Plakat zur Ausstellung: Hermann Reichling (li.) mit dem Krammetsvogelfänger Heinrich Stille 1914 in einer Heide bei Kattenvenne im nördlichen Münsterland; Bildarchiv: LWL-Medienzentrum für Westfalen; Gestaltung: Vera Lohmann

Vogelfänger, Venntüten und Plaggenstecher - Natur und Landschaft vor 100 Jahren - Bilder und Filme von Dr. Hermann Reichling (1890-1948)

Eine Wanderausstellung des LWL-Museums für Naturkunde, des LWL-Medienzentrums für Westfalen, des LWL-Museumsamtes für Westfalen sowie des Westfälischen Heimatbundes

Natur und Landschaft haben sich in den vergangenen 100 Jahren stark verändert. Menschen übten Berufe aus, die es heute nicht mehr gibt. Vor mehr als 100 Jahren begann der westfälische Zoologe Dr. Hermann Reichling (1890- 1948) die Landschaften Nordwestdeutschlands zu fotografieren und später auch zu filmen. Nachdem seine Bilder und Filme mit Unterstützung der NRW-Stiftung in den vergangenen zwei Jahren digitalisiert wurden, stehen sie nun im Mittelpunkt einer neuen Wanderausstellung des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL). Die überwiegend aus Bildern und ausgewählten Orignalobjekten bestehende Schau startet am 25. März im Mindener Museum.

Strickender Schäfer unterwegs mit seiner Schafherde 1938. Bildarchiv: LWL-Medienzentrum für Westfalen

"Reichling war von 1919 bis 1933 und von 1945 bis 1948 Direktor des heutigen LWL-Museums für Naturkunde. Er und später sein Sohn Dr. Helmut Reichling leiteten und prägten über viele Jahre als Direktoren und Vorsitzende des Zoovereins den Westfälischen Zoologischen Garten, den heutigen Allwetterzoo in Münster. Einige Bilder aus dieser Zeit sind in der Ausstellung zu sehen", sagt Verena Burhenne vom LWL-Museumsamt.

Auf  großformatigen Schwarzweiß-Fotos stellt die Ausstellung Menschen, Natur und Landschaft vor etwa 100 Jahren vor. "Ein Zusammenschnitt von Filmen aus der Zeit um 1930, aufgenommen von Reichling selbst, vermittelt zusammen mit einigen Tierpräparaten aus dem Bestand unseres Museums und besonderen Leihgaben zur Fotografie- und Filmgeschichte einen umfassenden Eindruck dieser Zeit", so Dr. Bernd Tenbergen. Der Kurator hat die Ausstellung im LWL-Museum für Naturkunde entwickelt, das LWL-Museumsamt schickt sie auf Wanderschaft durch weitere neun Museen.

Auf tausenden Glasplattenfotografien hatte Hermann Reichling zwischen 1912 und 1948 die Tier- und Pflanzenwelt Nordwestdeutschlands dokumentiert. Seine Fotos und Filme zeigen, wie sehr sich die Landschaft seit Beginn des 20. Jahrhunderts verändert hat.

"Die Familie Reichling hat uns umfangreiches Foto- und Filmmaterial aus dem Familienbesitz überlassen. Das hat diese Ausstellung erst möglich gemacht", betont Dr. Jan Ole Kriegs, Direktor des LWL-Naturkundemuseums.

Hermann Reichling mit seiner Plattenkamera in einem Baum bei Aufnahmen an einem Greifvogelhorst. Bildarchiv: LWL-Medienzentrum für Westfalen

Verschwundene Berufe und Begriffe
Zu sehen sind u.a. Vogelfänger, die mit Hilfe von Lockvögeln, den sogenannten Wacholderdrosseln (in Westfalen Krammetsvögel genannt), kleine Singvögel zum Verkauf auf dem Markt gefangen haben. Als Ornithologe fotografierte Reichling gerne die Venntüten. Es handelt sich dabei um die früher weit verbreiteten Großen Brachvögel. Er hat seinen Lebensraum in Mooren und Feuchtwiesen. Auch Plaggenstecher beobachtete Reichling bei ihrer Arbeit. Plaggenstecher haben früher in den Heidegebieten den obersten Boden abgetragen, um ihn als Einstreu im Stall zu nutzen.

Begleitbuch zur gleichnamigen Sonderausstellung im LWL-Museum für Naturkunde. Cover: LWL-Museum für Naturkunde

Bedeutende Fotosammlung
Die Fotosammlung besteht aus etwa 9.000 historischen Glasplattennegativen und ist für den Naturschutz in Deutschland ein Zeitdokument von besonderer Bedeutung. Sie wurde seit 2015 mit Unterstützung der NRW-Stiftung aufgearbeitet und digitalisiert. "Auf Anregung des Westfälischen Heimatbundes haben wir gern dabei geholfen, diesen Kulturschatz im Bildarchiv des LWL-Medienzentrums der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Wir freuen uns, dass unter der Federführung von Dr. Johannes Hofmeister und Stephan Sagurna ein so beeindruckender Bildband entstanden ist", sagt dazu Martina Grote, Geschäftsführerin der NRW-Stiftung. Für alle, die sich für den Landschaftswandel interessieren und sich heute für den Erhalt der Kulturlandschaft mit ihrem Artenreichtum einsetzen, sei dieses Bilderarchiv eine Quelle, die die vergangene Vielfalt lebendig werden lässt.

Die Ausstellung ist ein Kooperationsprojekt des LWL-Museums für Naturkunde, des LWL-Medienzentrums für Westfalen, des LWL-Museumsamtes für Westfalen, des Westfälischen Naturwissenschaftlichen Vereins e.V. und des Westfälischen Heimatbundes.

Fotobildband der Sammlung Reichling. Cover: LWL-Medienzentrum für Westfalen

Veröffentlichungen
Zur Ausstellung hat das LWL-Museum für Naturkunde ein gleichnamiges Begleitbuch veröffentlicht (116 Seiten, Preis 14,80 Euro, ISBN 978-3-940726-44-5 ).

Das LWL-Medienzentrum für Westfalen hat außerdem zusammen mit dem LWL-Museumsamt einen von der NRW-Stiftung geförderten Bildband zur Fotosammlung herausgegeben, der im Tecklenborg-Verlag erschienen und über den Buchhandel zu beziehen ist (256 Seiten, Preis 19,90 Euro, ISBN 978-3-944327-37-2 ).

Ausstellungsstationen:

 

Mindener Museum

25.03.2017 - 28.05.2017


Museum Haus Martfeld, Schwelm
01.06.2017 - 30.07.2017

Naturkundemuseum im Marstall, Paderborn-Schloß Neuhaus
04.08.2017 - 01.10.2017


Stadtmuseum Brakel
08.10.2017 - 03.12.2017

Museum Bünde
10.12.2017 - 04.02.2018

Bielefelder Bauernhausmuseum
11.02.2018 - 08.04.2018

Baumberger-Sandstein-Museum
15.04.2018 - 10.06.2018

Medizin- und Apothekenmuseum, Rhede
17.06.2018 - 05.08.2018

Dümmer-Museum Lembruch
12.08.2018 - 28.10.2018

Ansprechpartner:
Dr. Bernd Tenbergen, LWL-Museum für Naturkunde, Tel.: 02 51 / 591-6020, bernd.tenbergen@lwl.org & Verena Burhenne M.A., LWL-Museumsamt für Westfalen, Tel. 02 51 / 591-4753, verena.burhenne@lwl.org