Plakat zur Ausstellung / Gestaltung: Gaby Bonn / Fotos: Dülberg und Heiling, LWL-Denkmalpflege

Bildwelten - Weltbilder. Romanische Wandmalerei Westfalens in neuem Licht

Eine Wanderausstellung der LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur Westfalen in Zusammenarbeit mit dem LWL-Museumsamt für Westfalen

Innenraum der kath. Kirche St. Kilian in Lügde (Krs. Lippe); Foto: Hartwig Dülberg, LWL-Denkmalpflege

In vielen Kirchen Westfalens sind Wandmalereien der späten Romanik von 1160-1270 erhalten. Sie zeigen figürliche Szenen, die zusammen mit der Architektur und der ergänzenden Dekorationsmalerei (Raumfassung) die Kirchenräume prägen. Dennoch ist die romanische Wandmalerei als herausragendes westfälisches Kulturgut bisher nicht systematisch wissenschaftlich erforscht worden. Um dies zu ändern, hat die LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen 2012 das Forschungsprojekt BILDWELTEN – WELTBILDER begonnen, bei dem figürliche Wandmalereien in dreizehn Kirchen vom Gerüst aus erfasst, kartiert und untersucht worden sind. Eine Buchpublikation, ein Film, ein Internetauftritt und eine Wanderausstellung mit einem Katalog stellen nun die Ergebnisse des Projektes vor.

„Die romanischen Wandmalereien in den Kirchen liefern uns viele Informationen zum christlichen Glauben im Mittelalter und sind für uns daher wichtige Zeugnisse“, erläuterte LWL-Chefdenkmalpfleger Dr. Holger Mertens. „Neben dem Zeugniswert der Malereien haben die repräsentativen Darstellungen für den heutigen Betrachter natürlich auch einen besonderen ästhetischen Reiz als Kunstwerke.“

Die in Zusammenarbeit mit dem LWL-Museumsamt entstandene Wanderausstellung der LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen ist ab April 2017 in sieben verschiedenen Orten in Westfalen-Lippe zu sehen. Die Ergebnisse des Forschungsprojektes „Bildwelten – Weltbilder“ fließen in aufbereiteter und visuell ansprechender Form in die Ausstellung ein. Über 40 Stellwände und Vitrinen präsentieren Texte, Pläne, Fotos und Exponate zur romanischen Wandmalerei in Westfalen-Lippe.  

„Mit zahlreichen hochauflösenden Fotos ermöglicht die Ausstellung spannende Detailansichten der Malereien, die vor Ort aufgrund der Monumentalität und der räumlichen Gegebenheiten dem Betrachter oft weit entrückt sind“, erklärt Projektbearbeiterin Dr. Anna Skriver. So möchte das LWL-Fachamt die Kunstgattung und ihre Geschichte in der Öffentlichkeit bekannt machen und dem heutigen Betrachter die Kraft der historischen religiösen Bildwelten verständlich vermitteln. Projektleiter Dr. Dirk Strohmann ergänzt: „Das Forschungsprojekt hat außerdem die Grundlage dafür geschaffen, die Wandmalereien auch für zukünftige Generationen zu erhalten. So wurden einige dringend notwendige Konservierungsmaßnahmen angestoßen und begleitet. Weiterhin wurden bei allen Wandmalereien Referenzflächen für ein Monitoring bestimmt, fotografiert und von Restauratoren untersucht."

Wandmalerei in der kath. Kirche St. Maria in Paderborn-Neuenbeken, Darstellung der Kreuzabnahme mit Christus im Mittelteil sowie Maria und Josef von Arimathäa; Foto: Hartwig Dülberg, LWL-Denkmalpflege

Erforschte Wandmalereien
Was haben die Menschen geglaubt und wie führten sie ihr Leben? Wie haben die Wandmaler gearbeitet und auf welche Vorlagen haben sie zurückgegriffen? Welche Geschichte haben die Wandmalereien in den folgenden fast 800 Jahren erlebt? All diese Fragen waren Anlass zu dem mehrjährigen Forschungsprojekt, das dreizehn westfälische Kirchen umfasste. Diese Kirchen befinden sich in den Orten Bad Sassendorf-Lohne , Bad Sassendorf-Weslarn, Balve, Bochum-Stiepel, Dortmund-Brechten, Dortmund-Wellinghofen, Lippstadt, Lügde, Paderborn-Neuenbeken, Schmallenberg-Berghausen, Schmallenberg-Wormbach, Soest und Soest-Ostönnen. Bei den Kirchen handelt es sich bis auf die Nikolaikapelle in Soest um Pfarrkirchen.

Wandmalerei in der Apsiskalotte der kath. Kirche St. Kilian in Lüdge; Ausschnitt mit einer Darstellung von Maria und dem Evangelisten Johannes; Foto: Hartwig Dülberg, LWL-Denkmalpflege

Hintergrund Romanische Wandmalerei
Wandmalereien gehören zum ältesten Kulturgut, wie bereits rund 33.000 Jahre alte Höhlenmalereien beweisen. Im europäischen Mittelalter erlebte diese Technik seit karolingischer Zeit einen neuen Aufschwung. Die Malereien wurden direkt mit den Wänden verbunden und somit zu einem Teil der Architektur. Die Farben bestimmen neben den architektonischen Formen wesentlich das innere Erscheinungsbild einer Kirche. Dabei werden einzelne Elemente wie Pfeiler, Kapitelle, Grate, Gurt- und Schildbögen durch Farbe besonders betont, verziert und hervorgehoben. Die Figuren wurden entweder in einer lasierenden oder deckenden Malweise gestaltet. Die Modellierung der Körper wie die der Gewänder ist in allen Fällen sehr variantenreich.

Im Mittelalter herrschte ein anderes Weltbild als wir es heute in Europa haben. Das Leben auf Erden wurde nur als Zwischenstation betrachtet. Es galt, möglichst christlich und fromm zu leben, um das ewige Leben nach dem Tod zu erwerben. Diesen Gedanken war nicht nur alles Handeln unterstellt, sondern es spiegelt sich bis heute in der Kunst jener Zeit. So ist das christliche Themenrepertoire vorherrschend.

Gewölbemalerei im Chorgewölbe der ev. Kirche in Dortmund-Brechten (ehem. St. Johann Baptist); der Ausschnitt zeigt das Weltgericht mit dem Zug der Seligen; Foto: Heiling, LWL-Denkmalpflege

Ausstellungsstationen:

 

Bürgerhalle im LWL-Landeshaus, Münster

04.04.2017 - 20.04.2017

Bochumer Zentrum für Stadtgeschichte, Bochum
04.05.2017 - 25.06.2017

Stadtmuseum Brakel
02.07.2017 - 27.08.2017

Museum Forum der Völker, Werl
03.09.2017 - 29.10.2017

Südsauerlandmuseum, Attendorn
05.11.2017 - 07.01.2018

Westfälisches Schieferbergbau- und Heimatmuseum, Schmallenberg-Holthausen
21.01.2018 - 11.03.2018

Museum Haus Kupferhammer, Warstein
18.03.2018 - 13.05.2018

Stadtmuseum Paderborn
20.05.2018 - 15.07.2018

Ansprechpartner:
Dr. Dirk Strohmann, LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen, Tel.: 02 51 / 591-4062, dirk.strohmann@lwl.org & Verena Burhenne M.A., LWL-Museumsamt für Westfalen, Tel. 02 51 / 591-4753, verena.burhenne@lwl.org