Ibbenbüren: Ein Bergbaurevier im Wandel

Im Frühjahr 2014 begann die Volkskundliche Kommission für Westfalen eine Langzeitdokumentation über den Bergbau im Ibbenbürener Steinkohlenrevier. Den Hintergrund bildet das beschlossene Auslaufen der Steinkohlenförderung in der Bundesrepublik Deutschland: Am Ende des Jahres 2018 werden das Bergwerk Ibbenbüren und die Zeche Prosper-Haniel in Bottrop als die beiden letzten von einst vielen hundert Kohlenzechen die Förderung einstellen.

Die Dokumentation begleitet die mit dem Ende der Kohlenförderung einhergehenden Entwicklungen auf verschiedenen Ebenen. Hier geht es z. B. darum, wie weit die betroffenen Orte – neben der Stadt Ibbenbüren die Gemeinden Mettingen, Recke, Westerkappeln, Hörstel und Hopsten – und ihre Bewohner durch den Bergbau geprägt sind, wie sie mit dem Strukturwandel umgehen und welche Spuren der Bergbau in Kultur und Selbstverständnis hinterlässt. Daher ist die Dokumentation auf die Gegenwart, die Vergangenheit und die Zukunft gerichtet.

Den Schwerpunkt der Dokumentation bilden erzählende Interviews mit jetzigen und früheren Angehörigen des Bergwerks und mit anderen vom Bergbau Betroffenen. Unterstützung, vor allem durch die Vermittlung von Gewährspersonen, erfährt die Dokumentation durch die RAG Anthrazit Ibbenbüren GmbH, durch den Knappenverein Tecklenburger Land e.V., durch die Stadt Ibbenbüren und eine Reihe von Privatpersonen. Die Interview-Mitschnitte werden zusammen mit den auf ihnen gründenden Niederschriften unter Wahrung der für Archive gültigen Sperrfristen im Archiv der Volkskundlichen Kommission für Westfalen in Münster verwahrt.

Schon jetzt zeichnet sich ab, dass die Interviews zu einer ganzen Reihe von Fragen wichtige Hinweise und Aufschlüsse geben werden. Zu den angesprochenen Themen gehören z. B.:

–   Gemeinsamkeiten und Unterschiede zum Ruhrbergbau und dabei nicht zuletzt Besonderheiten des Ibbenbürener Reviers etwa in der Siedlungsstruktur oder auch im für Ibbenbüren charakteristischen Gebrauch von Spitznamen auf der Zeche,

–   der Wandel der Arbeitswelt, der Ausbildung, der innerbetrieblichen Hierarchien, der sozialen Durchlässigkeit der Berufswelt und des Selbstverständnisses der Bergleute wie auch der Bergmannsfrauen,

–   der Einsatz der Ibbenbürener für ihr Revier,

–   die oft zweischneidige Situation, die sich durch den frühen Ruhestand für Bergleute ergibt,

–   die Vereins- und Festkultur und damit verbunden die persönlichen Zukunftserwartungen, aber auch die Erwartungen für das Revier und Strategien, die Erinnerung an den Bergbau wachzuhalten.

Neben den Interviews begleitet die Dokumentation das Leben rund um den Bergbau. Hierzu gehört etwa der Besuch der Barbaramessen in Mettingen oder der von den Knappenvereinen Nordrhein-Westfalens veranstalteten Landeskirchschichten sowie die Teilnahme an den Treffen der Schnittstelle Kohlekonversion, die den Strukturwandel im Revier unterstützt. Überdies erfasst die Dokumentation öffentliche und private Sachzeugnisse des Bergbaus.

Die Dokumentation der Volkskundlichen Kommission wird auch über das Jahr 2018 hinaus die Entwicklung im Ibbenbürener Revier begleiten.

Ihr Ansprechpartner:

Dr. Thomas Schürmann
Volkskundliche Kommission für Westfalen (LWL)
Scharnhorststraße 100
48151 Münster
Tel.: (0251) 83-24405
Fax: (0251) 83-28393
thomas.schuermann@lwl.org
www.volkskundliche-kommission.lwl.org