National Archives and Records Administration, Washington, D.C.; III-SCA-Album, 5293, Foto SC 206275

Schröder, Stefan: Displaced Persons im Landkreis und in der Stadt Münster 1945-1951.
Münster: Aschendorff 2005. 464 S., Abb.
(Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Westfalen XXII: Geschichtliche Arbeiten zur westfälischen Landesforschung, Band 22)
ISBN: 978-3-402-06784-0; Preis: 29,00 Euro
 

60 Jahre nach Kriegsende sind die Displaced Persons (DPs; "verschleppte Personen") in der deutschen Erinnerungskultur noch immer wenig präsent. Bei ihnen handelt es sich um die am Ende des Zweiten Weltkrieges von den Alliierten befreiten ausländischen Kriegsgefangenen, Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter des NS-Regimes sowie nichtdeutsche Flüchtlinge aus Osteuropa. Im Mai 1945 befanden sich ca. 9,5 Millionen DPs auf dem Gebiet des Deutschen Reiches, im Bereich der vorliegenden Studie ca. 30.000.

Die Quellenlage ist aufgrund der lückenhaften und verstreuten Überlieferung der Archivalien schwierig, zudem bieten die Quellen häufig auch nur einen kleinen Ausschnitt aus der Thematik. Die vorliegende Studie erläutert am Beispiel der Stadt und des (ehemaligen) Landkreises Münster, wie die DPs dorthin gekommen sind, wie sie untergebracht waren und lebten. Zusätzlich wird das Beziehungsgeflecht zwischen den DPs, ihren angloamerikanischen Befreiern, den internationalen Hilfsorganisationen und den Deutschen in den Blick genommen. Mit der Rückführung der DPs in ihre Heimatländer, ihrer Ansiedlung in Übersee und Westeuropa oder ihrem Verbleib in Deutschland (als "Heimatlose Ausländer") wird ein internationales bevölkerungspolitisches Problem aus mikrohistorischer Perspektive betrachtet.

Anhand dieses regional- und lokalgeschichtlichen Zugriffs arbeitet Stefan Schröder den Kontext der DP-Geschichte Nordwestdeutschlands paradigmatisch heraus und gibt Einblick in einen bislang weitgehend unbekannten Lagerkosmos. Neben typischen Beispielen für die DPs in Westdeutschland überrascht die Sonderrolle Münsters für die Geschichte der Displaced Persons in Nordrhein-Westfalen und in der Britischen Zone: durch die regionale Bedeutung bei der Repatriierung westeuropäischer DPs 1945, durch den Sonderfall des DP-Einsatzes bei der Trümmerräumung 1946/47, durch die regionale und zonale Abwicklung der Arbeitsanwerbung von DPs nach Großbritannien 1947/48 ("Operation Westward Ho!"), durch die 1949/50 von der Internationalen Flüchtlingsorganisation (IRO) initiierte regionale Abwicklung der Neuansiedlung von DPs besonders in Australien, durch die Einrichtung des "Zonal Clearing House" für Problemfälle unter den DPs der Britischen Zone 1949/50 und durch die Konzentration der britischen (und deutschen) DP-Verwaltung für Nordrhein-Westfalen in Münster ab 1949.

Zahlreiche Tabellen, eine Karte und Fotos runden die umfangreiche Studie ab, die durch ein detailliertes Register erschlossen wird.

Rezensionen:
— Geschichte im Westen 20 (2005), S. 253-254 (Kurt Schilde).

— Heimatpflege in Westfalen 21, Heft 5 (2008), S. 30-31 (Gisela Schwarze).

— Hessisches Jahrbuch für Landesgeschichte 58 (2008), S. 263-265 (Fred Mrotzek).

— H-Net Reviews, 07.2008 URL: http://www.h-net.org/reviews/showrev.php?id=14729 (Laura Hilton).

— H-Soz-u-Kult, 11.08.2006 URL: http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensionen/2006-3-104 (Tillmann Tegeler).

— Jahrbuch des Kreises Warendorf 55 (2006), S. 433-434 (Jochen Rath).

— Jahrbuch für Regionalgeschichte 24 (2006), S. 153-154 (Patrick Wagner).

— Jahrbücher für Geschichte Osteuropas 55, Heft 3 (2007), S. 467-468 (Roman P. Smolorz).

— Landwirtschaftliches Wochenblatt, Heft 21 (2005), S. 96 (Gisbert Strootdrees).

— Neue Politische Literatur 51 (2006), S. 160-161 (Holger Köhn).

— Westfälische Forschungen 57 (2007), S. 792-795 (Helmut Lensing).

— Westfälische Nachrichten 23.6.2005 (Christian Steinhagen).

 

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