Earth Cache", der besondere Schauplätze zeigt, oder den "Event-Geocache", der meist ein Treffen von Geocacherinnen und Geocachern markiert (Groundspeak Inc., 20.08.2015). Auch die Größe der Caches kann stark variieren. Die kleinsten Caches haben ein Fassungsvermögen von unter 100 ml und sind etwa so groß wie ein Daumennagel. Jedoch hat der Großteil der Caches ein Volumen von 100 ml bis zu 1 l, typischer Weise werden hierfür alte Film- oder Butterbrotdosen verwendet. Allerdings findet man auch Caches, die trotz ihrer Größe sehr gut getarnt sind, z.B. als Tannenzapfen oder Vogelhaus. Die Tarnart der Caches wird vorher meist über die Schwierigkeitsstufe auf den Geocaching-Websites bekannt gegeben. Gleiches gilt auch für die Geländeart, denn Caches können sich auch in Bäumen befinden bzw. auch im Gebirge oder sogar in einem See versteckt sein.

Die aktive Beteiligung am Geocaching kann sowohl als Suchender wie auch als Versteckender erfolgen. Um sich auf die Suche nach einem Cache zu begeben, muss man sich zunächst von einer der offiziellen Geocaching-Webseiten die entsprechenden Koordinaten auf sein GPS-Gerät laden. Danach geht es auf die Suche. Sobald der Cache gefunden ist, trägt man sich in das Logbuch im Cachebehälter ein und ebenfalls auf der Geocaching-Website, von der die Koordinaten stammen. Das sog. doppelte Loggen stellt eine zusätzliche Verifizierung des Fundes dar.

Das Verfahren für das Verstecken des Caches ist ähnlich. Man sucht sich zunächst den Ort des Verstecks, notiert die GPS-Daten dieser Stelle und bereitet den Cache-Behälter mit Logbuch vor. Nach der Platzierung werden die GPS-Daten des Caches auf einer der offiziellen Geocaching-Websites eingetragen.

Abb. 2: Geocaches-Fundstellen in Westfalen (Stand 09/2015) (Quellen: www.geocaching.com; www.geocaching.de; www.opencaching.com)

Verbreitung in Westfalen 2012 und 2015

Insgesamt befanden sich Mitte des Jahres 2015 knapp 29.000 Caches in Westfalen. Das ist knapp die Hälfte aller Geocaches, die in Nordrhein-Westfalen unter www.geocaching.com, der bislang größten Geocaching-Plattform, gelistet sind (Stand 08/2015). Deutschlandweit ist Nordrhein-Westfalen das Bundesland mit den meisten Caches (Abb. 1).

In Westfalen ist zwischen 2012 und 2015 die Anzahl der Geocaches um das 2,5-fache gestiegen. Die häufigste Art, die man in Westfalen aktuell vorfinden kann, ist der Traditional Cache mit rd. 18.100 Caches (63,3%), gefolgt von den Rätsel-Caches mit einer Anzahl von 7.025 (24,5%). Die Multi-Caches sind mit rd. 3.500 (12,2%) seltener vertreten. Dieser Trend kann in nahezu allen Gemeinden beobachtet werden.

Die Dynamik dieses Wachstums ist allerdings von Gemeinde zu Gemeinde unterschiedlich. Auffällig ist, dass die Anzahl der Caches vor allem in kleinen Orten mit geringer Einwohnerzahl deutlich angestiegen ist. Das Wachstum in Groß- und Universitätsstädten ist weniger stark ausgeprägt. Dortmund, Bochum und Herne zählen mit den meisten Caches zu den Spitzenreitern (Abb. 2). Dies hat sich von 2012 bis 2015 nicht geändert. Auch Paderborn, Bielefeld, Gelsenkirchen und Castrop-Rauxel weisen eine hohe Cache-Dichte auf. Die Gründe hierfür liegen in der Relation von Fläche zu Einwohner und im Hochschulstandort. Oft bilden sich an solchen Zentralpunkten auch sog. Cacher-Gemeinden oder Clubs. Ergänzt werden die großstädtischen Lagen durch das vermehrte Auftreten von Caches in Naherholungsgebieten, wie im Teutoburger Wald und am südlichen bis östlichen Ruhrgebietsrand. Bedingt ist diese Entwicklung durch unterschiedliche Einsatzmöglichkeiten, die Geocaching bietet. In einem 2012 veröffentlichten Beitrag wurde Geocaching in Westfalen als Exkursionsmethode mit vielfältigem didaktischen Potenzial vorgestellt (Altenähr 2012). Von 2012 bis 2015 wurde Geocaching immer mehr als Exkursionsmethode, interaktive Stadtführung oder Freizeitaktivität für alle Altersklassen und Adressatengruppen etabliert.

In Münster ist entgegen dem allgemeinen Trend ein Rückgang der Caches zu verzeichnen. Betroffen hiervon sind vor allem die Traditional und Multi-Caches. Bei den Rätsel-Caches gab es einen leichten Zuwachs. Ein möglicher Grund für diese Entwicklung ist fehlende Nachsorge einst gelegter Caches, sodass diese nicht mehr aufzufinden sind oder gar mitgenommen werden.

Fazit

Geocaching hat sich weiter etabliert, wie das rasante Aufkommen neuer Caches zeigt. Westfalen schneidet dabei im deutschlandweiten Vergleich sehr gut ab. Auch die Einsatzmöglichkeiten, die Geocaching bietet, werden vielfältig angewandt und sprechen unterschiedliche Adressaten an. Als neue Sportart stellt Geocaching mit der kreativen Vielfältigkeit der Verstecke ein "Abenteuer im Alltag" dar und motiviert zahlreiche Menschen. Integrativ bietet das Geocaching Anreize für viele weitere Sportarten, wie Wandern, Rudern oder Klettern.

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Weiterführende Literatur/Quellen

Erstveröffentlichung 2012, Aktualisierung 2016

Publikationsdatum: 02.05.2016

Autoren: Altenähr (Autorin)

Schlagworte: Geocaching, Sport, Westfalen

Region: Westfalen gesamt