Ältere Menschen und ihr statistischer Anteil an der Bevölkerung Westfalens

Als "ältere Menschen" werden in den Statistiken diejenigen bezeichnet, die 65 Jahre oder älter sind. Ihr Anteil an der Bevölkerung ist in den letzten Jahren auch in Westfalen deutlich größer geworden. Im Jahr 2019 lag er hier bei 21,4%. Im Jahr 2001 beispielsweise, also zu Anfang dieses Jahrhunderts, hatte er noch 17,4% betragen.

Innerhalb dieser Gruppe der "älteren Menschen" wird die Altersgruppe derjenigen, die bereits das 80. Lebensjahr vollendet haben, gesondert betrachtet. Ihr Bevölkerungsanteil erhöhte sich in Westfalen von 2001 bis 2019 von 3,9% auf 6,9%.

Abb. 1: Prozentuale Anteile der Menschen mit 65 Jahren oder älter an der jeweiligen Bevölkerung am 31.12.2019 sowie Steigerung des Anteils dieser Bevölkerungsgruppe von 2001 bis 2019 in %-Punkten (Quellen: IT.NRW, eigene Berech- nungen nach www.lzg.nrw.de)

Die Altersgruppe "65+"

Die Menschen im Alter von 65 oder mehr Jahren machen in den Kreisen bzw. kreisfreien Städten Westfalens zwischen 17,3% (Münster) und 23,9% (Ennepe-Ruhr-Kreis) der Bevölkerung aus (Abb. 1).

In Münster, Bielefeld, Dortmund sowie in den Kreisen Paderborn und Gütersloh gibt es besonders viele jüngere Menschen. Münsters Einwohnerzahl etwa ist in den letzten Jahren sehr deutlich angestiegen, wobei vor allem die Bildungs- und Ausbildungs- sowie die Arbeitsmöglichkeiten eine wichtige Rolle spielen (s. Beitrag Kreft-Kettermann). Allein von 2009 bis 2013 betrugen die Wanderungsgewinne der Stadt Münster fast 23.000 Menschen. Es handelt sich dabei oft um Zuwanderer unter 40 Jahren. Auch die Geburtenrate liegt in den letzten Jahren hier über der Sterberate. Wenn es sehr viele junge Menschen gibt, wird statistisch der prozentuale Anteil der älteren Menschen geringer, sodass der Anteil der Altersgruppe "65+" relativ niedrige Werte aufweist. Im Gegensatz zu Münster sind z.B. aus Bochum viele Menschen im arbeitsfähigen Alter fortgezogen, sodass dort – trotz der Universität – der statistische Anteil älterer Menschen relativ hoch ist.

Insgesamt machen sich auch in anderen früher besonders stark industriell geprägten Teilregionen die Arbeitsplatzverluste in der Industrie sehr deutlich bemerkbar, eine Kompensation in anderen Wirtschaftsbereichen war dort jeweils nur teilweise möglich. Während relativ viele jüngere Menschen fortzogen, um anderswo eine Arbeit ihrer Wahl zu finden, blieben ältere Menschen in diesen Teilregionen wohnen. Dadurch stiegen die prozentualen Bevölkerungsanteile der Altersgruppe "65+" an. Beispiele hierfür sind der Ennepe-Ruhr-Kreis und der Kreis Unna. Auch z.B. aus dem nicht sehr strukturstarken Kreis Höxter zogen relativ viele jüngere Menschen anderswohin.

Bei einem Vergleich des jeweiligen prozentualen Anteils der Altersgruppe "65+" zwischen 2001 und 2019 (Abb. 1) bestätigt sich das gerade Gesagte z.B. für die Kreise Unna, Märkischer Kreis, Recklinghausen und den Ennepe-Ruhr-Kreis, wo einerseits die Industrie früher stark dominierte, andererseits die prozentualen Anteile der älteren Menschen deutlich gestiegen sind.

Darüber hinaus weisen aber auch z.B. die Münsterlandkreise Borken, Coesfeld, Steinfurt und Warendorf hohe Steigerungsraten der Bevölkerungsanteile älterer Menschen auf. Am kräftigsten war der Anstieg im Kreis Coesfeld, wo der Anteil von 14,5% im Jahr 2001 auf 21,1% im Jahr 2019 anstieg, also um 6,6 Prozentpunkte.

Am Beispiel des Kreises Coesfeld können die Gründe für diese Entwicklung in den Münsterlandkreisen generell deutlich gemacht werden: Laut Demographiebericht 2007 des Kreises Coesfeld nahm die Bevölkerungszahl dort vor allem seit den 1970er Jahren außerordentlich stark zu – durch hohe Zuwanderungszahlen vor allem jüngerer Menschen und durch Geburtenüberschuss. U.a. die sicheren Arbeitsplätze und eine besonders niedrige Arbeitslosenquote waren und sind markante Merkmale der wirtschaftlichen Stärke des Kreises. Die Einwohnerzahl des Kreises Coesfeld wuchs so zwischen 1975 und 1999 um etwa 30%. Viele der damaligen Zuwanderer haben inzwischen das Alter von ca. 70 Jahren erreicht. Hierdurch erklärt sich der gegenwärtig besonders starke Anstieg der Altersgruppe "65 +".

Im Gegensatz z.B. zu den Müns­terlandkreisen hat der jeweilige Anteil der Menschen im Alter von 65 oder mehr Jahren zwischen 2001 und 2019 in Gelsenkirchen, Münster, Bielefeld und Dortmund nur sehr geringfügig zugenommen. Einerseits können dabei besonders, wie etwa in Münster, die vielen Studierenden eine Rolle spielen. Andererseits sind die jeweiligen Anteile von jungen Familien mit Kindern von Bedeutung, wobei insbesondere auch die nichtdeutsche Bevölkerung eine wichtige Rolle spielt. Laut Statistischem Landesamt haben Frauen (von 15 bis 49 Jahren) mit nichtdeutscher Staatsbürgerschaft im Durchschnitt deutlich mehr Kinder als Frauen mit deutscher Staatsbürgerschaft. Für Gelsenkirchen z.B. (2018: 35,9% der Bevölkerung mit Migrationshintergrund, 19,9% Nichtdeutsche) lauten die Zahlen 2,88 bzw. 1,32 Geburten pro Frau (s. Beitrag Wittkampf).

Abb. 2: Altersgruppe der Menschen von 80 Jahren oder älter: Veränderung der absoluten Zahlen von 2001 bis 2019 (Steigerungs- raten in %) (Quelle: eigene Berech- nungen nach www.lzg.nrw.de)

Die Altersgruppe "80+"

Die regionalen Unterschiede der Bevölkerungsanteile jener Menschen, die bereits 80 Jahre oder älter sind, entsprechen im Grundsatz ungefähr dem, was bereits in Bezug auf die Gruppe "65+" gesagt wurde. In Münster ist der Anteil mit 5,8% am niedrigsten, relativ hoch ist er in jenen Teilregionen, aus denen jüngere Leute in erheblicher Anzahl abgewandert sind.

Innerhalb der meisten Kreise liegen die Prozentwerte der einzelnen Kommunen relativ nahe beieinander. Im Kreis Recklinghausen etwa bewegen sie sich zwischen 6,9% und 7,9%.

Es gibt aber auch Kreise, in denen einzelne Kommunen durch besonders hohe bzw. niedrige Werte auffallen. Die extremsten Werte weisen einerseits Augustdorf (Kreis Lippe) mit einem Anteil von nur 4,6% der Altersgruppe "80+", andererseits Bad Sassendorf (Kr. Soest) mit 12,3% auf. In Augustdorf hat deutlich mehr als die Hälfte der Bevölkerung einen Migrationshintergrund. U.a. sind sehr viele Baptisten und Mennoniten in früheren Jahren als Russlanddeutsche dorthin zugewandert. In ihren Familien hat Kinderreichtum einen hohen Stellenwert. Die Geburtenrate ist in Augustdorf insgesamt hoch, der prozentuale Anteil der Altersgruppe "80+" folglich besonders niedrig. Bad Sassendorf gilt dagegen als "der" Alterssitz für Senioren. Zahlreiche Menschen ziehen nach dem Ausscheiden aus dem Berufsleben dorthin, sie wissen die typischen Kurort-Angebote sowie die seniorengerechten Wohn- und Freizeitmöglichkeiten zu schätzen. Ende 2018 betrug das Durchschnittsalter der Bevölkerung in Bad Sassendorf 50 Jahre, in Augustdorf dagegen 39 Jahre.

Besonders interessant sind – neben den prozentualen Bevölkerungsanteilen – die Veränderungen, die es in Bezug auf die absoluten Zahlen der Menschen der Altersgruppe "80+" von 2001 bis 2019 in Westfalen gegeben hat (Abb. 2). Die jeweilige tatsächliche Anzahl der betreffenden Menschen lässt viele wichtige Rückschlüsse zu, etwa in Bezug auf die wahrscheinlich benötigten Altenheimplätze. Im Kreis Coesfeld etwa verdoppelte sich die Anzahl der Menschen im Alter von 80 oder mehr Jahren von 7.137 Personen (= 3,3% der Bevölkerung) auf 14.296 Personen (= 6,6%).

Abbildung 2 zeigt die Steigerungsraten der absoluten Personenzahl der Generation "80 +" für die Kreise und kreisfreien Städte. Am geringsten waren sie in Gelsenkirchen, Herne und Hagen, wo seit den 1970er Jahren – als Folge des Zechensterbens sowie der wirtschaftlichen Strukturkrise des Ruhrgebietes – überwiegend deutlich negative Wanderungssalden zu verzeichnen waren. Menschen, die dort z.B. in den 1970er Jahren ihre Arbeit verloren und aus den Ruhrgebietsstädten abwanderten, können jetzt, um 2020, die Altersgruppe "80+" nicht mehr "verstärken".

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Weiterführende Literatur/Quellen

Erstveröffentlichung 2021